VW Amarok Der Wolf in der Nische

Da soll noch einer sagen, bei Nutzfahrzeugen gehe es nur sachlich zu: Nachdem er lange und sperrig als Robust-Pickup geführt wurde, hat VW jetzt den Namen für den globalen Lastenträger enthüllt, der 2010 die Laderampen und Urwaldpisten der Welt erobern soll: Amarok.

Bei uns führen sie zwar ein Schattendasein zwischen Baugrube und Abenteuerspielplatz, und in ihrem Mutterland Amerika ist die Beliebtheit gerade im Sinkflug. Doch überall sonst auf der Welt sind Pickups erste Wahl. Egal ob Südamerika, Südostasien, Südeuropa oder Afrika - wer auf schlechten Straßen schwere Güter zu transportieren hat, wählt meist einen Pritschenwagen und macht die robusten Transporter so zur wahrscheinlich meistverkauften Fahrzeuggattung der Welt. Sieht man einmal von den amerikanischen Ikonen Ford F-150, Chevrolet Silverado und Dodge RAM ab, die seit Jahr und Tag die US-Zulassungsstatistik bestimmen, wird das internationale Geschäft bislang vor allem von den Japanern dominiert.

Doch nun bricht mit VW der erste Europäer in die Phalanx der Pickups aus Fernost: Ende des Jahres wollen die Niedersachsen ihren ersten eigenen Pritschenwagen für den offenen Güterverkehr präsentieren. Produziert wird er in einem VW-Werk in Argentinien, und auch der Verkauf beginnt Anfang 2010 zunächst in Südamerika. Schon nächsten Sommer allerdings soll es den Wagen auch in Europa geben.

Nachdem sie mit einer Studie im Geist der Rettungsschwimmer-Serie Baywatch im September 2008 zur Nutzfahrzeug-IAA in Hannover bereits einen sehr konkreten Ausblick auf Design und Technik des über fünf Meter langen Kleinlasters mit modernen Wolfsburger Common-Rail-Motoren, Allrad- oder Heckantrieb sowie Doppel- und später auch Einzelkabine gegeben haben, schneiden die VW-Oberen nun die nächste Scheibe von der PR-Salami und zaubern den Namen aus dem Hut: Amarok soll der Pickup heißen. Der Name Amarok stammt aus der Sprache der in Nordkanada und Grönland lebenden Inuit und steht dort für den Wolf. Das Wappentier der Wolfsburger gilt den Eskimos als König der Wildnis und beeindruckt durch seine Kraft und Robustheit, seine Ausdauer und seine Überlegenheit, erläutert Nutzfahrzeug-Chef Stephan Schaller: "Dieser Name passt hervorragend zu den Eigenschaften unseres Pickup".

Überall der gleiche Name

Obendrein ist die Bezeichnung zumindest in den romanischen Ländern doppeldeutig: Auf Hauptmärkten wie Brasilien und Argentinien wird in der wörtlichen Bedeutung "er liebt Steine", was zum Allradantrieb und der Geländetauglichkeit passen soll. Aber egal ob Brasilien, Belgien oder Bangladesch: Anders als der Golf oder der Passat wird der Amarok überall auf der Welt gleich heißen, sagt Schaller: "Schließlich wird es kaum einen anderen Volkswagen geben, der auf so vielen Märkten angeboten wird. Deshalb war uns eine weltweite Präsenz und Akzeptanz des Namens wichtig."

Obwohl Pickups in Deutschland ein Schattendasein führen, wird der Amarok bei uns auf nahezu dieselben Konkurrenten treffen, wie überall sonst auf der Welt. Denn neben den fürs globale Geschäft viel zu kleinen Lastenträgern wie dem Fiat Strada und dem Dacia Logan gibt es auch zwischen Flensburg und Garmisch die üblichen Dauerbrenner für Asphaltcowboys und Gartenbauer. Meist mit reichlich Chrom verziert und oft mit einem Kasten- oder gar Wohnaufbau bepackt, stehen sie ganz in der Tradition der amerikanischen Planwagen auch in der mitteleuropäischen Zivilisation für einen Hauch von Freiheit und Abenteuer.

Die Platzhirsche im Segment

Traditionell an der Spitze in der kleinen Nische fährt der Mitsubishi L200, der zu Preisen ab 22.890 Euro angeboten wird. Daneben auf dem Treppchen stehen in der Regel der Nissan Navara (ab 22.229 Euro) sowie der Toyota Hi-Lux, der mindestens 19.873 Euro kostet. Ebenfalls mit im Rennen sind die weitgehend baugleichen Lademeister Mazda BT-50 und Ford Ranger, für die man mindestens 25.000 bzw. 23.800 Euro bezahlen muss.

Zwar tun die Niedersachsen mit dem Amarok so, als wären sie der absolute Newcomer an der Laderampe. Doch ganz so neu ist VW in diesem gar nicht: Von 1989 bis 1997 hatten sie schon einmal den Taro im Programm. Allerdings war das streng genommen nichts anderes als die Lizenzausgabe des Toyota Hi-Lux - und der ist für den Amarok nun einer der schärfsten Widersacher.

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