Zukunftstechnik Deutsche Hersteller liegen bei Elektroautos deutlich zurück

Volkswagen und Co. haben riesigen Aufholbedarf bei Elektroautos: Mit ihren Batterie-Pkw erreichen deutsche Hersteller viel geringere Marktanteile als mit Verbrennern, wie eine Untersuchung des Bundestags ergeben hat.

Volkswagen E-Golf
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Deutschland gilt als nicht gerade fortschrittlich, was die Elektromobilität angeht. Bei der Herstellung liegen die USA und China weit in Führung.

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Dabei sieht der Anteil deutscher Hersteller an den derzeit rund 80.000 Elektroautos auf deutschen Straßen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus: Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, die dem SPIEGEL vorliegt, beträgt er 53,4 Prozent (siehe Grafik). Das ist allerdings deutlich weniger als bei konventionellen Verbrennern. Dort liegt der Marktanteil bei 69,4 Prozent. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Auch im europäischen Ausland verschaffen Autos wie der E-Golf von VW Deutschen zwar einigermaßen stattliche Marktanteile, die aber unter den Vergleichswerten für Verbrenner liegen. Das gilt für Norwegen, das bei den Zulassungszahlen von stromgetriebenen Fahrzeugen vorne liegt, aber auch E-Pionieren wie den Niederlanden. Deutlich besser fällt die Bilanz aus, wenn Plug-in-Hybride in die Rechnung einfließen. Diese verfügen zusätzlich zu Batterie und E-Motor über einen Verbrennungsmotor.

Düstere Lage in China

Alarmierend hingegen fällt ein Blick nach China aus. Bei Wagen mit herkömmlicher Antriebstechnik kommen die deutschen Hersteller auf einen Marktanteil von 23,2 Prozent, bei Elektrofahrzeugen aber nur auf kümmerliche 0,4 Prozent. Das ist insbesondere beunruhigend, weil der chinesische Markt für die deutschen Hersteller VW, BMW und Daimler überlebenswichtig ist.

Doch bei der Entwicklung von Elektroautos haben die Chinesen die Nase vorn. Firmen wie BYD oder NIO, die in Deutschland praktisch unbekannt sind, stellen E-Autos in Millionenstückzahlen her. Im vergangenen Jahr wurden in China 1,26 Millionen Elektroautos verkauft. Die Deutschen büßen immer mehr ihre Rolle auf dem chinesischen Automarkt ein.

Was den Marktanteil deutscher E-Autos im Heimatmarkt angeht, kommentiert der grüne Verkehrsexperte Oliver Krischer: "Bei den vergleichsweise geringen Anstrengungen der deutschen Autohersteller ist das sehr ordentlich." Problematischer sei die geringe Zulassungsrate in China. "Das ist wohl die drängendste Hausaufgabe für die deutschen Autobauer hier aufzuholen."

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insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
pit.duerr 29.03.2019
1. Was ist eigentlich
so schlimm dran das die Chinesen lieber ihre eigenen Autos kaufen. Machen die Deutschen , die Franzosen, die Italiener genauso in ihren Ländern. So läuft es halt .Konkurrenz belebt den Markt. Vielleicht haben ja in Deutschland viele Autokäufer in den letzten Wochen diverse Berichte auf Phönix und Arte gesehen, in Sachen Umweltzerstörung in Chile und Argentinien, durch den Rohstoffabbau dort, für die Unmengen von AKKUS die gebraucht werden. Die dort lebenden Bevölkerungen, werden in den nächsten Jahren in ihrer angestammten Heimat, weder etwas anbauen noch dort weiter leben können. Der Grund liegt darin , das zur Produktion der AKKUS für unsere ach so geheiligten E AUTOS die dort geförderten Rohstoffe , das Grundwasser sinken läßt. Wie sagte ein chilenischer Bauer in einer Sendung. " Ich hoffe, die Europäer wissen und vergessen nicht, das wir hier unseren Lebensraum verlieren ( übrigens auch die dort lebenden Wildtiere) , damit die Europäer die Welte retten können."
MisterD 29.03.2019
2. Naja...
noch ist es ja längst nicht zu spät, auch wenn immer so getan wird. Womit verdienen BMW, Audi und Daimler in China denn ihr Geld? Mit billiger Massenware à la BYD, Isuzi und Co? Oder eher mit Premiumautos, die sich die meisten Chinesen in 100 Arbeitsleben nicht leisten können? Die E-Autos der deutschen Hersteller kommen und dann wird ein reicher Chinese alleine schon aus Prestigegründen den Stromer von BMW kaufen, statt BYD... einzig VW muss sich Sorgen machen, den Santana als E-Auto... wird schwierig...
Mertrager 29.03.2019
3. Komisch
Diese und ähnliche Expertisen werden in den allermeisten Fällen von EXPERTEN erstellt, bei denen man durchaus berechtigte Zweifel an der Sachkunde haben kann. Der Bundestag bzw. eine Regierung (diese jetzt: da kommt nix mehr) täte gut daran, in Deutschland ein für die Autoindustrie geeignetes Umfeld zu schaffen. Das heisst nicht, rasen um jeden Preis - oder son Quatsch. Sondern zB Förderung des Aufbaus einer modernen Infrastruktur, zB durch Stromverteilung oder Ladestationen. - Wie wertvoll für D die Automobilindustrie ist, werden manche erst begreifen, wenn sie irreparabel beschädigt wurde.
robinlott 29.03.2019
4.
Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass die deutsche Autoindustrie gerade ihre Zukunft verpasst. Sollte das stimmen, wird es noch bitter werden.
Teile1977 29.03.2019
5. Autos
Hmm, es ist also eine Katastrophe wenn die deutsche Autoindustrie in einem Bereich der aktuell noch unter einem Prozent liegt, noch keine Marktbeherrschende Stellung einnimmt. Hat ja noch Zeit und VW und Co investieren aktuell gigantische Summen in den Aufbau einer Produktion, in fünf Jahren kann das alles schon ganz anders aussehen. Ladesäulen wachsen hier in der Gegend auch wie Unkraut aus dem Boden, man muss nur darauf achten, dann sieht man die auch.
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