Vor-Premiere Ford Mondeo Mondeo Mondiale

Geht es nach Ford, dann ist die Schonfrist für VW Passat und Opel Vectra und vielleicht sogar für Audi A4 und 3er BMW bald vorbei. Denn der neue Mondeo könnte die Mittelklasse aufmischen. Die Hoffnung schürt eine seriennahe Studie, die auf der "Mondiale" enthüllt wird.


An markigen Worten herrscht kein Mangel: Das sei das "anspruchsvollste und attraktivste Fahrzeug", das Ford in der Mittelklasse je angeboten habe, schwärmt der europäische Entwicklungschef Joe Bakaj. Das große Lob gilt einer Studie, mit der Ford in der nächsten Woche auf dem Pariser Autosalon einen "sehr konkreten Ausblick" auf die dritte Generation des Mondeo geben wird. Ab Frühjahr 2007 soll das neue Auto der Marke zu neuem Schwung verhelfen.

Das ist auch bitter nötig. Zwar stemmt sich Ford in Europa erfolgreich gegen den schlechten Trend des Mutterkonzerns und schreibt schon wieder schwarze Zahlen. Doch fußt der Erfolg vor allem auf dem Modell Focus und seinem geräumigen Bruder C-Max. Auch das Van-Doppel mit S-Max und Galaxy hat den Europäern viele gute Schlagzeilen eingebracht.

Aber drumherum sieht es trist und trübe aus: Vor allem mit dem Mondeo ist schon lange kein Staat mehr zu machen. Dem Opel Vectra konnte er zwar jetzt noch, zum Ende seines Lebenszyklus, Paroli bieten. Doch der VW Passat ist den Kölnern enteilt. Volkswagen hat mehr als viermal so viele Mittelklasse-Autos verkauft und damit einen deutlich höheren Marktanteil: 21,3 Prozent gehen an Wolfsburg, nur 5,2 Prozent dagegen an Köln. Dabei kommt dem Mondeo "für Ford in Europa eine ganz besondere Bedeutung zu", sagt Präsident John Fleming, denn "diese Baureihe zählt traditionell zu den Hauptakteuren in der europäischen Mittelklasse." Weil dieser Stammspieler endlich wieder eine wichtige Rolle übernehmen soll, hat Ford sich für das neue Modell mächtig ins Zeug gelegt.

Auch wenn es zur Markteinführung eine Limousine sowie eine Fließheck-Variante geben wird, feiert der Mondeo in Paris seinen Einstand in der Karosserievariante, die für Ford mittlerweile zu einer der wichtigsten geworden ist: als Kombi. "Der Premiumanspruch der Baureihe kommt durch den sportlichen und dynamischen Auftritt dieser Variante besonders gut zur Geltung", sagt Designdirektor Martin Smith und verweist auf das silberne Showcar, das so überhaupt nichts mehr mit dem biederen Lastesel von früher gemein hat.

Elemente aus der Studie Isosis tauchen nun wieder auf

Konstruiert aus jenem Baukasten, aus dem im belgischen Genk auch die Modelle Galaxy und S-Max entstehen, wirkt der in jeder Dimension ein wenig gewachsene Mondeo nun wie ein charakterstarker Lifestyle-Laster im sogenannten "kinetic design", das Ford vor Jahresfrist mit der IAA-Studie Iosis eingeführt hat. Vorn zeigt er ein neues Gesicht mit selbstbewusstem Kühlergrill und einer optisch davon deutlich getrennten Motorhaube, die mächtige Muskeln verspricht. Hinten bleibt es zwar bei der großen Klappe, die rechtwinklig ausgeschnitten ist und bis weit in den Stoßfänger reicht, doch neigt sich die gesamte Heckpartie nun ab der Scheibe elegant nach vorn.

Dennoch, so Ford, sei das Platzangebot für Gäste und Güter spürbar besser geworden. Die Sahneseite des neuen Kombis aber ist seine Flanke. Mit deutlich ausgeformten Radläufen, einer markanten Sicke oberhalb des Seitenschwellers, einer starken Schulter und vor allem mit dem kessen Knick im Fensterband wirkt er lang und sportlich, wie man es sonst eher von südlicheren Modellen erwartet würde.

Auch für den bei der Studie nobel anmutenden Innenraum versprechen die Kölner deutliche Fortschritte. Zwar hat den Starterknopf mittlerweile fast jeder Hersteller, und auch Sprachsteuerung oder Abstandsregeltempomat sind nicht mehr einzigartig. Aber dass zwischen Tacho- und Drehzahlmesser ein großes Farbdisplay leuchtet, auf dem fast alle Fahrzeugfunktionen dargestellt werden können, das kennt man bislang nur aus der Oberklasse.

Kraftvolle Motoren und Geheimniskrämerei um die Preise

Der neue Mondeo will aber nicht nur dynamisch aussehen, sondern auch so fahren. Nachdem Ford schon mit dem Vorgänger viele Pluspunkte in dieser Kategorie sammeln konnten, wollen die Entwickler das Handling noch einmal verbessert haben. Auch die Wahl der Motoren spricht eine deutliche Sprache. An die Spitze rückt der aus dem Focus ST bekannte Fünfzylinder-Turbo, der immerhin 220 PS leistet und nahe an die 250 km/h kommen dürfte. Außerdem gibt es, wie im S-Max, den zwei Liter großen Diesel aus der Kooperation mit Peugeot und Citroën, der in den Vans 130 oder 140 PS leistet. Und ganz sicher würde auch der 2,7 Liter große V6-Diesel unter die Haube passen. Zunächst allerdings ist erst mal ein weiteres Angebot für Sparfüchse geplant. Sie bekommen den Mondeo auch als 1,6-Liter-Benziner und 1,8-Liter-Diesel mit jeweils 100 PS.

So eindrucksvoll der Mondeo auf der Mondiale de l'Automobile an der Seine auch aussehen wird, viel mehr als eine Richtung gibt der neue Kombi nicht vor. Denn Daten und Fakten verschweigen die Kölner vorerst. Und ein Preiskorridor ist erst recht nicht zu erfahren. Doch ist der Markt so hart umkämpft, dass selbst mit dem neuen Hauch von Premium keine großen Sprünge möglich sein dürften. Viel mehr als die rund 21.000 Euro des Vorgängers sollte das Basismodell deshalb nicht kosten, wenn Ford wirklich wieder etwas bewegen will.

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