VW Golf GTI Pirelli Wieder eine Auferstehung

Die Autoindustrie öffnet ihre Archive - und siehe da: Es kommt dabei eine Menge zum Vorschein, was sich prima recyceln lässt. Fiat belebt die Marke Abarth wieder, Opel setzt auf den GT und VW reanimiert den Golf GTI Pirelli. Der trumpfte bereits 1983 auf.


Die jungen Herren trugen Vokuhila, hörten Nena oder Peter Schilling und waren verrückt nach einem Auto, das auf die linke Spur passte wie die Röhrenjeans an die Beine. Damals, im Jahre 1983, war der VW Golf GTI Pirelli - unter Kennern kurz Pirelli-GTI genannt - das Maß der Dinge unter Nachwuchs-Autofahrern. Es handelte sich eigentlich um einen nur Äußerlich aufgepeppten Golf GTI mit 1,8-Liter-Vierzylinder-Motor, 112 PS und selbstverständlich Pirelli-Reifen auf den 14 Zoll großen Rädern. Binnen eines Jahres wurden 10.500 Exemplare des limitierten Sondermodells verkauft - dann war Schluss und das Auto Kult.

VW Golf GTI Pirelli: Der neue Feger mit 230 PS
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VW Golf GTI Pirelli: Der neue Feger mit 230 PS

Irgendjemand in Wolfsburg muss diese Episode vor kurzem ausgegraben haben. Beim GTI-Treffen im Frühsommer am österreichischen Wörthersee stand auf einmal der Prototyp eines neuen Golf GTI Pirelli, doch weil sich zu diesem Anlass dort fast ausschließlich extrem aufgemöbelte Golf-Modelle tummeln, fiel der Wagen nicht weiter auf. Das ist nun anders: Denn der Pirelli-GTI kommt zurück. Ab Anfang November sollen die ersten Exemplare bei den VW-Händlern stehen. Und beweisen, dass man gar keine großartigen neuen Ideen braucht, um das Marketing anzukurbeln - ein aufmerksamer Blick in die Vergangenheit genügt.

Denn rein technisch betrachtet gibt es den neuen Pirelli-GTI längst, nämlich als Sondermodell Golf GTI Edition 30, die VW zum 30. Geburtstag des Wagens im vergangenen Jahr aufgelegt hat. Die Besonderheit gegenüber dem normalen Golf GTI (Achtung, es wird jetzt verwirrend) sind 30 PS mehr. Mit anderen Worten: Das Jubiläumsmodell tritt mit einem 2-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer mit 230 PS an. Und den gleichen Motor erhält nun auch der Pirellli-GTI. Das bedeutet eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h, ein Spurtvermögen von 0 auf 100 in 6,8 Sekunden und einen Durchschnittsverbrauch von 8,2 Liter. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm je Kilometer.

Ein Motor aus dem Regal - und viel Schminke

Der Rest des Autos ist Schminke. Selbstverständlich rollt es auf Pirelli-Breitreifen daher - und zwar sitzen die diesmal auf 18-Zoll-Felgen, die dunkel lackiert sind. VW spricht in diesem Zusammenhang von Titanoptik. Darüber hinaus sind die Stoßfänger in Wagenfarbe lackiert und nicht schwarz, wie bei den anderen GTI-Typen und die hinteren Scheiben sind abgedunkelt. Innen gibt es reichlich Leder, allerdings bestehen die Sitzmittelbahnen aus einer Mikrofaser, in die ein Reifenprofil eingeprägt ist. Gelbe Ziernähte, eine Sitzheizung, eine elektrisch einstellbare Lendenwirbelstütze und die gewohnten Komfortdetails wie Musik- und Klimaanlage runden das Ausstattungspaket ab.

30.175 Euro kostet der neue Pirelli-GTI. Wer den Wagen statt mit manuellem Sechsganggetriebe mit dem DSG (Doppelkupplungsgetriebe) bestellt, zahlt glatte 32.000 Euro, darf sich aber über einen Minderverbrauch und ein größeres Spurtvermögen freuen. Denn das Auto mit DSG erreicht in 6,6 Sekunden aus dem Stand Tempo 100 und gibt sich mit 7,9 Liter Superbenzin je 100 Kilometer zufrieden.

Am glücklichsten aber dürfte VW mit dem Pirelli-GTI werden, denn mit wenigen Zutaten, die praktisch allesamt schon vorhanden waren, peppen die Wolfsburger ihren Dauerbrenner Golf mal wieder auf, bringen ihn ins Gespräch und erhöhen wohl auch kräftig die Rendite. Und sie erinnern ganz nebenbei an Zeiten, als jene Menschen fürs Abitur büffelten, in Fahrschulen schwitzen oder anderweitig erste Erfahrung machten, die man heute Generation Golf nennt.

jüp



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