VW Käfer Cabrio Tauchbad im Jungbrunnen

Na klar rostet alte Liebe. Besonders wenn sie aus Blech ist und mehr als 25 Jahre auf dem Buckel hat - wie etwa das VW Käfer Cabriolet. Für das Kultmobil gibt es aber Hoffnung: Ein Betrieb im bayerischen Reichertshofen verpasst dem Oldie eine Generalüberholung, nach der das Auto wie neu dasteht.


Käfer Cabrio: Ein Oldie, der von Grund auf renoviert wird

Käfer Cabrio: Ein Oldie, der von Grund auf renoviert wird

Am 10. Januar 1980 lief bei Karmann in Osnabrück der letzte offene Käfer vom Band. Exakt 331.847 der Kult-Cabrios mit der charakteristischen Verdeckkrempe im Nacken wurden gebaut, und mit dem frisch erwachten Interesse an so genannten Youngtimern rollt auch das Käfer Cabrio ganz vorne mit im Retro-Konvoi. Zwar hat VW mit dem New Beetle Cabrio inzwischen den modernen Nachfolger des urigen Vorgängers im Angebot, doch für Fans oder Nostalgiker kommt nur das Original in Frage. Das Problem dabei: Allein auf Grund ihres Alters haben die Autos Macken und im Vergleich zu modernen Fahrzeugen technische Defizite.

Mit einer "Symbiose aus alter und neuer Technik" will Georg Memminger, Chef der Firma Feine Cabrios in Reichertshofen südlich von Ingolstadt, dieses Dilemma beheben. Sein Rezept: Er restauriert und modernisiert betagte Käfer Cabrios von Grund auf. Von den Ursprungsautos bleibe "gerade mal der Windschutzscheibenrahmen, das Armaturenbrett und die Tankauflage" übrig, sagt Memminger. Der Rest wird entweder komplett neu hergestellt oder generalrenoviert, und so rollen pro Jahr rund 22 neuwertige Käfer Cabriolets der Modellreihen 1302 und 1303 aus den Baujahren 1970 bis 1979 aus der Werkshalle.

Käfer Cabrio: Auch die modernisierte Version trägt offen die charakteristische Verdeckkrause

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Bei dem aufwendigen Restaurierungsverfahren werden Bodengruppe und Karosserie getrennt. Rahmenkopf und Bodenplatten werden durch Neuteile ersetzt. "Unsere Bodenplatte ist gestrahlt, spritzverzinkt und pulverbeschichtet und hält deshalb sehr viel länger als das Originalteil", sagt Memminger. Auch Karosserie und Verdeck werden nahezu komplett ausgetauscht, ehe Original- und Reproteile wieder zusammengesetzt werden. Zahlreiche der neuen Teile produzieren Memminger und seine acht Mitarbeiter selbst. Sogar VW bezieht inzwischen Ersatzteile aus dem bayerischen Spezialbetrieb.

Außer den restaurierten Modellen kann man bei Feine Cabrios auch ein komplett neues Auto bauen lassen. Etwa sechs Monate dauert die Fertigung, wobei auf Grund der begrenzten Kapazität der derzeit frühestmögliche Liefertermin für ein neues Modell im Frühling nächsten Jahres liegt.

Käfer-Armaturentafel: Der alte Look in neuem Glanz und ein Lenkrad wie einst - ohne Airbag

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Die Individualität und der Reiz, einen praktisch neuen Oldie zu fahren, sind nicht billig. Mindestens 35.800 Euro kostet ein komplett restauriertes Käfer Cabrio in der Grundausstattung. Dazu gehört dann aber auch eine elektrische Scheibenwaschanlage (beim Originalauto kam der Luftdruck für den Wasserstrahl noch aus dem Ersatzrad) und Seitenaufprallschutz. Meist aber ordern die Kunden ohnehin noch feine Extras. "Wir haben erst einen einzigen Wagen mit Stoffsitzen verkauft", sagt Memminger. Und eine Lederausstattung kostet natürlich extra; ebenso wie ein Navigationssystem, ein üppiges Hifi-Paket oder eine Alarmanlage.

Käfer-Motor: Hier rasselt der Chef, nämlich aus gut 1900 Kubik und mit 80 PS

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Unter dem Motorhäubchen am Heck ist das neue alte Käfer Cabrio seinem Vorgänger klar überlegen. Dank einer Hubraumerweiterung auf 1915 Kubikzentimeter leistet der Motor nun 80 PS. Memminger: "Früher war bei 50 PS Schluss, heute wären sogar 150 PS möglich." Die Karosserie wird dank eines Edelstahl-Gewindefahrwerks um bis zu sieben Zentimeter tiefer gelegt, als Reifen kommen 185er-Gummis auf 15-Zoll-Sportfelgen zum Einsatz. Das Verdeck mit weißem Innenhimmel, eine passende Persenning und farblich darauf abgestimmte Recaro-Sitze runden den Auftritt des Autos ab, wenn es wieder aus dem Jungbrunnen auftaucht.



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