Abgasaffäre Volkswagen darf weitere 1,1 Millionen Dieselautos umrüsten

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat dem Hersteller VW eine technische Lösung für manipulierte Dieselautos freigegeben, unter anderem für die Modelle Caddy und Tiguan. Den ursprünglichen Rückrufplan kann der Konzern aber längst nicht mehr einhalten.

VW Tiguan

VW Tiguan


Volkswagen kommt mit der Umrüstung manipulierter Dieselfahrzeuge voran. Nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vergangene Woche grünes Licht für die Reparatur von gut 800.000 Fahrzeugen gegeben hatte, erteilte die Flensburger Zulassungsbehörde nun die Freigabe für weitere 1,1 Millionen Wagen mit 2,0-Liter-Dieselmotor. Das KBA habe bestätigt, dass sich weder Verbrauch noch Leistung und Geräuschemission durch die Umrüstung verändern, teilte Volkswagen am Mittwoch mit.

Damit können nun Besitzer von Modellen wie dem Kompakt-SUV Tiguan und dem Caddy von VW angeschrieben werden. Auch bei der Tochter Audi sei der Rückruf angelaufen. Dort habe das KBA die Freigabe für die Modelle A4, A5, A6 sowie für den Geländewagen Q5 mit Zwei-Liter-Motor erteilt. Die Umrüstung des Exeo von Seat mit dem gleichen Motortyp (EA 189) laufe bereits.

Das Passat-Desaster kostete Zeit

Laut VW hat das Kraftfahrt-Bundesamt bisher die Reparatur von insgesamt mehr als 2,5 Millionen Fahrzeugen verschiedener Marken des Konzerns genehmigt. Der Rückruf hatte im Februar mit dem Geländewagen Amarok begonnen, war danach aber ins Stocken geraten, weil das KBA Nachbesserungen beim Passat forderte.

Der Rückruf von 800.000 Exemplaren dieses Modells hätte Ende Februar/Anfang März beginnen sollen. Doch offenbar gab es wiederholt Probleme mit Verbrauchswerten. So soll unter anderem der Kraftstoffverbrauch nach dem Aufspielen der neuen Motorsoftware leicht gestiegen sein. Erst Anfang Juni konnte VW dem KBA eine zufriedenstellende Lösung präsentieren. Gleichzeitig hatte VW jedoch mitgeteilt, dass sich der für das zweite Quartal geplante Rückruf der Modelle mit 1,2-Liter-Motor verzögere.

Bis Jahresende wollen die Wolfsburger auch die 1,6-Liter-Wagen umrüsten. Bei diesen muss neben einer neuen Software auch ein neues Bauteil im Motor angebracht werden.

Betroffene Kunden erhalten jetzt Werkstatttermine

Die Besitzer der Dieselautos, deren Umrüstung jetzt freigegeben wurde, werden laut VW sukzessive angeschrieben und erhalten einen Termin von ihrer Werkstatt.

Die Reparatur wird von der Flensburger Behörde nach Typen zugelassen, weil je nach Bauart eine andere Software nötig ist. Sie soll die illegale Abschalteinrichtung ersetzen, die dafür sorgt, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße.

Aufgeflogen war der Dieselskandal in den USA, wo noch über eine Lösung für insgesamt fast 600.000 Fahrzeuge verhandelt wird. Weltweit muss Volkswagen rund elf Millionen Dieselfahrzeuge in die Werkstätten rufen oder zurücknehmen. Der größte Teil entfällt mit 8,5 Millionen auf Europa.

cst/Reuters



insgesamt 42 Beiträge
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dasdondel 08.06.2016
1. Was ?
---Zitat--- Das KBA habe bestätigt, dass sich weder Verbrauch noch Leistung und Geräuschemission durch die Umrüstung verändern ---Zitatende--- Was wird sich denn verändern ? - Im Ernst, wenn es so einfach wäre, dann hätte man bei den Tests nicht betrogen. Wird ein Teil ausgetauscht ? wird die Software aktualisiert ? Ich finde das alles nicht im Artikel ;(
paula_f 08.06.2016
2. witziges Plastikgitter
das Verkehrsministerium erlaubt eine Verarschung - schon jetzt zeichnet sich das Ergebnis bei den schon "umgerüsteten" Autos ab. Die technisch einzige Lösung ist die Harnstoffeinspritzung (Adblue) die betroffenen 1.6 Liter Modelle mit Continental Einspritzsystemen haben gar keine Harnstoffbehälter, deshalb wird es nicht funktionieren, bei den 2 Liter Motoren mit Bosch Einspritzsystemen müssten die Harnstoffbehälter vergrößert werden um die Reichweiten anzupassen. Und noch ein Thema im Wahlkampf 1017. Die Politik handelt wie zeitweise die FDP und unterschätz die Informations- und Wissensdichte in der Bevölkerung.
frankubags 08.06.2016
3. ...warten lassen können die Verbraucher auch...
wenn VW so lange braucht : liebe VW Fahrer: habt mal keine Zeit für den Rückruf. Bin ein Benz Diesel Fahrer der dann wahrscheinlich nächstes Jahr muss... :-(
mantrid 08.06.2016
4. Wieso Reparatur?
Die Abschaltung ist zwar illegal, funktioniert aber tadelos. Umbau oder Korrektur wäre also die richtige Bezeichnung. Viel interessanter wäre es mal zu horen, was da am Motor geändert wird.
gedankensucher 08.06.2016
5. Unklar
Merkwürdig sind die Formulierungen. Verbrauch... ändern sich nicht, aber nirgends, weder hier noch in der Post von VW wird mal klar gesagt, was sich an den Stickoxidwerten wirklich ändert. Die werden ja sowieso nur für den Testbereich untersucht, was ändert sich eigentlich drumherum? Ich würde eigentlich vom Ministerium erwarten, dass sie mal klar sagen, was der Umbau bringt: Vergleichswerte vorher/nachher z.B. in Bezug auf Stickoxid.
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