VW New Beetle Cabriolet Out of Wolfsburg

Das Käfer Cabriolet war Kult, immerhin seit den wilden sechziger Jahren. Jetzt will VW mit dem New Beetle Cabrio an alte Zeiten anknüpfen.


New Beetle Cabriolet: Oben ohne auf Floridas Highways

New Beetle Cabriolet: Oben ohne auf Floridas Highways

An der Gabelung des Weges, wo es auf der einen Seite Richtung Nostalgie, auf der anderen in die Zukunft geht - da fährt der neue VW einfach geradeaus weiter. Traditionalisten, die noch immer dem Käfer-Cabriolet nachtrauern, das zwischen 1949 und 1980 rund 330.000 Mal bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde, werden sich über die optischen Anleihen freuen, die der Neue beim Alten nimmt. Modernisten wiederum werden auf die frischen Motoren, die optionale Sechsgang-Automatik und die Sicherheitsausstattung mit ABS, ESP, vier Airbags und versenkten Überrollbügeln verweisen, die das Auto als ein Modell des neuen Jahrtausends ausweisen.

Sunshine, Beach, Fun: Das Cabrio wurde auf den US-amerikanischen Markt zugeschnitten New Beetle Cabriolet: Viersitzer mit passablem Raum in der zweiten Reihe Zielgruppe Frauen: Kuschelige Rundungen in Bonbonfarben
Zuladung: Kofferraum mit Ladebrücke fürs Snowboard Nostalgie mit Zukunft kombiniert: Das Design nimmt Anleihen beim Käfer Das Extra mit Zuschlag: Windschott
New Beetle Cabriolet: Stoffverdeck mit beheizbarer Glasscheibe Markteinführung: In Deutschland ab März 2003 zu haben Mit altbekannten Golf-Motoren: Drei Benziner, ein Diesel

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Das Marketing jedoch kramt die alten Geschichten vom "klassenlosen Lifestyle-Modell" hervor. So wie einst der offene Käfer soll auch das New Beetle Cabriolet zum Kultmobil werden. Bei geöffnetem Dach bildet das gefaltete Stoffverdeck eine breite Krempe am Heck, wie sie schon immer charakteristisch war für den Frischluft-Käfer. Und damit die US-Amerikaner, die den Löwenanteil der geplanten Jahresproduktion von 50.000 New Beetle Cabriolets kaufen sollen (geplanter Deutschland-Absatz: 10.000 Exemplare pro Jahr), das Auto spontan mit Sunshine, Beach und Fun verbinden, ließ VW ganz besondere Lacke für den Wagen mischen. Herausgekommen sind die Pastelltöne Aquarius Blue, Mellow Yellow, Sundown Orange und Harvest Moon - allesamt sanfte und dennoch poppige Bonbonfarben, die den Schmusecharakter der Karosserierundungen zusätzlich betonen.

So sollen vor allem mehr Frauen als Männer zum Cabrio-Kauf verlockt werden. Außerdem rechnet VW damit, dass die Mehrzahl der Kundinnen und Kunden jünger als 40 Jahre sein wird. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der Golf-Cabrio-Kunden lag bei 44 Jahren. In Deutschland wird der Wagen ab März 2003 bei den Händlern stehen. VW bietet für das Auto vier Motorvarianten an, die allesamt aus dem aktuellen Golf-Programm bekannt sind. Es wird drei Benziner mit Leistungen zwischen 75 und 115 PS (55 und 85 kW) geben sowie einen Selbstzünder, den 1,9-Liter-TDI mit 100 PS (74 kW). Die Preise für die Modelle werden sich zwischen 19.750 Euro (Einstiegsversion mit 75-PS-Motor) und 23.875 Euro bewegen. In diesem Preis für das Topmodell mit dem Zwei-Liter-Vierzylinder-Benziner ist bereits der Aufschlag für das Sechsgang-Automatikgetriebe (1850 Euro) enthalten.

Fein ist, dass der Wagen als Viersitzer mit recht passablem Platzangebot auch in der zweiten Reihe ausgelegt wurde. Der Kofferraum fasst 201 Liter und ist nur durch eine kleine Öffnung zugänglich. Doch bei einem Cabriolet zählt vor allem die große, die entscheidende Öffnung - nämlich die des Daches. Beim New Beetle ist das Stoffverdeck mit einer beheizbaren Heckscheibe aus Glas ausgestattet. Über dem Innenspiegel ist der zentrale Drehriegel angebracht, um das Dach zu öffnen oder nach dem Schließen wieder zu befestigen. Wer das Umlegen oder Zuklappen an einen Elektromotor delegieren möchte, der dafür 13 Sekunden benötigt, muss 750 Euro extra zahlen. Auch für andere angenehme Dinge wie etwa Windschott (270 Euro), Klimaanlage (1125 Euro) oder Lederausstattung (1515 Euro) verlangt VW einen Zuschlag.

Fans wird das kaum schrecken, und Nostalgiker müssen spätestens beim Thema Preis akzeptieren, dass die vermeintlich guten, sicher aber alten Zeiten endgültig vorbei sind.



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