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Weltpremiere Volvo XC 40: Noch ein Thor

Foto: Volvo/Christian Bittmann

Weltpremiere Volvo XC 40 Schwedens neues Abo-Modell

Volvos Modellfamilie hat Zuwachs bekommen: Ein Kompakt-SUV, natürlich. Mit dem XC 40 führt die Marke ein neues Mietsystem ein, doch die groß angekündigte Elektrifizierung lässt auf sich warten.

Volvo XC 40, was ist das für ein Auto?

Eines von der Sorte, die momentan reißenden Absatz findet: Ein Kompakt-SUV. Der Wagen ist mit seinen 4,43 Metern Länge eine Nummer kleiner als der Bestseller XC 60, genauer gesagt 26 Zentimeter kürzer, vier Zentimeter schmaler, 16 Zentimeter weniger Radstand und 23 Millimeter niedriger.

Wie sieht er aus?

Wie alle Volvos aussehen, wenn es nicht gerade Limousinen sind: Geschmackssicher. Kantig. Die Fenster laufen ziemlich steil in Richtung Heck zu, an dieser Stelle wirkt der Wagen ein bisschen verkniffen. Insgesamt strahlt er aber genau die Ruhe aus, die man von einem Auto der Schweden erwartet.

Und innen?

Bei manchen SUVs dieser Größe ist man erstaunt, wie wenig Platz das Auto bietet. Das ist beim XC 40 anders, wie eine Sitzprobe ergab: Vorne ein Journalist mit Lulatschmaßen, eigenen Angaben zufolge Einszweiundneunzig; auf dem Rücksitz einer, bei dem 185 Zentimeter im Ausweis stehen. Beide saßen bequem.

Weil einige Kunden laut Volvo über mangelnden Stauraum im Auto gemault haben, wurde unter anderem in den Türen mehr Platz geschaffen. Wo bei anderen Volvos Lautsprecher verbaut sind, hat der XC 40 einen Flaschenhalter oder eine Tasche. Die Boxen sind dafür unter das Infotainmentsystem gewandert. Das Armaturenbrett ist mustergültig aufgeräumt, wie beim XC 60 und XC 90 gibt es einen Neun-Zoll-Bildschirm in der Mitte.

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Weltpremiere Volvo XC 40: Noch ein Thor

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Wie fährt sich der Wagen?

Das wird sich erst noch herausstellen, bei der Weltpremiere durfte der XC 40 keinen Zentimeter bewegt werden. Fest steht, dass er unter anderem mit dem "Pilot Assist"-Systeme ausgestattet werden kann, also bis 130 km/h teilautonom fährt. Bei Testfahrten mit größeren Volvo-Baureihen hat sich die Selbstfahrfunktion als zuverlässig und einfach zu bedienen gezeigt.

Volvo - das ist doch die Marke, die den Dieselmotor bald nicht mehr weiterentwickelt und in zwei Jahren nur noch Hybride oder reine Elektroautos auf den Markt bringen will.

Genau.

Was bedeutet das für den XC 40?

Leider zunächst einmal nicht viel.

Die ersten Modellvarianten - sie sind ab sofort bestellbar und werden spätestens im März ausgeliefert - haben einen Vierzylinder-Benziner (247 PS) oder einen Vierzylinder-Diesel (190 PS). Ab Frühjahr 2018 gibt es außerdem einen Dreizylinder-Benziner mit 156 PS.

Antwort von Volvo-Chef Hakan Samuelsson auf die Frage, wann das Hybridmodell auf den Markt kommt und ob es ein Mild-Hybrid mit 48-Volt-Anfahrthilfe oder ein Plug-in mit einigen Dutzend Kilometern emissionsloser Reichweite wird: "Es wird ein Hybrid."

Das ist ein bisschen lapidar - jedenfalls für eine Marke, die sich praktisch selbst neu erfinden und einen innovativen Anstrich verpassen möchte. Nicht mal auf einen Einführungstermin des Teilzeitstromers will der Schwede sich festlegen. Vielleicht wird es 2018, kann aber auch noch bis 2019 dauern. Immerhin soviel steht fest: Eine rein batteriebetriebene Variante des XC 40 ist fest geplant.

Zudem werden Dieselmodelle des XC 40 mit einen SCR-Katalysator ausgerüstet. Stichwort Dieselgipfel: Mit der verbesserten Abgasnachbehandlung der Selbstzünder sieht Samuelsson den Beitrag seiner Marke zur Verbesserung der Luftqualität geleistet. Die Unterstützung eines Mobilitäts-Fonds, aus dem sich deutsche Kommunen bei der Bewältigung der Stickoxidbelastung bedienen können, komme für ihn nicht in Frage. Das stellte der Volvo-Chef am Rande der XC-40-Premiere klar. Zuvor hatten sich deutsche Hersteller über die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Importeure beklagt.

Volvo-Chef Hakan Samuelsson

Volvo-Chef Hakan Samuelsson

Foto: Volvo/Christian Bittmann

War der XC 40 die einzige Weltpremiere von Volvo an diesem Tag?

Nein, mit dem neuen Auto wurde auch ein neues Finanzierungsmodell vorgestellt: "Care by Volvo" .

Was genau ist das?

Ein Rundum-Sorglos-Paket: Statt im Volvo-Autohaus mit dem Verkäufer einen Kaufpreis oder eine Leasingrate auszuhandeln, können Kunden den XC 40 online auf Zeit buchen.

Man wählt eine Ausstattungsvariante, die angepeilte Kilometerleistung, die Vertragslaufzeit (mindestens 24 Monate) und kann den Wagen dann in der deutschen Volvo-Zentrale in Köln abholen. Anmeldung, Versicherung, Wartung: alles inklusive. Der Wagen wird für Servicedienste sogar von zu Hause abgeholt.

"Sie müssen sich praktisch nur noch ums Tanken selbst kümmern", sagt Pressesprecher Olaf Meidt. Nach Vertragsablauf gehört der Wagen wieder Volvo, das ist einer der Unterschiede zum Leasing.

Es ist das Prinzip eines Online-Streamingdienstes, übertragen auf Fahrzeuge: Ein temporärer Besitz. Oder anders gesagt: Ein Lebensabschnittsauto.

Und wo ist der Haken?

Rundum-Sorglos-Pakete haben ihren Preis. Bei "Care by Volvo" lautet die Faustformel für die Monatsgebühr: 1,5 Prozent vom Bruttolistenpreis. Olaf Meidt nennt als Beispiel eine Basissumme von 50.000 - macht also 750 Euro pro Monat.

Und tanken muss man dann auch noch.

Trotzdem: Das Angebot ist attraktiv für Besserverdiener, die nicht langfristig an einem Ort leben und ein standesgemäßes Fortbewegungsmittel möchten, von dem sie sich rasch wieder trennen können - und insofern zeitgemäß. Das Ratensystem soll bald auch für weitere Modelle angeboten werden.

Kann man den XC 40 auch ganz normal kaufen?

Klar. Kostet dann mindestens 31.350 Euro (für die Dreizylindervariante). Die Modelle zum Marktstart haben Preise von 46.100 Euro (der 247-PS-Benziner) und 44.800 Euro (der 190-PS-Diesel). Beide Modelle haben eine Achtgangautomatik und Allradantrieb.

Warum war der XC 40 eigentlich nicht auf der IAA zu sehen?

Seit 2013 bleibt Volvo den meisten Automessen fern. Stattdessen baut die Marke in Deutschland bei Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse oder dem Hamburger Hafenfest sogenannte Foren auf, wo die Modelle in großen Glaskästen ausgestellt werden. Der Vorteil: Es besteht nicht die Gefahr, von Mercedes oder BMW in den Schatten gestellt zu werden.

Schauplatz der Weltpremiere für den XC 40 war jetzt Mailand. Dort hat die italienische Vertretung gerade einen Showroom eröffnet, die Modewoche findet ebenfalls parallel statt.

Statt von Konkurrenzmodellen war der Wagen von anderen Produkten schwedischer Marken umgeben: Zum Beispiel von Fischlakritze, einer Designer-Gießkanne und Badelatschen für 199 Euro. "Schweden sells"? Bei einem Kompakt-SUV kann man nicht viel falsch machen - dass der XC 40 die Stückzahlen bei Volvo weiter in die Höhe treiben wird, gilt als ausgemacht.

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