Hannahs Käfer-Blog "Das machen sonst muskelbepackte Männer"

Das trauen sich nicht mal die meisten Erwachsenen: Die 16-jährige US-Amerikanerin Hannah restauriert einen VW Käfer von 1962 - und zwar von Grund auf. Hier erklärt sie, wie es dazu kam.

Hannah's Bug

Die meisten Teenager verbringen die Sommerferien mit Freunden im Schwimmbad, im Kino oder in der Eisdiele. Hannah aus dem US-Bundesstaat Massachusetts hingegen hängt am liebsten in der Hinterhofgarage ihres Vaters ab. Dort schraubt die 16-Jährige an einem VW Käfer, den sie bis zum Tag ihrer Fahrprüfung komplett fertig restauriert haben möchte. Ob Schweiß-, Karosserie-, oder Lackierarbeiten - Hannah erledigt alles selbst. Die Restauration von "Jujubee", wie sie ihren Käfer nennt, kann man in einem YouTube-Tagebuch miterleben. SPIEGEL ONLINE hat mit der jungen US-Amerikanerin gesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt deine Leidenschaft für Autos?

Hannah: Autos interessieren mich, seit ich denken kann. Ich habe Sonntagsnachmittags immer an der Straße gestanden und nach Oldtimern Ausschau gehalten. So richtig begann es dann, als ich zwölf war. Ich schaute mir Filme über Restaurationen an und las Bücher darüber. Je mehr ich lernte und je mehr alte Autos ich sah, desto mehr wollte ich die Technik dieser majestätischen Maschinen verstehen. Neue Autos faszinieren mich nicht so, eher die alten mit ihrer simplen Mechanik.

SPIEGEL ONLINE: Ein 16-jähriges Mädchen, dass ein Auto völlig allein restauriert - das ist schon sehr selten. Wo hast du gelernt, was man für so eine Restauration an handwerklichen Fähigkeiten braucht?

Hannah: Fast alles, was ich kann, hat mir mein Vater beigebracht. Wir haben Dinge aber auch zusammen gelernt. Schweißen war beispielsweise für uns beide eine ganz neue Erfahrung. Inzwischen bin ich darin sogar besser als er. Das hat mich am Anfang wirklich überrascht, und meinen Vater macht das stolz. Er hat mir mal erzählt, dass er praktisch in einem VW Westfalia Camper groß geworden ist. Der Bulli war mit den sieben Zwergen bemalt, denen aus dem Märchen "Schneewittchen".

SPIEGEL ONLINE: Wieso wolltest du gerade einen VW Käfer restaurieren?

Hannah: Der größte Vorteil beim Käfer ist seine simple Technik. Die Karosserie beispielsweise lässt sich ganz einfach vom Rahmen trennen. Außerdem ist der Motor luftgekühlt, das heißt es gibt weniger komplexe Bauteile, die restauriert werden müssten. Für mich hat ein altes Auto wie der Käfer einfach viel Charme und Charakter. Meinen "Jujubee" habe ich bei einem VW-Händler in New Hampshire gesehen und mich direkt in ihn verliebt.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen deine Freunde zu deinem Hobby?

Hannah: Viele von ihnen wissen davon gar nichts und ich rede auch nicht groß darüber. Ein paar der Leute, denen ich von meinem Projekt erzählt habe, reagierten ein wenig eifersüchtig. Während ich mein Auto selbst in Ordnung bringe, müssen die anderen wahrscheinlich erst einmal einen Job annehmen, um sich ein Auto kaufen zu können. Ab und zu kommen aber doch ein paar Freunde und helfen mir bei der Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Kriegt man das eigentlich hin, neben der Schule noch ein Auto zu restaurieren?

Hannah: Na ja, deswegen ist die Restaurierung ein reines Sommer-Projekt. Inzwischen haben wir den zweiten Sommer hinter uns und sind nun ein wenig hinter dem Zeitplan...

SPIEGEL ONLINE: ...denn eigentlich sollte der Wagen du zu deinem 16. Geburtstag fertig sein.

Hannah: Ja, das klappt nun nicht mehr, denn meinen 16. Geburtstag habe ich schon im Sommer gefeiert. Ich wollte das Auto eigentlich schon während meiner Fahrprüfung fahren, die man in meinem Staat frühestens mit 16,5 Jahren machen kann. Ein wenig Zeit brauche ich wohl noch, um "Jujubee" startklar zu machen. Aber die Wartelisten für die Fahrprüfungen sind so lang, dass wir doch noch rechtzeitig fertig werden könnten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn noch zu tun am Käfer?

Hannah: Ich habe diesen Sommer die Bodenbleche erneuert und viele Teile der Karosserie ausgebessert. Auch die Türschweller sind runderneuert und warten darauf, dass ich sie mit dem Rahmen und den hinteren Querträgern verschweiße. Wenn ich das geschafft habe, kann ich die Karosserie lackieren. Sie soll später die Originalfarbe "Perlweiß" tragen. Außerdem möchte ich ein paar Rennstreifen aufkleben, sodass mein Käfer ein wenig wie der berühmte "Herbie" aussieht. Ich hoffe, dass ich nächsten Sommer endlich losfahren kann.

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Hannahs Käfer-Blog: Der junge Traum vom eigenen Käfer

SPIEGEL ONLINE: Auf YouTube betreibst du ein Video-Tagebuch über die Restaurierung. War das deine Idee?

Hannah: Die Idee dafür kam ursprünglich von meinem Vater, der ein paar Videos für das Familien-Archiv drehen wollte. Herausgekommen ist dann eine richtige kleine Show, die wir beide zusammen entwickelt haben.

SPIEGEL ONLINE: Es scheint, als wärst du ein großer Fan des australischen Filmschauspielers Chris Hemsworth, der zwischendurch auch in deinen Videos auftaucht...

Hannah: Ja, ich liebe seine Filme. In meinen Videos ist er einfach ein kleiner Gag. Er ist ein klassischer Mädchenschwarm. Was braucht ein Teenager, wie ich es bin, mehr? In meiner Show sind sonst ja Kuscheltiere das Publikum und ein klassisches Auto spielt die Hauptrolle.

SPIEGEL ONLINE: Jedes deiner Videos beginnt mit "Hi Kinder". Richtest du dich mit den Filmen speziell an Gleichaltrige?

Hannah: Nein, ich mache meine Videos für alle. Sowohl für Zuschauer, die sich bereits mit Autos auskennen, als auch für diejenigen, die noch etwas lernen wollen. Ich möchte alle Leute motivieren, vom grauhaarigen Stubenhocker bis hin zum neugierigen Kind. Wenn die Leute das kleine, dünne Mädchen sehen, das Arbeiten erledigt, die sonst muskelbepackte Männer übernehmen, hoffe ich, die Menschen motivieren zu können, es mir gleich zu tun. Ich will, dass die Leute sagen: 'Wenn sie es kann, kann ich es erst recht.'

Anm. d. Red: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, es handele sich bei Hannahs Käfer um ein 77er Modell, tatsächlich ist es aber ein VW Käfer von 1962. Wir haben den Fehler korrigiert.

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Seite 1
BurtCocain 21.11.2016
1. Wieder mal toll recherchiert
Dieser Käfer ist definitiv nicht von 1977 ! Er stammt aus den 60ern !
Gottjott 21.11.2016
2.
Es heißt in diesem Zusammenhang nicht "Restauration", sondern "Restaurierung". Das wird regelmäßig sogar von Fachleuten falsch benutzt. In einer Restauration bekommt man etwas zu essen.
bissig 21.11.2016
3. Kleine Korrektur
Das ist ein 67er - 5-Loch-Felgen, dünne Stoßfänge-Aufnahme hinten, liegende Scheinwerfer, grosse Drehfenster in den Türen. Kann ja mal passieren. Aber: Hut ab. Die meisten würden sich einfach neue/gebrauchte Türen kaufen, anstatt das Türblatt zu schweissen.
_bernhard 21.11.2016
4. Der ist doch aelter....
Eindeutig aus den 60ern, 67 oder 68. Alles was nach 72 gebaut wurde, hatte ganz grundsaetzliche Konstruktionsaenderungen. Bitte doch genauer recherchieren!
henning.minck 21.11.2016
5.
Zitat von BurtCocainDieser Käfer ist definitiv nicht von 1977 ! Er stammt aus den 60ern !
Das meine ich auch, denn er hat rundum noch die "kleinen" Fenster, also vor 1965.
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