Schutz vor Lkw-Unfällen Unternehmen setzen freiwillig auf Abbiegeassistenten

Abbiegeassistenten für Lkw können Leben retten, sind aber nicht verpflichtend. Bis sich das ändert, soll ihre Nachrüstung mit Steuermitteln gefördert werden - einige Unternehmen wollen die Technik ab sofort einsetzen.
Ein Radfahrer neben einem Lkw mit Abbiegeassistent

Ein Radfahrer neben einem Lkw mit Abbiegeassistent

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat eine Aktion zur schnellen deutschlandweiten Einführung von elektronischen Abbiegeassistenten für Lkw gestartet. Wie das Ministerium am Dienstag mitteilte, wollen zahlreiche Unternehmen ihre Lkw auf freiwilliger Basis mit dem Sicherheitssystem ausstatten. Zuvor hatte sich Scheuer mit rund 70 Vertretern von Speditionen, Herstellern, Zulieferern, Rad- und Verkehrsverbänden sowie technischen Prüfdiensten und Verkehrspolizisten in Berlin getroffen.

Viel zu oft würden Fußgänger und Radfahrer von abbiegenden Lkw-Fahrern übersehen, schreibt das Verkehrsministerium. Ein Abbiegeassistent könnte Leben retten. "Zukünftig sollte kein Lkw mehr unterwegs sein, der nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgerüstet ist", erklärte Scheuer. Als gutes Beispiel will er bis 2019 die Nutzfahrzeuge aller nachgeordneten Behörden damit ausrüsten. Den Anfang mache die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit mehr als 260 Lkw.

Der Assistent kostet nur rund 1000 Euro

Die Assistenzsysteme sollen Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel der Lkw erkennen und den Fahrer warnen beziehungsweise den Laster abbremsen. Ein elektronischer Abbiegeassistent kostet 800 bis 1300 Euro, sagte Scheuer im ARD-"Morgenmagazin". Die Nachrüstung will sein Ministerium finanziell fördern - Mittel stehen allerdings noch nicht bereit.

Zunächst muss der Minister auf freiwillige Nachrüstung der Lkw setzen, denn eine gesetzliche Pflicht kann nur auf Ebene der Europäischen Union eingeführt werden. Und die lässt laut Plänen der EU-Kommission bis 2022 auf sich warten. Scheuer will aber auch auf Betreiben des Bundesrats in Brüssel Druck machen.

Mehrere Unternehmen wollen nachrüsten

Zahlreiche Logistikverbände wollen nun für die Assistenzsysteme Werbung machen. Außerdem haben sich laut Scheuer die Unternehmen Edeka, Aldi, Alba und DB Schenker dazu verpflichtet, ihren Fuhrpark mit den Systemen nachzurüsten - bevor es auf europäischer Ebene verpflichtend wird.

Bislang ist die Verbreitung der Systeme gering - obwohl die Technik bereits seit Jahren existiert und seit 2012 über eine Pflicht diskutiert wird. Der weltweit größte Lkw-Hersteller Daimler bietet sie erst seit 2016 an. Der Handelsverbund Edeka, der nach eigenen Angaben eine der größten Lkw-Flotten im Handel besitzt, will bis Ende des Jahres 900 seiner 3500 Fahrzeuge mit Assistenzsystemen ausrüsten.

ene/afp
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