Weltpremiere VW Passat Krampfhaft nach oben

Volkswagen - eigentlich sagt der Name alles. Doch beim neuen Passat streben die Wolfsburger in eine höhere Liga. Wie andere Premium-Hersteller lässt sich der Konzern technische Neuerungen inzwischen extra bezahlen. Das Auto ist teuer wie nie.

DPA

Von Jürgen Pander


Großer Bahnhof in Potsdam, VW hat an diesem Donnerstag in sein dortiges Design-Center geladen. 500 Gäste sind gekommen, um zu sehen, wie die achte Generation des VW Passat aussehen wird. An diesem Auto hängen Tausende von Arbeitsplätzen, in diesem Auto werden jedes Jahr Millionen von Kilometer abgespult. Dieses Auto kann man also nicht vorstellen wie ein x-beliebiges neues Modell. "Mit diesem Passat beginnt eine neue Ära", verkündete VW-Konzernchef Martin Winterkorn. "Weil er ein Auto mit Premium-Anspruch, aber ohne Premium-Kosten ist."

Die billigste Variante der neuen Mittelklasse-Limousine wird 25.875 Euro kosten, das ist eine Menge Geld für ein Auto, das man praktisch an jeder Ecke sieht und das sich vor allem als Lieblingsmodell von Fuhrpark-Managern auszeichnet. Pro Jahr baut VW rund 1,1 Millionen Passat-Modelle, so viele wie von keiner anderen Baureihe. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 72.000 Exemplare verkauft, und das Kraftfahrt-Bundesamt meldet, dass mehr als 91 Prozent davon auf gewerbliche Halter zugelassen wurden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Privatleute greifen eher selten zum Modell, das jetzt "auf Augenhöhe mit den Premium-Marken" antreten soll.

VW möchte mit dem neuen Modell unbedingt in einer Liga mit Audi, BMW und Mercedes spielen. Dort, im sogenannten Premium-Segment, lassen sich nämlich höhere Preise erzielen; zudem ist es für VW wichtig, sich von den ebenfalls zum Konzern gehörenden Marken Seat und Skoda abzusetzen, die ihrerseits immer anspruchsvollere Autos auf der gleichen technischen Basis bauen.

Als Abgrenzung nach unten und zugleich Eintrittskarte für den erlauchten Premium-Zirkel sollen allerlei neue Assistenzsysteme dienen. Zum Beispiel ein komplett digitales Cockpit, ein ausfahrbares Head-up-Display, eine City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung, ein Assistenzsystem zum Rangieren mit Anhänger und ein Stauassistent, der den Wagen im Stopp-and-Go-Verkehr automatisch mitfahren lässt. Freilich kosten solche Extras auch extra - in dieser Hinsicht hat der VW Passat auf jeden Fall schon Premium-Allüren übernommen.

Der VW Beetle ist schon "premium", der VW Passat noch nicht

Überhaupt ist "premium" vor allem eine Ansichtssache. Das Kraftfahrt-Bundesamt kennt diese Unterscheidung nicht, der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) wiederum definiert das Premium-Segment durch besondere Qualität, besonderen Luxus und wegweisendes Design. Aktuell gehören laut VDA-Einteilung alle Typen von Mercedes, BMW und Mini, Audi und Porsche zur Premium-Liga. Dazu die BMW-Tochter Rolls-Royce und die VW-Konzernmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini. Bei VW wird differenziert: Die große Limousine Phaeton, den Maxi-SUV Touareg, die Limousine CC und der Beetle werden vom VDA als premium klassifiziert. Der VW Passat noch nicht.

Die Wolfsburger sähen es nur zu gerne, wenn sich das mit der achten Generation ändern würde. Technisch wurde der Wagen entsprechend aufgerüstet, das Design ist sicher Geschmackssache, steht aber unter dem Vorbehalt, dass es weltweit millionenfach gefallen muss. Dafür fällt es recht stimmig und selbstbewusst aus. Und bei den Antrieben sollte für jeden Anspruch etwas dabei sein: Insgesamt zehn Turbomotoren mit Benzin- oder Dieselbetrieb und im Leistungsspektrum von 120 bis 280 PS stehen zur Wahl. Außerdem wird es den Passat auch mit Plug-In-Hybridantrieb und einer Systemleistung von 211 PS geben.



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deranaluest 04.07.2014
1. Premium hin oder her
mir sind nicht die Assistenzsysteme wichtig sondern dass ich die Karre ein gutes Preis/Leistungsverhältnis hat und vor allem dass ich auf allen Plätzen bequem sitzen kann. Und da hapert es für mich mit meinen 2m bei fast allen Autos. Ich hab eher das Gefühl dass die Autos immer kleiner werden, weniger Beinfreiheit, weniger Kopffreiheit und wenn Kopffreiheit vorhanden ist sitzt man so tief dass das Aussteigen in meinem Alter auch keinen Spaß mehr macht. Wo bleibt ein Auto bei dem nicht zuerst das Äußere gestaltet wird (davon seh ich während der Fahrt eh nix) sondern erstmal ein hinreichend bequemer Sitzplatz eingebaut wird?
b.toennies 04.07.2014
2. Premium, Premium....
kann das Wort nicht mehr hören.... Die Karren werden immer empfindlicher wenn sie mal aus den 2 Jahren Gewährleistung raus sind... Fahre einen Premium Kombi 550i, Goggeln sie mal nach Kabelbaum Heckklappe oder Ablauf Panoramadach...
mighty_f 04.07.2014
3.
Wieviel Fahrassistenz braucht die Menschheit? Die Sicherheitsassistenz kann ich ja noch verstehen aber Einpark, Rückfahr oder ähnlicher Dreck braucht doch kein Mensch. Hab mir dieses Jahr nen 8 Jahre alten Rentner Passat gekauft (km wie ein Jahreswagen), zu einem Spottpreis und ich schaffe es tatsächlich jeden Tag ganz ohne Assistent in eine viel zu enge Tiefgarage, auf einem viel zu knappen Stellplatz einzuparken.
demokrat_de 04.07.2014
4. Variant?
Hat der auch mal wieder Koffer"raum"? Nicht nur diese kleine Aufbewahrungsanstalt am Ende des Autos....
persor 04.07.2014
5. was soll das?
immer größer, breiter und teurer - die Demographie schrumpft aber wir brauchen immer größere Autos? Riesenkarren für immer größer werdende Egos? Zum Auto: Stinkelangweilig, prollig (die breiten Auspuffrohre machen sich sonst minderwertigkeitsgeplagte hin)..Tolle Weiterentwicklung!!
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