VW New Beetle Das Ende des Retro-Käfers

Im August 2010 wird im mexikanischen Puebla die Produktion des VW New Beetle auslaufen. Beim Debüt 1998 war das Auto das erste Modell im Retro-Design - es sollte den Charme des VW Käfer ins Internetzeitalter transportieren. Hierzulande zumindest misslang dies.
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VW New Beetle: Schwelgen in halbrund

Im August ist Schluss. Dann wird im mexikanischen VW-Werk in Puebla der letzte New Beetle vom Band laufen. Das erste aller Retro-Autos sagt adios - nach rund 1,1 Millionen gebauten Exemplaren in den vergangenen zwölf Jahren. Das klingt beachtlich und ist auch durchaus ein Erfolg - allerdings konnte sich der Wagen ausgerechnet im Mutterland des VW Käfers nie richtig durchsetzen. "Der New Beetle war primär für die USA konzipiert, und mehr als die Hälfte der gebauten Exemplare wurden auch in den USA verkauft", sagt Nick Margetts, Automarkt-Analyst des Branchenbeobachters Jato Dynamics.

Dabei sah es zunächst nach dem ganz großen Revival aus, denn wohl noch nie zuvor war ein Auto so sehr von Presse und Publikum herbeigesehnt worden. Von Angehörigen der Generation Golf ebenso wie von Millionen Menschen, die man mehreren Generationen Käfer zurechnen könnte - denn sie waren durch den Bestseller aus Wolfsburg als Autofahrer sozialisiert worden. Als VW 1994 ein Remake des Autos vorstellte, das bereits in den dreißiger Jahren von Ferdinand Porsche als KdF-Wagen konzipiert worden war, begann der Hype. Concept 1 hieß die Studie, die auf der Detroit Autoshow und weit darüber hinaus den Leuten den Kopf verdrehte.

Entstanden war der rundliche Prototyp im damals neuen, kalifornischen Designstudio von VW in Simi Valley - und zwar eher als Fingerübung der Designer Freeman Thomas und J. Carrol Mays. Im Rampenlicht der Öffentlichkeit wurde aus dem Überraschungsei auf Rädern plötzliche eine Sensation. Bald gab es nur noch eine Frage: Wann baut VW dieses Auto?

Erst war die Form da - und dann wurde ein VW Golf drunter gesteckt

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. 1995 zeigte VW auf dem Autosalon in Genf eine Cabrio-Studie des Retro-Käfers - und wenig später gab der Vorstand in Wolfsburg grünes Licht für die Serienproduktion. 1998 kam das Auto als VW New Beetle auf den Markt, zunächst mit 105-PS-Benzin- oder 90-PS-Dieselmotor. Die Technik stammte weitgehend vom damaligen Golf IV. Was möglicherweise all jene enttäuschte, die tatsächlich an einen neuen Käfer mit Heckantrieb und asthmatisch rasselndem, luftgekühlten Motor gedacht hatten.

"Es mangelte dem Auto an Authentizität der Grundarchitektur", sagt daher Othmar Wickenheiser, Design-Professor an der Hochschule München. "Die Rochade vom Boxerheckmotor mit Hinterradantrieb zum Frontmotor mit Frontantrieb geschah im Grunde unter der gleichen Karosserie-Silhouette. Daher kann man zu Recht fragen, ob hier noch die Form der Funktion folgt, oder der Archetyp in stilisierter Form auf einer neuen Plattform ein Revival erleben durfte." Hartgesottene Fans des Autos, das einst die Deutschen mobil gemacht hatte, wandten sich vom Golf im Käferpelz ab.

Schwellende Muskeln unter einer aufgepumpten Karosserie?

Mitunter wurde auch das wie aufgepumpt wirkende Design für den mäßigen Erfolg des Autos in Deutschland verantwortlich gemacht. Kurz nach der Premiere des Serienmodells schrieb die "Süddeutsche Zeitung", der New Beetle sei "ein Blech gewordenes Lustobjekt: die Wiedergeburt des Autos aus dem Geist des Fitnessstudios". Design-Profi Wickenheiser hingegen lobt die Gestaltung. "Ein solches Original überzeugend neu zu kreieren, ist fast unmöglich - trotzdem ist es den VW-Designern bestens gelungen." Sein Fazit: "Möglicherweise ist auch gar nicht das Design der Grund für die mancherorts mäßigen Verkaufszahlen, sondern eher die überzogenen Erwartungen."

Und es war wohl auch der überzogene Preis, der die deutschen Kunden zurückschrecken ließ. 34.950 Mark kostete ein New Beetle zum Marktstart 1998 sowohl mit Otto- als auch mit Dieselmotor. Ein technisch identischer VW Golf war zu diesem Zeitpunkt ab 25.700 Mark zu haben, der ebenfalls mit einem 90-PS-Selbstzünder bestückte Golf beispielsweise kostete exakt 30.300 Euro und damit mehr als 4000 Euro weniger als der New Beetle. Gegen das monetäre Argument halfen auch nette Käfer-Zitate wie die Blumenvase am Armaturenbrett, die Halteschlaufen an der B-Säule oder die Gepäcknetze an den Türen nicht mehr.

Mit dem New Beetle fing es an - dann folgten die anderen Retro-Modelle

Zu schaffen machten dem New Beetle und seiner Cabrio-Variante wohl auch die Nachahmer des Prinzips Kult-Recycling. Allen voran der neue Mini aus dem BMW-Konzern oder die Retro-Epigone Fiat 500. "In den letzten zwei Jahren konnte der Mini in den USA mehr als doppelt so viele Zulassungen wie der New Beetle für sich verbuchen", sagt Automarkt-Experte Nick Margetts. "Und in Japan, wo Kultautos eine große Rolle spielen, lag der Fiat 500 im vergangenen Jahr mit 50 Prozent mehr Zulassungen deutlich vor dem New Beetle."

In Deutschland erreichte das Retro-Trio im vergangenen Jahr laut Kraftfahrt-Bundesamt höchst unterschiedliche Zulassungszahlen: 3418 der VW New Beetle, 30.800 der Mini, 18.173 der Fiat 500. Unabhängig davon haben Autos wie der Retro-Käfer ungewöhnlich enthusiastische Kunden. In Deutschland etwa treffen sich Fans aus ganz Europa seit fünf Jahren zur Sunshine-Tour, in diesem Jahr am 7. August. Es wird eine Art Abschiedstournee für den New Beetle. Ein Nachfolger für das Auto ist allerdings schon avisiert; im nächsten Jahr soll er auf den Markt kommen.

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