VW Eco-Racer Die Geiz-Granate

"Knallharte Sparsamkeit" verspricht VW und stellt bei der Tokio Motor Show ein Auto auf die Bühne, das in saftigem Gelb nach allem aussieht, nur nicht nach Spritgeiz. Die Wolfburger aber versichern: 3,4 Liter im Schnitt seien genug, um mit dem Eco-Racer zu rasen.


Wenn es nach Tokio geht, hat VW gerne ein besonders sportliches Auto im Gepäck. Das war schon 2001 so, als die Wolfsburger den Supersportwagen Nardo in der japanischen Hauptstadt enthüllten, ein 600 PS Geschoss, das mehr als 350 km/h schnell war. Das Projekt kam über das Prototypenstadium jedoch nicht hinaus - vielleicht klappt es ja beim aktuellen Renner. Die Voraussetzungen sind nämlich völlig andere.

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VW-Eco-Racer: Gelber Flitzer

Beim Eco-Racer handelt es sich um einen Sparsportler mit zwar nicht ganz so spektakulären, aber dennoch beeindruckenden Eckdaten. Der Wagen mit Kohlefaserkarosserie wiegt lediglich 850 Kilogramm. Somit hat der 135 PS (100 kW) starke Turbodieselmotor keine Mühe, den Eco-Racer binnen 6,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h zu treiben. Der Durchschnittsverbrauch liegt dabei nach Angaben von VW bei 3,4 Liter je 100 Kilometer.

Der Motor, teilt VW mit, befinde sich "noch in der Erprobungsphase". Das 1,5-Liter-Triebwerk mit einer Verdichtung von 17,2:1 entwickelt ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmeter und ist bereits für das sogenannte CCS-Verfahren konzipiert. CCS steht für "Combined Combustion System" und beschreibt ein Verbrennungsverfahren, das mit Hilfe von synthetischen Kraftstoffen die Vorteile von Benzin- und Dieselmotor vereinen soll. Eine Technik der "mittelfristigen Zukunft", schreibt VW in den Unterlagen zum Eco-Racer. Jedenfalls erfüllt die Maschine bereits die Abgaswerte, die mutmaßlich bei der kommenden Euro-5-Norm in Kraft treten werden.

VW Eco Racer: Ein Sportwagen, der fast nie zum Nachtanken muss

VW Eco Racer: Ein Sportwagen, der fast nie zum Nachtanken muss

Der zweisitzige Sportwagen ist als Mittelmotor-Modell konzipiert, darauf deuten unter anderem die Lüftungsschlitze hinter den Türen hin. Auffällig am Eco-Racer ist zum einen die Gestaltung der Frontpartie und hier insbesondere die LED-Scheinwerfer sowie der Kühlergrill. VW orakelt nämlich, dass sich diese Formensprache in künftigen Modellen wiederfinden könnte. Soso, da sind wir mal gespannt. Zum anderen ist das Auto überaus wandelbar. Wer beim Coupé Hand anlegt, kann das Dach demontieren und hinter den Sitzen verstauen, dazu die Hutze am Heck abnehmen - fertig ist der Roadster. Wer es noch sportlicher mag, kann darüber hinaus den Windschutzscheibenrahmen abnehmen und stattdessen eine flachere Scheibe samt Gebälk einsetzen: Dann steht der Eco-Racer als Speester da.

Auch im Innenraum gibt es ein paar Details - zum Beispiel das Kombiinstrument und das durchweg puristische Design -, die nach Auskunft der Wolfsburger "bald in Serienmodellen verwirklicht werden könnten". Viele andere Dinge des Interieurs gehören zum Sportwagen-Standard, zumal in Studien: Aluminium-Pedalerie, Ledersitze, ein knackig-kleines Lederlenkrad und ein knubbeliger Schaltstick, der ins bewährte Doppelkupplungsgetriebe mündet. Ob der Eco-Racer jemals von einem Fabrikband läuft? Ziemlich sicher: Nein. Doch auf bestimmte Einzelheiten wird VW künftig durchaus zurückkommen. Diesel-Fans dürfen sich vor allem auf die neue, sparsame und zugleich kraftvolle Motorengeneration freuen.



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