VW-Pläne Sparen und Protzen

Volkswagen würde am liebsten überall mitmischen. Bei billigen, sparsamen Kleinwagen ebenso wie bei großen, schweren und spritgierigen Luxusfahrzeugen. Wie er sich die Modellpalette in Zukunft vorstellt, erklärte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder jetzt in einem Interview.

Von Jürgen Pander


VW- Pläne: Autos für den Kurzstreckenbetrieb?
AP

VW- Pläne: Autos für den Kurzstreckenbetrieb?

"Wir denken darüber nach, Ersatz für konventionelle Stadtfahrzeuge zu schaffen. Ein Ein-Personen-Modell für den Weg zum Bäcker, das kein Motorrad ist", sagte Pischetsrieder in einem Gespräch mit der Fachzeitschrift "auto, motor und sport". Er denke dabei an ein Elektrofahrzeug zu einem Preis von etwa 5000 Euro, das ausschließlich für den Kurzstreckenbetrieb gedacht sei und dabei helfen könne, lokale Emissions-Probleme zu lösen.

Das hört sich ein bisschen so an, als wolle VW das Fahrrad neu erfinden, denn ein idealeres Verkehrsmittel um über kurze Strecken in geschlossenen Ortschaften Brötchen oder Milch zu holen, gibt es nicht. Es sei denn man benutzt seine Füße. Doch Volkswagen denkt natürlich nicht nur ans mobile Kleinvieh, mit dem nur magere Renditen zu erzielen sind.

Wo die Reise in den oberen Segmenten hingehen soll, erläuterte Pischetsrieder ebenfalls. Zum Beispiel gebe es, so der Konzernlenker, zwischen dem teuersten VW Passat für etwa 40.000 Euro und dem billigsten Phaeton für rund 56.000 Euro "ein großes Preisdelta, das wir irgendwann schließen müssen".

Die Wolfsburger, das darf man wohl daraus folgern, drängen weiter mit neuen Modellen in die Oberklasse. Dass Fahrzeuge dieser Kategorie reichlich Kraftstoff verbrauchen und meist völlig übermotorisiert sind, wird sich so schnell nicht ändern. Pischetsrieder: "Unser Motorenregal erlaubt uns, egal welche Leistung die anderen anbieten, noch eins draufzulegen. Und das werden wir auch machen."

Das gilt übrigens auch für die künftigen Kleinwagen von VW. Denn der Vorstandschef hält es für einen "hoch charmanten Gedanken", ein völlig neues Auto zu konzipieren, das auf jeden Fall "viel weniger als fünf Liter" braucht, aber auf jeden Fall so schnell fahren soll "wie ein Porsche Boxster". Hoffentlich fällt den VW-Entwicklern noch rechtzeitig auf, dass so ein Auto eigentlich kein Mensch braucht.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.