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Corvette mit Bespitzelungs-Technik: Big Brother an Bord

Foto: General Motors

Corvette mit Bespitzelungstechnik Ab Werk verwanzt

Die neue Corvette ist ein Sportwagen für Kontrollfreaks: Ein System zeichnet Daten wie Geschwindigkeit und Streckenverlauf auf, eine Kamera filmt das Geschehen vor dem Auto. Wer möchte, kann sogar ein Mikro im Innern des Wagens aktivieren - zur Abschreckung.

Sie stehen im Stau. Der Blick schweift rüber ins Auto neben Ihnen: Was sehen Sie? Manch einer isst einen Snack, was durchaus unappetitlich aussehen kann, ein anderer führt ein Streitgespräch am Telefon, wieder ein anderer singt lauthals den Sommerhit aus dem Radio mit; text-, aber nicht tonsicher. Doch das ist ihm egal, denn im Auto fühlen Autofahrer sich wohl, zurückgezogen und eigentlich auch: unbeobachtet.

"Für viele ist das Auto ein Schutzraum ähnlich der Wohnung; sie machen die Tür zu und fühlen sich sicher", sagt Verkehrspsychologe Helmuth Thielebeule. Aber damit ist es längst vorbei. Nicht nur der Autonachbar im Stau, sondern vor allem neue Assistenzsysteme im Auto greifen immer häufiger in diese Schutzzone ein. Hersteller könnten, wenn sie dürften, längst mehr Daten auswerten. "Das Auto darf nicht zur Datenkrake werden", warnte deshalb sogar VW-Chef Martin Winterkorn zur Eröffnung der Cebit 2014.

Die Neugier fährt mit

Doch würden Sie nicht auch manchmal gerne wissen, was andere mit oder in Ihrem Auto treiben - beispielsweise, wenn Sie es verleihen? Diese Neugierde will Chevrolet in der neuen Corvette mit einem bisher einzigartigen Extra stillen, das Datenschützer vermutlich in Panik versetzen wird.

Eigentlich sollte das sogenannte "Performance Data Recorder"-Paket in der Corvette schlicht fahrrelevante Daten aufzeichnen. Doch im Valet Mode des Paketes verknüpft es Film- und Tonaufnahmen mit Fahrzeugdaten wie Geschwindigkeit, Streckenverlauf und Drehzahl. Die Kamera filmt in HD-Qualität aus Fahrerperspektive, quasi eine vom Hersteller angebotene Dashcam. Dabei sind diese datenschutzrechtlich umstritten, zumindest in Deutschland. Im Falle eines Unfalls dürften Versicherungen und Polizei Interesse an den Aufzeichnungen bekunden.

Neu ist auch, dass ein Mikrofon den Innenraum abhört. Dabei wird fast zur Nebensache, dass Valet Mode auch das Handschuhfach und die Armlehne verschließen kann sowie den Zugriff auf das Infotainment-System verweigert. Das einzige, was der Besitzer dafür tun muss, ist auf dem Touchscreen einen speziellen PIN-Code eintippen und Valet Mode aktivieren. Bis zu 200 Minuten können so auf einer SD-Karte im Handschuhfach aufgezeichnet werden.

Derzeit ist der Valet Mode nur in der neu auf den Markt gekommenen Corvette erhältlich. Valet ist Englisch und heißt Diener - in den USA steht Valet vor allem für den beliebten Parkdienst, bei dem Angestellte von Hotels oder Restaurants das Fahrzeug der Kunden abstellen. Dieser muss einfach vor den Eingangsbereich vorfahren und seine Schlüssel abgeben.

Chevrolet selbst spielt in einem Werbe-Video damit, dass offenbar nicht alle mit dem Service nur gute Erfahrungen gesammelt haben. Wer will schon, dass Fremde das eigene Auto durchwühlen oder das Fahrzeug für einen Kurzausflug auf der Rennstrecke ausleihen? Eine Lösung bei solchem Misstrauen soll das neue Extra bieten. Verkehrspsychologe Thielebeule sieht darin aber eine große Gefahr: "Überwachung wird so immer einfacher." Auch im Privaten.

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