Oldtimertreffen Villa d'Este 2019 Der Klang des Geldes

Am Comer See feiern die Reichen im Frühling ihre millionenteuren Oldtimer - und sich selbst. Schwerpunkt dieses Mal: das schönste Röhren. Einblicke in eine automobile Parallelgesellschaft.

Michael Specht

Von Michael Specht


Der V12-Zylinder-Ferrari von 1961 klingt metallisch und so nervös, dass er einem die Gänsehaut auf die Unterarme treibt. Noch brutaler tönt der Achtzylinder-Reihenmotor mit Doppelkompressor eines Alfa Romeo von 1937. Da zittert der Champagner in den Gläsern der Umstehenden.

Willkommen beim Concorso d'Eleganza Villa d'Este, dem exklusivsten Schönheitswettbewerb klassischer Automobile und Concept Cars auf europäischem Boden. Hier am Comer See hat die Klassikerszene in diesem Frühjahr einmal mehr sich selbst gefeiert.

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Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2019: Alles auf Hochglanz

Juroren, Damen wie Herren in dunkelblauem Blazer und hellen Strohhüten, beugen sich über Motorräume stecken ihre Nasen in Fahrzeugdokumente und -dokumentation. Neben Design, Originalität und Historie nimmt die 13-köpfige Jury erstmals auch den Sound der Motoren mit auf ihren Bewertungsbogen. "Symphony of Engines" lautet in diesem Jahr das Motto des Treffens.

"Ein rein emotionaler Aspekt", sagt Laura Kukuk, Kfz-Ingenieurin, Oldtimer-Sachverständige und Mitglied der erlauchten Jury, zu dieser neuen Kategorie. Den insgesamt 50 Teilnehmern hatten die Veranstalter davon im Vorfeld nichts verraten. Damit nicht jemand auf die Idee komme, den Auspuff zu manipulieren. Passend zum Motto stellte Hauptsponsor BMW einen restaurierten Roadster 507 auf eine überdimensionale Schallplatte. Erstbesitzer: Elvis Presley.

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Ansonsten darf nicht jeder im Garten des mondänen Grandhotels Villa d'Este seine automobile Kostbarkeit bewundern lassen. Wer kommen soll, bestimmt das Concorso-Komitee - Besitzer besonderer Klassiker werden angeschrieben.

Berühmte Vorbesitzer ziehen als Kriterium immer, dieses Mal vor allem Musiker. So wird der Bezug zum Motto mitunter etwas krampfhaft hergestellt, was der Qualität der Schau nicht hilft. So zählt ein Aston Martin V8 Vantage von 1985 nicht wirklich zu den großen Klassikern, doch den Wagen fuhr einst eben Elton John. Heute gehört das Modell zur Sammlung des thailändischen Ex-Windkraftunternehmers Nopporn Suppipat.

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Deutscher Oldtimer Index: Alltagsklassiker mit Wertzuwachs

Oliver Ruppertzhoven aus Deutschland hat ebenfalls einen berühmten Eintrag im Fahrzeugbrief seines 1966er Maserati Mistral 4000 Spider - den Opernsänger Mario del Monaco, einer der größten Tenöre seiner Zeit. Allerdings: Dem Über-Restaurations-Ehrgeiz mancher Oldtimerbesitzer kann Ruppertzhoven wenig abgewinnen und lässt seine blauen Maserati in Würde altern. Alles befindet sich im Originalzustand. Patina, wohin der Blick fällt, faltiges Connolly-Leder, gerissene Sitznähte, sonnengebleichter Metalliclack.

So oder so bleibt der Concorso d'Eleganza Villa d'Este eine Parallelwelt, Lichtjahre entfernt vom normalen Autoalltag. Wer nicht absoluter Szenekenner ist, sollte nicht über die vermeintlichen Werte der gezeigten Oldtimer spekulieren. Man liegt stets komplett daneben, verschätzt sich meist um ein paar Millionen Euro. Aber Geld ist am Comer See eh nicht das Thema. Man hat es im Überfluss. Vielfach kümmert sich ein Team von Festangestellten um die Wagen seines Besitzers.

Highlights vom diesjährigen Concorso d'Eleganza Villa d'Este finden Sie in unserer Bildergalerie.



insgesamt 46 Beiträge
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salomohn 01.06.2019
1. Eleganz der 80er
Röhrender Sound: Das sind die Dinosaurier. Richtig heißer Shice ist ein E-Motor!
RioTokio 01.06.2019
2.
Die Autos sind ehrlich erworben, Vermögen wurde in der Regel hart erarbeitet, versteuert und dann an die Kinder vererbt. Ansonsten verbringt man die Zeit mit alten Autos, beschäftigt vielleicht sogar Mechaniker. Seien Sie auch fleißig, arbeiten hart, sparen Sie - dann können Sie sich auch so ein Ding kaufen. Ansosten tut es keinem weh, wenn die Typen in alten Kisten durch die Gegend fahren, kein Sozialhilfeempfänger hat ein Brötchen weniger auf dem Tisch. Im Gegenteil.
nikolasvegas 01.06.2019
3. Tja, die E-Motoren!
Die werden uns noch Freude bereiten. Und die Akkus erst, die toxischen. Und die schöne Braunkohle, die dafür verfeuert wird.
Teile1977 01.06.2019
4. Handarbeit
Um diese Oldtimer zu restaurieren und zu warten ist eine große Menge ausgezeichneter Fachleute notwendig. Nicht umsonst werden diese Fahrzeuge im Millionenbereich gehandelt, da steckt sehr viel Arbeit drin. Von dieser Arbeit leben sehr viele Händler, Lackierer, Metallfacharbeiter, Feinwerktechniker.... Ist doch besser das Geld so auszugeben und das Ergebniss zu genießen, als es auf irgendeinem Bankkonto verschimmeln zu lassen! Das selbe gilt übrigens auch für Jachten, ohne die wären einige Werftarbeiter mehr im Osten arbeitslos.
kenterziege 01.06.2019
5. Einfach schöne und interessante Autos
Im Gegensatz zu Ihnen, habe ich mich über den Beitrag gefreut. Als Ingenieur sehe ich die Technik dahinter. Da durfte man noch ohne den Rotstift des Controllers konstruieren. Daß diese Autos in Privatbesitz sind, stört nur die Seele des Sozialisten. Der Kapitalismus bringt eben Kunst und Luxus jeder Art hervor. Dabei ist es egal, ob es Uhren, Häuser Bildhauerei oder Malerei ist. Aber an so etwas kann man sich nur erfreuen, wenn man mit Verstand für die Sache ohne Neid ist. Mich hat der Reihen-Acht-Zylinder von Alfa begeistert. Schön, wie die Venus von Milo!
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