VW Golf Tuning Schwarz-Weiß-Programm

Das sind wohl die beiden heißesten Häschen im Stall: In den USA, wo der Golf traditionell "Rabbit" (Hase) heißt, hat VW nun besonders scharfe Ableger des Bestsellers enthüllt. Schade nur, dass weder der schwarze R GTI noch der weiße Thunder Bunny in Serie gehen werden.


Der Golf ist, das predigt VW schon seit mehr als drei Jahrzehnten, ein klassenloses Auto für alle Zielgruppen. Egal ob Hausfrau oder Fahranfänger, Manager-Gattin oder Arzneimittelkurier – wer sich vom stattlichen Preis des Bestsellers nicht hindern lässt, wird in der breiten Modellpalette ganz sicher das richtige Auto für sich finden. Schon jetzt spannt VW den Bogen vom vernünftigen Zweiliter-Diesel mit 75 PS bis zum Sportler R32, der mit 250 PS und beinahe 35.000 Euro Grundpreis die Führungsrolle in der Golf-Truppe übernimmt. Doch ausgereizt ist die Phantasie der Niedersachsen damit noch nicht.

Wie sportlich man den Golf mit etwas Training noch machen kann, hat VW jetzt bei der Sema-Show in Las Vegas gezeigt. Dort haben die Designer aus dem Werksstudio in Kalifornien den R GTI ins Rampenlicht gerückt. Der rabenschwarz lackierte Zweitürer sieht nach den Worten von Designchef Derek Jenkins nicht nur aus wie "ein Stealth-Bomber im Tiefflug", sondern er soll auch so fahren.

Dafür sorgt eine weiterentwickelte Version des Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzers, der auch im normalen GTI zum Einsatz kommt. Während er dort allerdings auf 200 PS limitiert ist, steigt die Leistung im R GTI auf beeindruckende 375 PS. Und wer statt dem normalen Sprit von der Tankstelle Rennbenzin mit 100 Oktan zapft, der kann sogar etwas mehr als 400 PS und damit die doppelte Leistung des konventionellen GTI abrufen. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment auf 460 Nm, die dem neuen Leitgolf zu einem gewaltigen Antritt verhelfen. Wer beherzt aufs Gaspedal tritt und für die 265 Millimeter breiten 19-Zoll-Reifen genügend Grip findet, der sprintet in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100 und lässt so manchen echten Sportwagen locker stehen.

Böser Blick und ein Auto voller Schalensitze

Doch nicht nur am Motor haben die Entwickler gefeilt. Als Dreingabe gibt es einen richtig bösen Blick und – inspiriert aus dem Rennsport – eine Leichtbau-Karosserie, die den dynamischen Anspruch des R GTI noch einmal unterstreicht. Nicht umsonst sind Stoßfänger, Motorhaube, Seitenschweller und Heckklappe aus Carbon gewebt statt aus Stahl gepresst. Und auch innen wird mit jedem Gramm gegeizt. Zwar gibt es ein paar liebevolle Details wie die beim GTI üblichen roten Nähte auf dem schwarzen Stoff. Doch haben die Entwickler statt einer schweren Rückbank zum Beispiel auch im Fond zwei leichte Schalensitze eingebaut.

Während der R GTI in aggressivem Schwarz auftritt, steht nebenan in reinem Weiß ein "Donnerhäschen", das es ebenfalls faustdick hinter den Löffeln hat. Denn es stammt aus der Feder des Tuners Bill Neumann, der bereits eine innige Beziehung mit dem Golf pflegt, seit er 1976 den ersten GTI in Deutschland fuhr. Damals hat sich der Amerikaner so darüber geärgert, dass es den kleinen Kraftmeier nicht auch in den USA gab, dass er kurzerhand die Firma Neuspeed gründete und selbst eine Tuningversion des Golf auflegte. Mit diesem ersten "Thunder Bunny" hat er den Weg für den offiziellen Golf GTI bereitet, der ab 1982 in die Staaten kam und dort als "Hot Hatch" fröhliche Urständ feierte.

Ein schneeweißer Golf mit 225 Turbo-PS

Zwar gibt es den GTI ebenso wie den R32 auch in der jüngsten Auflage längst in den USA. Doch Neumann kann es als einer der erfolgreichsten VW-Tuner zwischen New York und San Francisco natürlich nicht lassen. Deshalb greift er die alte Idee wieder auf und schickt einen schneeweiße Rabbit in einer Neuspeed-Version des 2,5 Liter großen Fünfzylinders aus Wolfsburg an den Start. Der Motor kommt mit einem neuen Turbolader auf 225 statt 150 PS. Dazu gibt es eine Rennkupplung, eine neue Differentialsperre, ein Sportfahrwerk von Bilstein, 19-Zoll-Räder mit 235er-Sport-Cup-Reifen und eine Bremsanlage von Brembo.

Noch haben die beiden heißen Hasen allerdings einen gravierenden Nachteil: Weder der R GTI noch der Thunder Bunny sind bis dato für die Produktion freigegeben. Doch machen die beiden Studien zumindest deutlich, dass die Idee vom GTI auch 30 Jahre nach seinem ersten Auftritt noch nicht zu Ende gedacht ist. VW teilte zur Premiere der beiden Autos kryptisch mit: "Die Zukunft hat schon begonnen."

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