Tödliche Unfälle US-Verkehrsbehörde nach GM-Rückruf in der Kritik 

Die Vorgehensweise von General Motors und der US-Behörde NHTSA bei einer Rückrufaktion wirft Fragen auf: Bevor 1,6 Millionen Autos zurückgeordert wurden, verursachte ein Defekt 13 tödliche Unfälle. Die Probleme waren dem Hersteller und der Behörde seit langem bekannt.

Chevrolet Cobalt: "Es gibt da keine magische Formel"
DPA

Chevrolet Cobalt: "Es gibt da keine magische Formel"


New York - General Motors startete Ende Februar einen gigantischen Rückruf: Der Hersteller orderte rund 1,6 Millionen Autos in die Werkstätten, weil die Gefahr besteht, dass der Zündschlüssel während der Fahrt in die Aus-Position zurückspringt und sich bei einem Unfall die Airbags nicht öffnen. Der Konzern räumte ein, dass der Defekt möglicherweise Schuld an Unfällen mit insgesamt 13 Todesopfern war.

Kurz darauf schaltete sich die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ein und startete eine Untersuchung. Es geht um die Frage, ob GM mit den Rückrufen zu lange wartete. Doch jetzt steht die Behörde selbst in der Kritik: Laut einem Bericht der "New York Times" waren auch ihr die Defekte seit langem bekannt.

Hat also nicht nur der Konzern, sondern auch die zuständige Institution zu lange gezögert?

"Zu wenig Beweise": Da gab es schon 170 Fälle

Nach Angaben der US-Zeitung sammelten sich bei der NHTSA in den vergangenen elf Jahren insgesamt 260 Beschwerden von Besitzern der von dem Rückruf betroffenen sechs Modelle. Sie beklagten sich jeweils über das gleiche Problem: Der Schlüssel ihres Wagens springe plötzlich in die Aus-Stellung. "Das Fahrzeug schaltet ohne Warnung ab", zitiert das Blatt aus einer Beschwerde über einen Chevrolet Cobalt. "Der Motor stoppt während der Fahrt, und das Auto lässt sich dann weder richtig lenken noch bremsen", hieß es in einem anderen Bericht.

Einen GM-Fahrer habe die Behörde im Dezember 2010 mit folgenden Worten vertröstet: "Uns liegen derzeit nicht genügend Beweise vor, mit der sich eine Untersuchung hinsichtlich Sicherheitsmängeln rechtfertigen lässt." Laut der "New York Times" habe die NHTSA zu diesem Zeitpunkt jedoch schon von 170 identischen Fälle gewusst.

Konfrontiert mit diesen Zahlen wiederholte die Behörde ihre Begründung: Die kritische Masse, die für eine Aufforderung zum Rückruf nötig ist, sei nicht erreicht worden. NHTSA-Chef Frank Borris sagte dem Blatt, die Daten zu den Beschwerden würden durch ein Computerprogramm aufbereitet und von "erfahrenen Ingenieuren" geprüft. Ob und wann eine Rückrufaktion gestartet werde, hänge von verschiedenen Richtlinien ab: "Es gibt da keine magische Formel", sagte Borris.

Kritik von der Ex-Leiterin

Die Behörde muss sich nicht das erste Mal vorwerfen lassen, zu spät reagiert zu haben: In den späten neunziger Jahren wurde sie dafür kritisiert, eine Reihe von Unfällen falsch bewertet zu haben, bei der Autos von Ford mit bestimmten Reifen sich auf Highways überschlugen. Damals starben bei solchen Unfällen 271 Menschen. Eine frühere Leiterin der Behörde zweifelte an ihrem ehemaligen Arbeitgeber: "Die NHTSA hat das Problem, Trends an Sicherheitsmängeln rechtzeitig zu erkennen, noch immer nicht in den Griff bekommen", sagte sie der "New York Times".

Die fragwürdige Rolle der NHTSA bei der Rückrufaktion von GM hat bereits erste Konsequenzen: Am Montag wird ein Beraterteam der US-Regierung Gespräche mit der Behörde führen. Dann sind es die Untersucher der Pannen, die auf Pannen untersucht werden.

Unterdessen hat GM-Chefin Mary Barra im Zuge der Rückrufaktion interne Ermittlungen in ihrem Konzern angekündigt. Gegenüber der "New York Times" wollte der Autohersteller allerdings nicht mal bekanntgeben, in welchen Zeiträumen sich die 13 tödlichen Unfälle im Zusammenhang mit dem Defekt ereigneten.

cst

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Seite 1
hdudeck 09.03.2014
1. Das ganze ist doch das normale Vorgehen
Zitat von sysopDPADie Vorgehensweise von General Motors und der US-Behörde NHTSA bei einer Rückrufaktion wirft Fragen auf: Bevor 1,6 Millionen Autos zurückgeordert wurden, verursachte ein Defekt 13 tödliche Unfälle. Die Probleme waren dem Hersteller und der Behörde seit langem bekannt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/us-verkehrsbehoerde-nhtsa-nach-gm-rueckruf-in-der-kritik-a-957740.html
einer americanischen Behoerde. US Hersteller/Firmen werden anders behandelt als Auslaendische. Da waere der CEO schon laengst zum Senat zitiert worden um ihm gehoerig einzuheizen, wie es seinerzeit mit Toyota passiert ist. Wer erinnert sich da nicht an Audi, wo lediglich ein paar alte Damen den Rueck mit dem Vorwaerzgang verwechselt haben. Die USA sind halt sehr einfallsreich (und mehr), wenn es darum geht. schwindende Produktivitaet zu ersetzen, um den Staatshaushalt zu entlasten. Die NSA hilft sicherlich gerne dabei, entsprechende EMails zu beschaffen (erzeugen), die Beweisen, das zumindest der CEO der entsprechenden Firma das boeswilligerweise alles geplant hat, um Americaner zu schaedigen. Da wird dann mal schnell ne' millardenschwere Strafe faellig.
spon_2318831 09.03.2014
2. irgendwann,
ich liebe die USA, wird dann mal gegen die zuständige Behörde ermittelt. Ist dass dann wie bei uns, wo dann die eindeutig verantwortlichen Beamten die zukünftigen Chefs der Fachabteilungen werden ?
u.loose 09.03.2014
3. Was stimmt denn nun?
13 tödliche Unfälle, oder eine bestimmte Zahl an Unfällen mit 13 Toten... Das ist doch ein deutlicher Unterschied.
danielscharr 09.03.2014
4. nichts neues
Zitat von spon_2318831ich liebe die USA, wird dann mal gegen die zuständige Behörde ermittelt. Ist dass dann wie bei uns, wo dann die eindeutig verantwortlichen Beamten die zukünftigen Chefs der Fachabteilungen werden ?
Diese Vorgehensweise ist wirklich nichts Neues und wird gerade in den USA seit Jahrzehnten oraktiziert. Wenn ein Problem auftritt wird zuerst kalkuliert wieviele Opfer es geben könnte und wie hoch die Kosten der außergerichtlichen Einigungen mit den Opfern/Hinterbliebenen sein könnten. Liegen diese Kosten unter den Kosten einer großangelegten Rückrufaktion läßt man es darauf ankommen. Solange die Presse keinen Wind davon bekommt läuft alles weiter wie gehabt. Erinnere mich da an ein US Modell aus den siebzigern und Probleme mit dem Tank. Damals mußten auch erst einige Menschen verbrennen bevor sich jemand des Problems annahm. Siehe Ford Pinto: http://de.wikipedia.org/wiki/Ford_Pinto Beispiele gibt es hierfür zu Hauf! Tja in ihren geliebten USA ist ein Menschenleben auch nur eine Zahl auf einem Papier mit einem Dollarwert.
rechnernetzstecker 09.03.2014
5.
Zitat von sysopDPADie Vorgehensweise von General Motors und der US-Behörde NHTSA bei einer Rückrufaktion wirft Fragen auf: Bevor 1,6 Millionen Autos zurückgeordert wurden, verursachte ein Defekt 13 tödliche Unfälle. Die Probleme waren dem Hersteller und der Behörde seit langem bekannt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/us-verkehrsbehoerde-nhtsa-nach-gm-rueckruf-in-der-kritik-a-957740.html
Und das bei Maximaltempo 88! Ich werde mir nie einen GM kaufen und mit 188 (!) über deutsche Autobahnen heizen...
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