Venturi Eclectic Das Pustefix-Mobil

Er sieht aus, als käme er geradewegs aus einem Comic. Doch der in Paris enthüllte Venturi Eclectic ist keine kühne Öko-Flitzer-Vision aus der Werkstatt von Daniel Düsentrieb. Er ist vollkommen ernst gemeint: In wenigen Monaten kann man den luftigen Solar-Dreisitzer kaufen.


Die Automobilindustrie hat ihr grünes Mäntelchen abgelegt. Zumindest auf dem Pariser Salon spielen Umweltthemen kaum eine Rolle. Hier mal ganz versteckt ein Hybridfahrzeug, dort mal eine Brennstoffzelle unterm Blech und dazwischen vielleicht die nächste Generation eines besonders sauberen Dieselmotors – aber das war es dann auch schon mit den alternativen Antrieben. Wirklich? Nein! Denn während die Massenhersteller und Großkonzerne scheinbar freiwillig die Bühne der Nachhaltigkeit geräumt haben, rücken ein paar Nischenanbieter mit erstaunlichen Mobilitätsideen ins Rampenlicht.

Eines der unscheinbarsten und dennoch faszinierendsten Öko-Mobile des Salons ist der Venturi Eclectic, den seine Erfinder als erstes Auto der Welt feiern, das vollkommen autonom und unabhängig von allen Energiequellen unterwegs ist: Statt Benzin, Diesel oder Gas fährt der weitgehend offene Dreisitzer mit Strom. Und den holen die Franzosen nicht aus der Steckdose, einer Brennstoffzelle oder einem Generator, sondern buchstäblich vom Himmel. Denn der Eclectic fährt mit der Kraft von Sonne und Wind.

Solarzelle auf dem Dach liefert Energie für sieben Kilometer

Dafür haben die Ingenieure von Venturi auf dem Dach des Mobils eine 2,5 Quadratmeter große Solarzelle montiert, die bei sonnigem Wetter genügend Strom für sieben Kilometer Fahrstrecke liefert. Wem das nicht reicht, der kann zudem noch bis zu drei Windturbinen bestellen, deren Strom ebenfalls in den Nickel-Metall-Hybrid-Akkus gespeichert wird. Wenn die Winde günstig stehen, reicht das für weitere 15 Kilometer am Tag. Und falls Petrus überhaupt nicht mitspielt, kann man die Batterien auch an der Steckdose laden und so eine Reichweite von sogar 50 Kilometern erzielen.

Natürlich sind die Fahrleistungen mit einem konventionellen Auto kaum zu vergleichen: Der Motor leistet nur etwas mehr als 20 PS. Weil der Eclectic allerdings auch nur 350 Kilo wiegt, reicht das immerhin für ein Spitzentempo von 50 km/h. Für Überlandfahrten ist das etwas wenig. Doch Venturi sieht den Eclectic vor allem als Fahrzeug für die Innenstadt, für Firmen mit gutem Gewissen oder als Shuttle zwischen Golfplätzen, Hotels und Strandpromenaden. Und dort sind mehr als 50 Sachen ohnehin kaum möglich.

200 Exemplare des Sonne-Wind-Mobils sollen gebaut werden

Zwar hat es Autos mit Solarantrieb hin und wieder gegeben. Doch anders als die Rennzigarren bei irgendwelchen Öko-Rallyes in Australien oder sonstwo ist der Eclectic nicht der Eigenbau eines ambitionierten Tüftlers, sondern ein Auto, "das unmittelbar vor der Serienproduktion steht und vom kommenden Jahr an für 24.000 Euro plus Steuern auch zu kaufen sein wird", versprechend die Entwickler.

Und die wissen, wovon sie reden. Schließlich hat die monegassische Sportwagenschmiede Venturi bereits den Fetish am Start, der ebenfalls mit Elektroantrieb angeboten wird und in diesem Jahr zum stolzen Preis von fast 300.000 Euro immerhin vier Kunden gefunden hat. Beim Eclectic allerdings sollen es ein paar mehr werden, verkündet Venturi und plant zunächst mit einer Kleinserie von 200 Fahrzeugen. In zwei Jahren allerdings sollen die Stückzahlen signifikant steigern und der Dreisitzer dann bereits für einen Nettopreis von 15.000 Euro angeboten werden.

Mit dem Elektro-Sportwagen und dem Eclectic ist das Programm der grünen Stromer bei Venturi allerdings noch nicht ausgereizt. Auf dem Messestand zeigen die Monegassen auch schon die nächste Stufe ihres Entwicklungsplans: den Astrolab. Der hat nur zwei statt drei Sitze, kommt ohne Dach aus und bietet auch nicht ganz so viel Sitzkomfort – fährt dafür aber deutlich schneller und weiter. Weil die Solarzelle dort fast vier Quadratmeter misst, das Gewicht auf gut 200 Kilogramm gedrückt wurde und der Akku mehr Speicherkapazität bietet, kommt der Zweisitzer mehr als 100 Kilometer weit – und das mit bis zu 120 Sachen. Allerdings muss man für dieses Vergnügen auch wieder tiefer in die Tasche greifen und schon ohne Steuern 92.000 Euro bezahlen. Dass man danach nie wieder tanken muss, ist da nur ein kleiner Trost.

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