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15. Oktober 2015, 12:52 Uhr

Abgasskandal

VW-Autos mit Schummelsoftware dürfen vorerst auf der Straße bleiben

Eine neue Frist für VW und leicht korrigierte Zahlen - mehr hat Verkehrsminister Dobrindt auf einer Pressekonferenz zum Abgasskandal nicht bekannt gegeben. Für betroffene Kunden von Volkswagen gab er Entwarnung.

In 2,4 Millionen Dieselautos von VW in Deutschland ist die eingebaute Manipulationssoftware aktiv. Das sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Obwohl die Fahrzeuge damit die Abgasvorschriften nicht erfüllen, dürfen sie laut Dobrindt weiter in Betrieb bleiben.

Die betroffenen Fahrzeuge werden zwar ab Januar in die Werkstätten gerufen - wann der Rückruf und die Nachbesserungen abgeschlossen seien, sei jedoch noch offen. VW habe angegeben, dass ein Bauteil erst ab September 2016 verfügbar sei. Wie die technischen Lösungen für die Fahrzeuge genau geplant seien, müsse Volkswagen nun bis Ende November dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vorführen, sagte Dobrindt.

Ursprünglich war von 2,8 Millionen betroffenen Fahrzeugen hierzulande die Rede gewesen. Diese Zahl ergab sich aus den ursprünglichen Zulassungen. Allerdings seien inzwischen rund 400.000 Wagen nicht mehr in Deutschland unterwegs, sagte Dobrindt.

Weiter Unklarheiten für VW-Kunden

Dobrindt, der in der VW-Affäre als harter Aufklärer auftritt, hat damit im Prinzip keine echten Neuigkeiten zu bieten. Eine leicht korrigierte Zahl, die neue Frist für VW bis Ende November - mehr als diese Details sind damit nach dem neusten Auftritt Dobrindts nicht bekannt geworden. Dass der Rückruf erst im Januar startet und der weitere Zeitplan unklar ist, war bereits vergangene Woche verkündet worden.

Die Gewissheit für die Kunden von VW, was mit ihren Auto passiert, ist ebenfalls nur vorläufig: Die Fahrzeuge werden zwar nicht stillgelegt, so viel steht nun fest; welche Auswirkungen aber die technischen Nachbesserungen haben werden - also wie sich der Spritverbrauch oder die Motorleistung ändern - darüber ist nach wie vor noch nichts bekannt.

Post für die Betroffenen

Die betroffenen Autofahrer bekommen laut Dobrindt demnächst ein Schreiben, darin werde das weitere Vorgehen erklärt. Die Rückrufaktion sei für jeden Halter verpflichtend, sagte der Verkehrsminister. Die Kunden müssten jedoch erst aktiv werden, wenn sie Post erhalten haben.

Der Minister betonte, er gehe davon aus, dass VW in der Lage sei, das Problem zu lösen. "Ob jede einzelne Maßnahme, die jetzt vorgeschlagen ist, geeignet ist dafür, müssen die Fachleute des KBA entsprechend entscheiden." VW habe zugesichert, dass den Kunden durch die Umrüstungen keine Kosten entstünden.

Der VW-Konzern hob hervor, dass alle neuen Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 nicht von dem Skandal betroffen sind. Zudem seien auch diejenigen Wagen, die nun im Rückruf stehen, technisch sicher und fahrbereit.

Mitte September war bekannt geworden, dass VW Abgaswerte von Dieselfahrzeugen durch eine Software manipuliert hatte. Nur so konnten die Abgastests auf verschiedenen Märkten bestanden werden.

cst/dpa

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