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VW Bus Samba: Durchblick garantiert

Foto: Tom Grünweg

VW Bus T1 Der Wirtschaftswunder-Wagen

Was der Käfer für den kleinen Mann, das war der T1 für Handel, Handwerk und Gewerbe: Kein anderes Auto hat das Wirtschaftswunder so geprägt wie der VW Bus, dessen Produktion vor 60 Jahren begonnen hat. Zum Jubiläum war SPIEGEL ONLINE noch einmal in dem Klassiker unterwegs.

Kaum ein anderes Auto hat weltweit buchstäblich so viel bewegt wie der VW Transporter. In mittlerweile fünf Generationen hat der große Bruder des Käfers als Held von Händlern und Handwerkern erst die aufkeimende Wirtschaft im Nachkriegsdeutschland in Fahrt gebracht, dann wurde er in den Sechzigern zur Heimat der Hippies und als handliches Wohnmobil ein Urlaubsapartment auf Rädern.

Begonnen hat seine Geschichte zwar schon Anfang 1947 mit einem nur für den Werksverkehr bestimmten Plattenwagen. Das selbstgebaute Vehikel inspirierte den späteren niederländische VW-Importeur Ben Pon bei einem Besuch in Wolfsburg zur ersten Skizze eines Transporters auf Basis des Käfers. Doch bis sich die Idee durchsetzte und die Entwicklung alle Hürden nahm, dauerte es noch mehr als zwei Jahre. Erst im November 1949 präsentierte VW den "Typ2", das zweite Fahrzeug nach dem Käfer. Im März 1950 begann in Wolfsburg die Produktion des Autos, das offiziell als "Transporter" geführt wird, der Legende nach im Volksmund aus der Verschmelzung von Bus und Lieferwagen zum "Bulli" mutiert und den Fans in der Generationenfolge als "T1" der liebste aller fünf Transporter ist.

Die S-Klasse unter den Transportern

SPIEGEL ONLINE war zum Jubiläum noch einmal mit einem der schönsten Klassiker aus dem historischen Fuhrpark der Niedersachsen unterwegs: dem legendären Samba-Bus. Er wurde im April 1951 auf der ersten IAA nach dem Krieg in Frankfurt enthüllt und war so etwas wie die S-Klasse unter den Transportern. Mit Zweifarblackierung und Chromleisten wechselte er vom Arbeitsgerät der Hausmeister und Handwerker in einen vornehmen Freizeitlook zum Panoramawagen mit zwölf Fenstern für bis zu neun Insassen.

Nicht nur außen ist der Samba-Bus eine glänzende Erscheinung. Auch innen erlebt man am Steuer den ersten Wink des Wohlstandes: Wo der normale Transporter dem Fahrer nicht viel mehr zu bieten hat als eine nackte Blechtafel, an der hinter dem Lenkrad der schnöde Tacho hängt, gibt es hier zum ersten Mal so etwas wie ein Armaturenbrett. Hübsch emailliert, mit einem verchromten Ring um die Instrumente und sogar mit einer analogen Uhr. Außerdem reist man eher auf weichen und gemütlichen Sofas als auf Sitzen. Für diesen Hauch von Luxus mussten die frühen Gewinner des Wirtschaftswunders allerdings tief in die Tasche greifen: War der schon die Transporter-Variante mit 5850 Mark exakt 150 Mark teurer als ein voll ausgestatteter VW Käfer, verlangten die Niedersachsen für den Samba-Bus 1955 schon 8475 Mark.

90 km/h Höchstgeschwindigkeit

Dem Urgestein unter den Lademeistern ist noch alle Hektik fremd. Zwar stammt der Jubiläumstestwagen aus dem Jahr 1957 und hat deshalb schon einen stärkeren Motor. Doch auch mit 1,2 statt 1,1 Liter Hubraum und 30 statt 25 PS taugt der luftgekühlte Käfer-Boxer unter der Ladefläche im Heck nicht unbedingt zum Eilkurier. Im Gegenteil: Man muss schon geschickt im Spiel mit dem Schaltknüppel sein und allen Respekt vor dem hohen Alter des Wagens ablegen, wenn man noch halbwegs im Verkehr mitschwimmen will. Und selbst falls man mit viel Geduld und Rückenwind doch einmal die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreicht, steigt mit jeder Minute die Ehrfurcht vor den Pionieren des Paketgewerbes, die schon damals 100.000 Kilometer und mehr pro Jahr abgespult haben.

Mit der Macht des absoluten Marktführers im Rücken wird der VW Transporter wie vor ihm schon der Käfer zum Bestseller: In einer Vielzahl von Varianten - schon 1954 waren es über 30 verschiedene Modelle - aufgelegt, kommen die Niedersachsen mit der Produktion kaum nach: Im Oktober 1954 läuft noch in Wolfsburg der Transporter Nummer 100.000 vom Band, und als die Fertigung 1956 ins neue Werk Hannover umzieht, erhöht VW die Taktzahl beständig, so dass im August 1961 die erste Million voll ist. Bis zum Generationswechsel im Juli 1967 kommt der T1 auf 1,8 Millionen und legt damit den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert und mittlerweile fast elf Millionen Exemplare des Autos umfasst.

Zwar war der Bulli nie ein Exot, doch ist das Angebot an vernünftigen Fahrzeugen aus der ersten Generation mittlerweile vergleichsweise dünn, heißt es bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover. Natürlich findet man auf den einschlägigen Internetportalen noch immer Dutzende von T1. "Aber bei vielen kann man oben rein und unten wieder raus schauen", klagt ein VW-Sprecher und meint damit nicht die vielen Samba-Scheiben, sondern den Zustand der Karosserie: 5000 Euro für ein gerade noch fahrbares Restaurationsobjekt und über 20.000 Euro für einen T1 im ordentlichen Zustand nennt deshalb etwa der Preisspiegel der Fachzeitschrift "Motor-Klassik" als realistische Größe. Beim Samba-Bus als beliebtestem Klassiker darf es auch etwas mehr sein: 12.000 bis 45.000 Euro sind hier angeblich die Regel. Für ein Nutzfahrzeug ist das keine schlechte Preisentwicklung. Schließlich entspricht selbst der 1950er Neupreis von 5850 Mark unter Berücksichtigung von Inflation und heutiger Kaufkraft gerade einmal 14.000 Euro.

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