Für bessere Abgaswerte VW manipulierte offenbar auch Automatikgetriebe

Volkswagen trickste offenbar nicht nur bei der Abgasreinigung zahlreicher Modelle, auch beim Automatikgetriebe wurde angeblich manipuliert. Bei Dieselmodellen jedoch anders als bei Benzinern.

VW-Werk in Wolfsburg: Offenbar manipulierte der Konzern auch Automatikgetriebe
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VW-Werk in Wolfsburg: Offenbar manipulierte der Konzern auch Automatikgetriebe


Der Volkswagen-Konzern hat einem Medienbericht zufolge offenbar auch in größerem Stil die Automatikschaltungen seiner Fahrzeuge manipuliert, um die Abgas- und Verbrauchswerte auf dem Prüfstand künstlich niedrig zu halten. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aussagen von Beschuldigten im Dieselskandal gegenüber den Staatsanwaltschaften Braunschweig und München sowie interne Unterlagen des Unternehmens. Unter den Aussagen ist auch die eines führenden VW-Ingenieurs.

Demnach enthielten in den USA sowie Europa Benziner, aber auch Dieselfahrzeuge mit Doppelkupplungsgetriebe eine Funktion, die das Schaltverhalten auf dem Prüfstand so steuerte, dass weniger CO2 und Stickoxide ausgestoßen wurden als auf der Straße. Auch sollen die Fahrzeuge auf dem Prüfstand teilweise weniger Sprit verbraucht haben.

Benziner schalten früher, Diesel später hoch

Die Automatikgetriebe der Benziner schalteten dem Bericht zufolge unnatürlich früh hoch, um den Wagen mit möglichst niedriger Drehzahl zu fahren. Beim Diesel führten hohe Drehzahlen in kleinen Gängen dazu, dass früher mit der Abgasreinigung im Katalysator begonnen werden konnte.

Betroffen sind laut "Handelsblatt" zahlreiche Modelle des Konzerns, darunter Tiguan, Passat sowie Touareg, aber auch Audi-Modelle. VW hingegen betont, bei den Dieselfahrzeugen habe es sich nur um den Audi A7 und A8 gehandelt. Dabei habe es sich zudem nur um eine technische "Non-Konformität", nicht um eine unzulässige Abschalteinrichtung gehandelt. Für beide Modelle verfügte das Kraftfahrt-Bundesamt jedoch 2017 einen verpflichtenden Rückruf.

Bei den Benzinermodellen bestätigt das Bundesverkehrsministerium CO2-Abweichungen, das KBA habe aber "keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Verwendung unzulässiger Strategien" festgestellt. VW hatte im August wegen derartiger Schalt-Tricks bei Benzinernmodellen in den USA insgesamt 100 Millionen Dollar an Fahrzeugbesitzer gezahlt. Die Bewertung und regulatorische Fragen seien aber mit denen in Europa und Deutschland nicht zu vergleichen, so der Konzern.

ene/AFP

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Ch. Bristol 30.09.2019
1. Und täglich grüßt die dämliche Ausrede....
"Die Bewertung und regulatorische Fragen seien aber mit denen in Europa und Deutschland nicht zu vergleichen, so der Konzern." - Es ist unglaublich, mit welcher Chupze der VW-Konzern seine Kunden in Deutschland verachtet. Die moralische Verkommenheit der Führungsetagen (evtl. nicht nur im VW-Konzern) ist kaum noch zu ertragen. Dem kleinsten Verkehrssünder steigt die Staatsmacht mit viel Energie hinterher, diese Leute aber werden nicht behelligt. Was tun eigentlich die Staatsanwaltschaften?
Grzegorz 30.09.2019
2. Vorsprung durch Betrug
Ich hatte ehrlich mal die Hoffnung man könne den VW-Skandal aufarbeiten und zu einem Ende führen. Dies scheint aber mit der aktuellen Unternehmenskultur bei VW und der aktuellen Besetzung des KBA nicht möglich. Wir brauchen wahrscheinlich auch einen Mao, der einen bestraft und damit 100 erzieht. Erst wenn es bei beiden Vereinen einen Schlag auf die Finger gibt wird sich was ändern. Es müssen persönliche Konsequenzen für die Involvierten folgen.
hrboedefeld 30.09.2019
3. ein Betroffener
die DSG Getriebe in allen, meiner Firmenwagen von VW, welche mein Arbeitgeber mir zur Verfügung gestellt hat waren manipuliert! Allerdings nicht hinsichtlich des Schaltzeitpunktes, sondern im Bezug auf die Schaltqualität! Diese ist bei VW derart unterirdisch, dass ich mich ernsthaft frage wie dieses Unternehmen derart viele Autos verkaufen kann. Nach einer Probefahrt würde ich VW grundsätzlich ausschließen. Das DSG schaltet wie ein unbeholfener Fahranfänger! Extrem ruckig und unsauber. Und aus diesem Grund ist der gut gedachte Stau-Assistent auch unbrauchbar. Die Bremse hackt nämlich genauso gefühllos rein, wie das DSG danach wieder anfährt. Aber wenigstens muss VW jetzt keine Wandler mehr zukaufen und verdient noch deutlich mehr pro Auto...
so...so... 30.09.2019
4. Was ich einfach nicht verstehe...
Da zieht VW seine Kunden vorwärts und rückwärts und von links nach rechts über den Tisch, schert sich einen Dreck um Umwelt, Klimawandel und Mitmenschen, nur um noch ein paar Euro mehr Gewinn zu machen und.... trotzdem gibt es immer noch Leute, die diese reparaturanfälligen Abgasmonster kaufen. Von einem Hersteller, der seine Kunden so behandelt würde ich bestimmt kein Auto mehr kaufen, dazu bin ich mir echt zu schade.
Dogbert 30.09.2019
5. Was ist das denn für eine "NichtMitteilung" ??
selbstverständlich muss und wird der gesamte Antriebstrang aufeinander abgestimmt. Es ist also völlig klar das, wenn man schon das Ziel einer Manipulation verfolgt, auch elektronisch gesteuerte Getriebe einbezogen werden. Wie wenig man beim Spiegel versteht, wie Autos heute funktionieren, zeigt sich schon in dem Satz "Beim Diesel führten hohe Drehzahlen in kleinen Gängen dazu, dass früher mit der Abgasreinigung im Katalysator begonnen werden konnte". Auch das ist völlig selbstverständlich und ja wohl, umwelttechnisch, mehr als wünschenswert. Als nächstes kommt dann vermutlich ein Riesenartikel raus mit der Überschrift" Skandal, automatische Start Stopp Anlagen reagieren nach Kaltstart anders als im Normalbetrieb". Ja, warum wohl ? Damit Motor und Kat schneller warm werden und damit besser funktionieren.
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