Szenario zur Verkehrswende Greenpeace fordert Verbot für Autos mit Verbrenner ab 2025

Frankreich und Großbritannien wollen 2040 aussteigen. Die Grünen fordern ein Ende für Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren ab 2030. Der Umweltorganisation Greenpeace zufolge ist das nicht genug.
Verkehr in Berlin (Archiv)

Verkehr in Berlin (Archiv)

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Um das Aus für Autos mit Diesel- und Benzinmotoren wird in Deutschland heftig gestritten. Nach der Atomwende ist von einer geplanten Autowende die Rede - und das Thema könnte zum Knackpunkt bei Koalitionsverhandlungen werden. Nun hat auch die Umweltorganisation Greenpeace einen Entwurf für eine Verkehrswende in Deutschland  vorgelegt.

Zu den zentralen Forderungen des Szenarios zählen: Weniger Autos, höhere Steuern - und keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr ab 2025. Die Umweltschützer verlangen damit ein noch schnelleres Ende der Verbrenner in Deutschland als etwa in Frankreich oder Großbritannien - wo spätestens ab 2040 keine neuen Benzin- oder Dieselautos mehr zugelassen werden sollen. Die Grünen in Deutschland fordern ein Verbot ab 2030.

Thorsten Koska, Co-Autor des Szenarios, sagte: "Wir wollen den Leuten das Auto nicht wegnehmen." Es gehe darum, Alternativen attraktiver zu machen. Auch ein Zulassungsverbot für Autos mit herkömmlichem Antrieb ab 2025 hält Koska für realistisch. Die Fahrzeughersteller hätten bereits damit begonnen, neue Elektromodelle zu entwickeln. "Acht Jahre reichen aus, um diesen Prozess abzuschließen und die Modellpalette umzustellen."

Laut dem Greenpeace-Entwurf "Mobilitätsszenario 2035" soll der Autoverkehr bis 2035 fast vollständig elektrisch sein. Um dies zu erreichen, wären etwa Mindestquoten für E-Autos möglich. So könnten die Klimaschutzziele erreicht werden und der Verkehr in Deutschland ohne Öl auskommen. Auch Norwegen plant ab 2025 ein Verbot von Diesel - und Benzinautos.

Laut dem Greenpeace-Konzept sollte zudem vor allem die Abhängigkeit von einem eigenen Auto verringert werden. Gelingen könne dies zum Beispiel durch neue Mobilitätsdienstleistungen und eine bessere Vernetzung von Verkehrsangeboten. Öffentliche Verkehrsmittel, Rad- und Fußverkehr und Angebote wie Carsharing sollen so attraktiv gestaltet werden, dass ein großer Teil der Menschen auf den privaten Pkw verzichtet oder das Auto seltener nutzt. "Wir wollen weniger Autos und weniger Verkehr, aber nicht weniger Mobilität", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan.

Das Greenpeace-Szenario sieht vor, dass die Zahl der Autos bis 2035 massiv sinkt - und zwar auf 200 private Pkw pro 1000 Einwohner. 2015 lag die Zahl bei 548. Außerdem seien höhere Kosten für Anschaffung und Besitz eines privaten Pkw von "grundlegender Bedeutung". Denkbar seien Zulassungs- und höhere Umlaufsteuern für Pkw. 2035 sollten Bewohner von Städten "erhebliche finanzielle Vorteile" genießen, wenn sie autofrei leben.

An einem geforderten Zulassungsverbot hatten zuvor unter anderem CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Politikerin Brigitte Zypries scharfe Kritik geübt. Mit solch einem Schritt könne "die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands" gelegt werden, befürchtete der bayerische Ministerpräsident. Die Bundeswirtschaftsministerin sagte: "Der Diesel ist ja eigentlich ein guter Motor. Er ist ein bisschen in Generalverschiss geraten, aber das ist nicht richtig."

Auch die Wirtschaftsforscher vom Münchner Ifo-Institut hatten sich gegen ein Verbot ausgesprochen. Die Ökonomen ermittelten rund 600.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland, die nach heutigem Stand direkt oder indirekt von einem Aus für Benziner und Diesel betroffen wären. VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing mahnte eine sozialverträgliche Deindustrialisierung an.

apr/dpa
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