VW Passat CC Ideallinie gesucht

Der VW Passat ist ein Bestseller, doch bei allem Erfolg: Elegant sind weder Limousine noch Kombi. Daher schiebt Volkswagen jetzt eine dritte Variante nach: den Passat CC. Das klingt nach Cabrio, ist aber ein Viertürer mit Coupé-Dachlinie nach Art des Mercedes CLS.


VW nimmt wieder einmal das automobile Oberhaus ins Visier. Zum Auftakt der Detroit Auto Show eine neue Variante des Passat. Der Neuling trägt das Typenkürzel CC und soll in Europa bereits im zweiten Quartal in den Handel kommen. In den USA, nach VW-Prognosen der wichtigste Markt für das viertürige Coupé, wird das Auto erst Ende des Jahres ausgeliefert - ebenso in Kanada und Japan. Ziel des etwas ambitionierter gestalteten neuen Modells ist es, die grundvernünftige, aber auch sehr sterile Passat-Baureihe etwas aufzupeppen.

Während die Kombiversion Variant den Praktiker für Familienväter und Handlungsreisende gibt und die Limousine den Abteilungsleiter befördern soll, ist der CC die Smokingvariante. Die Front wurde neu gestylt und trägt einen überarbeiteten Kühlergrill mit nur noch zwei Chromrippen sowie einen Powerdome auf der Motorhaube.

Die schlanke, mit feinen Chromstreifen betonte Silhouette lebt vom Schwung des Daches, das fünf Zentimeter flacher sitzt als bei der Limousine und sich sportlich über die rahmenlosen Fenster des Viertürers spannt. Die Kehrseite des Autos ist glatt wie ein Stück Seife nach dem Duschen. Die riesige Heckscheibe läuft fast gerade das Dach hinunter, die Kofferraumklappe schließt ab mit einem integrierten Spoiler. VW verspricht ein Kofferraumvolumen von 525 Litern.

Renovierungsarbeiten auch im Innenraum

Auch das Interieur des Passat CC ist weitgehend neu. Viele Elemente sind zwar im Grunde bekannt, doch die Materialauswahl wirkt etwas vornehmer, der Zierrat ist großzügiger verteilt und das Lenkrad neu geformt. Außerdem gibt es neue Sitze: Vorn sind serienmäßig sechsfach (optional zwölffach) elektrisch verstellbare Sportsitze installiert, die klimatisiert werden können. Und im Fond gibt es ein Sofa mit zwei deutlich ausgeformten Sitzmulden. Ebenfalls überarbeitet wurde das Beleuchtungskonzept: Tagsüber sorgt auf Wunsch ein großes Panorama-Ausstelldach für eine helle Atmosphäre, und nachts taucht eine sogenannte Ambiente-Beleuchtung den Innenraum in unterschiedliches Licht.

Die Ideallinie galt beim Passat CC nicht nur den Designern, sondern auch den Sicherheitstechnikern als Maßstab. So erhält der Wagen neben einer elektronischen Einparkhilfe sowie einem Tempomat mit automatischer Abstandregelung auch den ersten aktiven "Lane Assist" mit auf den Weg. Anders als bei bisherigen Systemen warnt dieser Helfer nicht nur, wenn der Fahrer von der Spur abzukommen droht, sondern greift bei Bedarf erstmals auch ins Lenkrad. Das tut er allerdings dezent und so, dass man ihn jederzeit übersteuern kann, verspricht VW. Angeblich hat das System das Potential, in bestimmten Situationen Unfälle zu vermeiden. Laut Unfallstatistik entstehen rund 14 Prozent aller Alleinunfälle mit Verletzten durch das Abkommen von der Fahrbahn.

Neuer Topmotor mit 300 PS Leistung

Bei der Antriebstechnik sucht VW die Balance zwischen Gleiter und Fighter. Während die Basis-Motoren der anderen Passat-Karosserieformen außen vor bleiben, es also im CC erst mit 140-Diesel- oder 160-Benziner-PS losgeht, setzen die Niedersachsen am oberen Ende noch eins drauf: Das Spitzenmodell tritt mit dem bislang nur in den USA verfügbaren 3,6-Liter Direkteinspritzer an. Der Motor wird 300 PS leisten und über den serienmäßigen Allradantrieb 350 Nm auf die Straße bringen. Geregelt vom DSG-Getriebe spurtet er binnen 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und muss bei 250 km/h begrenzt werden.

Auch das Fahrwerk zeugt vom Spagat für unterschiedliche Ansprüche. Um die unter einen Hut zu bekommen, gibt es für die stärkeren Modellvarianten serienmäßig die "Dynamic Drive Control", die VW bei der Konzerntochter Audi abgeschaut hat. Dank elektronisch verstellbarer Dämpfer und einer Vernetzung mit der Servolenkung lässt sich auf Knopfdruck der Charakter von Federung und Lenkung verändern.

Frischer Passat setzt auf eine bewährte Idee

Der Passat CC sieht zwar frisch aus. Doch neu ist die Idee vom viertürigen Coupé nicht. Im Gegenteil: Bereits auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2003 stellte Mercedes die Studie des späteren CLS (seit Oktober 2004 im Verkauf) vor. Das Modell ist für die Schwaben nicht nur ein Gewinnbringer, weil es bei vergleichbarer Technik mit der E-Klasse pro verkauftem Exemplar rund 6000 Euro mehr Umsatz einspielt. Der CLS ist für alle anderen Limousinen mit optischer Nähe zum Coupé auch ein Vorbild. Die Liste der Nachfolger reicht vom neuen Jaguar XF bis hin zum feudalen Trio aus BMW CS, Porsche Panamera und Aston Martin Rapide. Oder eben bis zum Passat CC.

Ob VW auch in diesem Fall eine reiche Ernte einfährt, obwohl das Fahrzeugkonzept längst von anderen etabliert wurde, wie weiland mit dem Touran oder aktuell mit dem Tiguan? Diesmal scheint der Erfolg nicht so sicher. Schließlich haben die Wolfsburger schon einmal versucht, den Passat aufzuwerten. Damals wurde dem braven Wagen ein Achtzylindermotor eingepflanzt. Doch war der angeblich so revolutionäre W8-Motor im Passat derart erfolglos, dass der Wagen rasch wieder aus dem Programm gestrichen wurde.

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