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12. Januar 2017, 16:03 Uhr

Abgasaffäre

Wie VW den Betrug perfektionierte

Erst schummelten die Ingenieure, dann vertuschten sie: Der Bericht der US-Justizbehörde über die VW-Abgasaffäre liest sich wie das Drehbuch eines Thrillers. Die wichtigsten Eingeständnisse des Autoherstellers im Überblick.

Leonardo DiCaprio wollte keine Zeit verlieren: Wenige Wochen nach Bekanntwerden des VW-Abgasbetrugs sicherte sich der Hollywoodstar die Filmrechte an einem geplanten Buch über die Machenschaften des Autokonzerns. Auch der Streamingdienst Netflix hat bereits angekündigt, das Dieseldrama zu verfilmen. Der Stoff taugt wohl für einen Wirtschaftsthriller, mindestens aber für eine Satireserie.

In der Realität hat die Abgasaffäre gerade einen weiteren Höhepunkt erreicht, das US-Justizministerium hat VW eine Geldstrafe von 4,3 Milliarden Dollar aufgebrummt. Ein Rekord, kein Autokonzern musste bis jetzt eine höhere Summe zahlen.

VW hatte sich zuvor schuldig bekannt. Im Zusammenhang mit den Vergleichszahlungen veröffentlichte das US-Justizministerium ein sogenanntes Statement of Facts. Darin, so heißt es in einer Pressemitteilung von VW, werden "die gewonnenen Erkenntnisse und Fakten über die Entstehung und Entwicklung der Dieselverfehlungen" wiedergegeben. Es handelt es sich also um ein Eingeständnis von VW. So, wie die Affäre in dem Dokument beschrieben wird, soll sie sich zugetragen haben.

Die wichtigsten Auszüge aus den "Dieselverfehlungen" im Überblick:

Erst am 19. September 2015 gab Volkswagen zu, in rund einer halben Million Dieselautos in den USA eine Betrugssoftware zu verwenden. Daraus wurden kurz darauf elf Millionen Autos weltweit. (Die darauffolgenden Ereignisse bis Ende des Jahrs 2016 sind in dieser Chronologie aufgelistet.)

Kein Ende in Sicht

Die in dem Statement of Facts festgehaltenen Erkenntnisse stützen sich auf bisherige Ermittlungen der US-Justiz und interne Investigationen von VW. Die Behörden sind sich indes sicher, dass noch mehr ans Tageslicht kommen wird. "Tausende Seiten" möglicherweise belastender Beweisdokumente seien von Mitarbeitern von VW und Audi im Vorfeld der Untersuchungen vernichtet worden. "Die Ermittlungen des Justizministeriums gegen Einzelpersonen", heißt es in dem Dokument, "werden fortgeführt".

DiCaprio wird noch einige spannende Szenen für seinen Film geliefert bekommen. Im Vorspann wird er einblenden können: "Nach einer wahren Begebenheit".

cst

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