Verpasste Chancen Autoträume, die Schäume blieben

Ein Van, geformt wie ein Fisch. Ein Kleinwagen, so genügsam wie ein Kaktus: Kühn konzipierte Auto-Visionen gibt es reichlich - meist werden solche Modelle jedoch nur gebaut, um auf Messen Aufmerksamkeit zu erregen. Hier sind zehn Typen, die eine Serienfertigung verdient hätten.

Von Jürgen Pander


Produktplanung gehört wohl zu den schwierigsten Disziplinen des Automobilmanagements. Zum einen setzen die langen Entwicklungszyklen in der Branche geradezu visionäre Talente voraus - ein von Grund auf neues Modell zu entwickeln, dauert vier bis fünf Jahre. Zum anderen brauchen Ideen den richtigen Zeitpunkt, um sich durchzusetzen. Kommt ein Auto zu früh, ist es zum Scheitern verurteilt, wie etwa das Beispiel des VW Golf Country zeigt, der als Vorform der heutigen Kompakt-SUV 1990 auf den Markt kam und bereits nach eineinhalb Jahren und weniger als 8000 verkauften Exemplaren wieder eingestellt wurde.

Es kann aber auch ein großer Fehler sein, zu lange mit der Einführung eines neuen Automodells zu warten. Oder hoffnungsvolle Auto-Ideen gar nicht erst reifen zu lassen. Auf nahezu jeder größeren Automesse finden sich dazu Beispiele in Form von hinreißenden Studien, die dann in der Versenkung verschwinden. Und dabei geht es nicht nur um kühnes oder spektakluäres Design, denn dessen Wirkung verpufft im Laufe eines Autolebens rasch. Oft wandern auch vielversprechende, stimmige und zeitgemäße Konzeptautos gleich nach der Showtime auf der Messe wieder in die Depots der Firmenmuseen.

Der VW Chico von 1991 ist so ein Fall, ebenso der Opel Trixx aus dem Jahr 2004. Beide Autos waren Ansätze für ein wirklich kleines, minimales Stadtfahrzeug, wurden aber nie realisiert. Das Rennen in dieser damals neuen Marktnische machte der Smart, der 1998 auf den Markt kam. Die Idee kam von dem Schweizer Swatch-Erfinder Nicolas Hayek, der aber kurz nach dem Serienanlauf aus dem Gemeinschaftsprojekt mit Daimler wieder ausstieg.

Hayek hatte übrigens, ehe seine Idee eines Mikroautos gemeinsam mit Daimler vorantrieb, mit VW zusammengearbeitet. Doch die Wolfsburger verloren irgendwann das Interesse. Dabei könnte VW gerade jetzt ein sparsames Minimobil, das schon konstruktionsbedingt fit ist für den Elektroantrieb, sehr gut brauchen.

Die Geschichte des Autos ist auch eine Geschichte der verpassten Chancen, wie diese zehn Beispiele zeigen.



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Stäffelesrutscher, 22.02.2011
1. dfkgjaeüojeorö
Da haben sie aber noch einige würdige Studien unterschlagen! Es gibt auch noch einige, die es durchaus zur Serienreife gebracht haben und dann aber auch von der schreibenden Zunft zuerst gefeiert, dann verrissen wurden. Stattdessen haben sich die meisten Autotester ja sowieso auf PS, Hubraum und Beschleunigung abonniert, mutiges Design wird zwar mal lobend erwähnt, aber zukunftsweisende Ansätze finden kaum Gehör, beim Kunden deshalb schon mal gleich gar nicht. Was bleibt ist grausiger Einheitsbrei, der vor allem in der Oberklasse einfach nur grauenhaft langweilig, mutlos und Ideenlos ist. Da ziehen sich die Fetischisten sogar an Spaltmaßen hoch, um sich besser zu fühlen. Wann man das letzte Mal derartigen Mut im Automobilbau hatte, und die Kunden dies auch mit Freuden akzeptierten, war vermutlich in den 50ern mit den amerikanischen Straßenkreuzern samt Haifischflosse und ähnlichem Zierrat. Heute will man bei Herstellern wie Kunden nur noch schnörkellos-langweilige, stromlinienförmige, total unauffällige Brutalo-Audis ohne jeglichen Anspruch an Design, vorzugsweise in Schwachsinns-Schwarz oder bloß-nichts-falschmachen-Silber.
rmuekno 22.02.2011
2. Die Entwickler hätten es drauf
funktionelle, z.T. sparsame und auch wieder mal schöne Autos zu bauen, die wieder etwas individueller sind als der aktuelle Trend. Und bezahlbar sowie Umweltfreundlich wären sie wohl auch wie der Artikel zeigt. Nur die Aktienkurs fixierten, geldgeilen BWLer in den Führungsetagen haben keinen Plan, verbrennen Milliarden (Daimler Chrysler Reinfall, Opel Fisako, GM Fiasko etc., Toyota, Saab etc.) Einzig der VW Konzern hält sich noch über Wasser, fragt sich wie lange noch bei dem Grössenwahninn die Nummer 1 zu werden wollen. Mehr Techniker in die Führungsetagen.
hansglueck 22.02.2011
3. Blöder Artikel...
Blöder Artikel - warum werden denn die Studien nicht gebaut worden sein? Weil sich herausgestellt hat, dass sich eine Produktion nicht rechnen würde. Aber wenn der Autor genau weiß, dass der Lamborghini (oder welche Studie auch sonst) so ein riesen Knaller geworden wäre, warum wechselt er dann nicht als hochbezahlter Experte in die Automobilindustrie? Ist irgendwie beim Auto wie beim Fußball - alle sind Experten und jeder weiß es besser.
KT712 22.02.2011
4. Zukunftsmusik
---Zitat von Spiegel-Artikel--- Audi Avantissmo: Mut bewies Audi mit der Studie Avantissmo, die auf der IAA 2011 gezeigt wurde. ---Zitatende--- Auf der IAA 2011? So,so, Spiegel Online wird auch immer besser...
berufskonsument 22.02.2011
5. Durchdacht?
---Zitat--- Der Wagen beschränkte sich nur auf die nötigen Bauteile. Statt eines Handschuhfachs bot er eine abnehmbare Tasche, statt Fensterheber eine Klimaanlage, das Bug- und Heckelement war identisch. ---Zitatende--- Stelle mir gerade das wütende Hupen vor, wenn der stolze Fahrer dieser Fehlkonstruktion gut gekühlt versucht, durchs hermetisch verschlossene Fenster den Parkschein aus dem Automaten zu ziehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.