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28. März 2018, 16:50 Uhr

Studie VW Atlas Tanoak

Pick-up mit Ladehemmung

Aus New York berichtet

Nach dem Dieselskandal buhlt VW mit XXL-Autos um die Gunst der US-Käufer. Die Pick-up-Studie Tanoak ist ein potenzieller Bestseller - wäre da nicht ein Problem.

Was für die Deutschen der VW Golf ist, das ist für die Amerikaner ein Pick-up von Ford. Seit Jahrzehnten steht der F-150 an der Spitze der US-Zulassungsstatistik, im letzten Jahr verkaufte Ford 896.764 der Pritschenwagen. Das macht einen Anteil von fast fünf Prozent am Gesamtmarkt aus.

Pick-ups gelten in den USA als legitime Nachfahren des Planwagens, mit dem die Siedler einst das Land eroberten. Das Segment boomt entsprechend für alle US-Hersteller ununterbrochen: Zusammen mit Modellen wie dem Silverado von Chevrolet oder dem Ram aus dem Fiat-Chrysler-Verbund machen Pick-ups in den USA 2,8 Millionen Fahrzeuge und 16,4 Prozent des gesamten Marktes aus.

Deutsche Hersteller nahmen an dieser Bonanza bisher nicht teil. Weder der VW Amarok noch die Mercedes X-Klasse haben eine US-Zulassung. Doch das soll sich ändern.

XXL-Autos, zugeschnitten auf die US-Kundschaft

Nach dem Abgasskandal, der seinen Anfang in den USA hatte, unternimmt Volkswagen derzeit einiges, um den Amerikanern zu gefallen. VW entwickelt immer mehr Autos, die auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind. "Autos aus Amerika für Amerikaner" - so fasst US-Chef Hinrich Woebcken diese Strategie zusammen, die mit dem gestreckten Passat und dem großen Geländewagen Atlas begonnen hat. Demnächst kommt ein für den US-Markt entwickelter Jetta, und nun könnte tatsächlich ein Pritschenwagen für die Amerikaner folgen.

Eine Studie zumindest gibt es schon mal: Robust, rustikal und vor allem riesig groß ist der Fünfsitzer mit der Doppelkabine. Der auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basierende Geländewagen wurde auf eine Länge von 5,44 Metern gestreckt, der Radstand beträgt 3,26 Meter. Das sind noch einmal 28 und 34 Zentimeter mehr als beim Atlas - und schon der sprengt die europäischen Größenverhältnisse.

Dazu gibt es einen für die Pick-ups dieser Klasse vergleichsweise hochwertigen Innenraum mit digitalem Cockpit und umfangreichen Assistenzsystemen. Für den Auftritt bei der Autoshow in New York inszenierte VW dazu noch eine eigene Lightshow. Als wären die Kotflügelverbreiterungen, die Trittleisten und vor allem die bullige Front mit Ramm- und Unterfahrschutz nicht schon auffällig genug, ist der Kühlergrill beleuchtet, und an der Ladeklappe der Pritsche flimmert ein LED-Band.

Da lachen ja die Hühner

Dass sich bislang kein deutscher Hersteller in diesem Segment versucht hat und es auch Autos wie der Amarok oder die X-Klasse nicht nach Amerika geschafft haben, führt Arthur Kipferler, Partner bei der Strategieberatung Berylls in München, auf mehrere hohe Hürden beim Eintritt in den US-Markt zurück: Zunächst nennt er die sogenannte "Chicken Tax". 1963 eingeführt, sollte sie als 25-prozentige Einfuhrsteuer auf landwirtschaftliche Produkte den heimischen Markt schützen. Sie galt auch für leichte Nutzfahrzeuge wie Pick-ups, die gerne von Farmern bewegt wurden.

Zwar sei die "Chicken Tax" für viele Produkte längst wieder aufgehoben, für leichte Nutzfahrzeuge bestehe der Importzoll allerdings bis heute. "Ein importierter Pick-up wäre also zu teuer und hätte keine Chance", sagt Kipferler. Aber selbst wenn der Tanoak anders als Amarok und X-Klasse tatsächlich mit seinem Plattformbruder Atlas im US-Werk Chattanooga gebaut würde und so die Hühnerhürde nehmen könnte, blieben ein paar andere Probleme.

"Die meisten Kunden entscheiden sich neben praktischen Gründen deshalb für einen Pick-up, weil sie mit ihm Bodenständigkeit, einen entsprechenden Lifestyle und ein Bekenntnis zu Amerika ausdrücken können", sagt Kipferler. Mit einem deutschen Pick-up sei das eher schwierig, gibt der Experte zu bedenken. Und zu allem Übel würden die meisten Pick-ups auch noch in jenen Regionen verkauft, in denen das Händlernetz der Importeure wesentlich dünner sei als an West- und Ostküste: in Texas und dem Mittleren Westen. Deshalb "sehen wir bei Berylls jenseits von kleinen Nischen kein relevantes Geschäftsmodell für Pick-ups von Importmarken auf dem US-Markt", so Kipferlers Fazit.

Keine klare Aussage zur Zukunft des Pick-ups

Kein Wunder, dass sich also auch VW-Chef Woebcken keine klare Aussage zur Zukunft der Studie entlocken lässt. Zwar rühmt er den Pritschenwagen als das "perfekte Beispiel dafür, wie ein VW aussehen muss, der die Bedürfnisse und Wünsche der amerikanischen Kunden bedient und trotzdem ein typischer Volkswagen ist". Der Wagen zeige, "dass wir uns alle Möglichkeiten sehr genau anschauen".

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