VW-Manipulation in den USA Der schmutzige Trick mit den Abgaswerten

Volkswagen hat die amerikanische Umweltbehörde mit geschönten Abgaswerten getäuscht. Doch wie funktioniert das eigentlich?
Vernebelungstaktik: VW hat in den USA bei den Abgaswerten manipuliert

Vernebelungstaktik: VW hat in den USA bei den Abgaswerten manipuliert

Foto: Arno Burgi/ dpa

Wie hat VW die Autos in den USA manipuliert?

Aufgedeckt haben den VW-Skandal Forscher vom International Council on Clean Transportation (ICCT). Die Wissenschaftler hatten einen VW Passat und einen VW Jetta untersucht. Dabei stellten sie fest, dass die Autos über eine Software verfügten, die erkannt hat, ob Autos behördlichen Tests unterzogen werden oder im Normalbetrieb unterwegs sind. So wurde die Abgasbehandlung beim normalen Fahren ausgeschaltet und nur bei Abgastests aktiviert. Der Stickoxid-Grenzwert ist in den USA deutlich schärfer als in Europa. Dürfen Dieselfahrzeuge hierzulande 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer rauspusten, sind in den USA nur 40 Milligramm pro Meile (1,6 Kilometer) erlaubt. Stickoxide reizen und schädigen die Atemwege von Menschen.

Warum wollte VW die Abgasbegrenzung ausschalten?

Beim Passat sorgt normalerweise ein Katalysator mit Harnstoffeinspritzung dafür, die gefährlichen Stickoxide zu reduzieren. VW hatte die Funktion allerdings durch die Software im Alltag lahmgelegt, sodass entweder wenig oder gar kein Harnstoff im realen Betrieb injiziert wurde. Durch den synthetischen Harnstoff wird das gefährliche NOx in harmlosen Stickstoff und Wasser umgewandelt. Auch beim VW Jetta wurde die Funktion des NOx-Speicherkatalysators gestört. Stickoxide lagern bei diesem System auf einer Speicheroberfläche. Ist diese ausgeschöpft, wird der Katalysator regeneriert. Wer auf die Abgasreinigung verzichtet, spart nebenbei ein wenig Sprit und hat auch mehr Leistung zur Verfügung.

Wie funktioniert der Abgastest in den USA?

In den USA gibt es gleich fünf Tests, um die Abgaswerte von Fahrzeugen zu ermitteln. Einer davon ist das sogenannte FTP 75 (Federal Test Procedure), das dem europäischen Fahrzyklus unter Laborbedingungen noch am nächsten kommt. Es simuliert eine zügige Fahrt aus einem Vorort in die Stadt. Der große Unterschied zwischen den USA und Europa ist jedoch, dass in den USA Nachtests stattfinden. Statt sich nur auf Laborwerte zu verlassen, untersucht die US-Umweltschutzbehörde Epa die Abgaswerte im alltäglichen Straßenbetrieb. Nur so konnte der VW-Betrug überhaupt auffliegen.

Werden in Europa auch die Abgaswerte geschönt?

Das Forschungsinstitut ICCT hat im vergangenen Jahr auch Diesel-Pkw in Europa untersucht. Mit dem Ergebnis: Diese Fahrzeuge hatten bis zu siebenmal so viele Stickoxide ausgestoßen wie nach der gültigen Abgasnorm Euro 6 erlaubt war. Nach eigenen Angaben hatten die Forscher 15 moderne Dieselfahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern untersucht. Der große Unterschied zu dem VW-Skandal in den USA? Die Grenzwertüberschreitung kam nicht durch eine verbotene "Abschalteinrichtung" zustande, sondern durch legale Tricks der Autobauer. Schuld daran habe laut ICCT der europäische Testzyklus NEFZ, der realitätsfern sei.

Wie wird in Europa getestet?

In Europa werden die Abgaswerte durch den sogenannten NEFZ-Testzyklus ermittelt. Dieser findet unter Laborbedingungen satt, die Umweltschützer als realitätsfern kritisieren. So dürfen die Hersteller ihre Fahrzeuge in der spärlichsten Ausstattung auf den Prüfstand fahren oder mit schmalen Reifen ausstatten, die besonders gut rollen. Auch beim NEFZ erkennt eine Software, dass das Fahrzeug gerade auf einem Prüfstand unterwegs ist und nicht auf der Straße, sagt Axel Friedrich, Gründungsmitglied von ICCT. Das Auto verfällt in den Spritsparmodus. Deshalb weichen die vom Hersteller angegebenen Verbräuche von denen in der Praxis um durchschnittlich 25 Prozent ab. Schon seit Jahren setzen sich Umweltverbände für realitätsnähere Tests ein. Derzeit bereitet die Europäische Kommission die Einführung von Straßentests für Pkw-Neuzulassungen vor.

Welche Automodelle sind von dem Skandal betroffen?

Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA sind in den USA 482.000 Fahrzeuge aus dem VW-Konzern mit 2-Liter-Dieselmotor von der Manipulation betroffen. Im Einzelnen sind das VW Jetta (ab Baujahr 2009), VW Golf (ab Baujahr 2010), Audi A3 (ab Baujahr 2010), VW Beetle (ab Baujahr 2012), VW Passat (ab Baujahr 2013).

Sind auch in Europa Abschalteinrichtungen für die Abgasreinigung wie in den USA im Einsatz?

Bisher haben Volkswagen und Audi nur zugegeben, bei 482.000 Diesel-Pkw in den USA getrickst zu haben. Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe vermuten aber, dass VW und andere Autohersteller auch in Europa Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung einsetzen. Beweise dafür gibt es jedoch nicht.

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