VW Polo, Baujahre 1992 und 1996 Die treusten Weggefährten

In Deutschland sind betagte Autos in der Überzahl. SPIEGEL ONLINE testet die guten und schlechten Seiten des Altmetalls. Diesmal berichten zwei Leser aus Stuttgart und Emden von ihrem VW Polo. Der "kleine Golf" neigt zwar zum Rosten, schnurrt aber jahrelang wie eine eins.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren. So alt war der Fahrzeugpark hierzulande noch nie. SPIEGEL ONLINE testet mithilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichten Johannes Büchs aus Stuttgart und Jörg Janssen aus Emden über ihre VW Polo aus den Jahren 1992 und 1996.

Johannes Büchs:
Ich fahre einen VW Polo, 1100 ccm, 33 kw (45 PS), und das nun schon seit über 14 Jahren ohne eine wesentliche Beanstandung. Das Auto habe ich 1992 neu gekauft, nachdem ich einen Unfall mit dem Vorgänger hatte und dringend ein neues brauchte.

Die ersten 5000 Kilometer habe ich den Wagen ganz vorsichtig eingefahren, aber danach hat er jahrelang nur "Feuer" bekommen. Das heißt, ich habe ihn überwiegend auf Autobahnen und wann immer möglich trotz der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h sogar bis 180 km/h (bergab mit Rückenwind) regelrecht "getreten". Ich bin der festen Überzeugung, dass das schonende Einfahren und die überwiegende Nutzung auf Langstrecken ein wesentlicher Grund für die Langlebigkeit des Motors ist. Inzwischen wird mein Polo nur noch wenig gefahren: Waren es zu Beginn noch 30.000 km pro Jahr, sind es heute gerade noch 5000 bis 7000 km. Inzwischen hat er 192.000 km auf dem Buckel, klingt zwar manchmal etwas rau, läuft aber nach wie vor absolut zuverlässig. Noch nicht einmal Öl muss ich nachfüllen.

Die ersten elf Jahre habe ich dem Auto alle Inspektionen in einer Vertragswerkstatt gegönnt, seitdem mache ich nur noch das Nötigste (Reifen, Bremsen, Ölwechsel, Keilriemen). Einmal ist mir die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite runtergerutscht und ließ sich nicht mehr hochkurbeln. Das war, außer einigen Blechreparaturen nach Unfällen, auch schon alles. Doch, eines noch: Einmal hat er es mir verübelt, dass ich den Tank bis auf den letzten Tropfen leer gefahren habe. Selbst das sofortige Nachfüllen aus dem Reservekanister hat ihn nicht bewegen können, wieder anzuspringen; vermutlich war der Kraftstofffilter verdreckt.

Erst vergangenes Wochenende war ich mit meinem Polo, dem ich vor Jahren wegen des ruhigen Motorgeräuschs und seiner Zuverlässigkeit den Kosenamen "Schnurri" gegeben habe, bei einem Fahrsicherheitstraining. Dort waren einige Vollbremsungen bei unterschiedlichen Fahrbahnverhältnissen gefordert. Für die übrigen Teilnehmer des Trainings war es eine echte Bereicherung zu sehen, wie sich ein Fahrzeug ohne ABS verhält – alle anderen hatten ABS, ASR, CD-Wechsler und sonstigen Kram an Bord. Es hat mir schon etwas wehgetan, mein altes Auto so zu strapazieren, aber lieber einmal beherzt bremsen als einen Auffahrunfall zu bauen und sich von einem treuen Weggefährten verabschieden zu müssen.

Billiger kann man nicht fahren

Kürzlich habe ich die Daten meines Polos im "Autorechner" von SPIEGEL ONLINE eingegeben, es kam ein Restwert von gerade mal 350 Euro heraus. Nicht nur deswegen glaube ich, dass es am besten ist, wenn ich ihn fahre, bis er auseinander fällt. Dazu kommt nämlich eine tief empfundene Verbundenheit: Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, dass ein Fahranfänger oder ein Mensch ohne Feingefühl meinen "Schnurri" übel behandelt.

Und billiger kann ich nicht fahren: Der Wagen läuft noch mit Normalbenzin und braucht ca. 7,5 Liter (ich fahre mittlerweile überwiegend im Stadtverkehr). Mein niedrigster Wert auf einer ruhigen Überlandfahrt lag bei 5,5 Litern je 100 km. Investiert wird nur noch das Notwenigste, nicht einmal das Radio habe ich ausgewechselt, nachdem das Kassettenteil ausgefallen war.

Auch wenn ich sicher bin, meinen Polo im kommenden Jahr noch mal durch den TÜV zu bekommen: Ganz heimlich schaue ich mich schon nach einem Nachfolger um. Mitkriegen darf "Schnurri" das allerdings nicht. Ich bin mir sicher, er würde vor Gram den Geist aufgeben.

Jörg Janssen:
Seit 6 Monaten besitze ich meinen Polo, der als Model 6 N bezeichnet wird. Mein "Kleiner" wird im September zehn Jahre alt, und ich möchte ihn noch so lange wie möglich fahren. Gerne wird der Polo ja auch als "kleiner" Golf bezeichnet. Dem kann ich nur zustimmen, der Fahrkomfort ist ähnlich, und auch der Kofferraum ist vom Platzangebot gut. Ich nutze den Polo täglich, um zu meiner 30 km entfernten Arbeitsstelle zu kommen. Bisher macht er das auch zuverlässig und hat mich noch nie im Stich gelassen. Mit meinen nunmehr 40 Jahren ist der "Kleine" mein erstes Auto! Daher hege und pflege ich ihn auch wie ein 18-jähriger Fahranfänger. Nun ja, Spoiler und andere Modifikationen tue ich mir und dem Polo nicht an.

Hätte ich den Polo nicht gehabt, wäre ich weiterhin ein Hartz-4-Fall gewesen. Denn meine Freundin, die ihn vorher besessen hatte, lieh ihn mir und kaufte sich ein neues Auto. Dadurch wurde dank des Polos aus einer Honorartätigkeit auf 400-Euro-Basis nun ein richtiger Arbeitsvertrag. Polo, ich danke dir dafür, du warst mein Jobvermittler!

Erste Anzeichen von Altertümlichkeiten

Die Fahreigenschaften sind positiv: gut abgestimmtes Fahrwerk, schöner Fahrkomfort, der Wagen beschleunigt fix, die Schaltung hakelt nicht. Im Innenraum macht das Plastik einen guten Eindruck, sieht nicht billig aus und fasst sich gut an. Dass der Aschenbecher nicht beleuchtet ist, finde ich als Raucher jedoch etwas hinderlich. Da ascht man bei Abendfahrten schon mal vorbei.

Der Verbrauch ist mit etwa sechs bis sieben Litern in Ordnung, auch wenn modernere Kleinwagen weniger benötigen. Aber dafür ist der Ölverbrauch hervorragend gering, und wenn ich meinen Polo "trete", schafft er 170 km/h.

Allerdings habe ich vor drei Wochen an meinem "Kleinen" erste Anzeichen von Altertümlichkeiten entdeckt: Rost! Der hintere Radkasten ist innen mit Rostblasen gespickt. Der Schock war groß, ich konnte in der Folgenacht schlecht schlafen.

Seitdem beobachte ich mich, wie ich bei anderen Polos nach ähnlichen "Problemstellen" suche. Gerne an der Ampel, wenn ein ähnliches Model neben mir steht und ebenfalls am Radkasten Rost aufweist. Tja, da hatte Volkswagen wohl seinerzeit beim Lack etwas geschlampt. Korrosion scheint bei dem Modell wirklich ein Problem zu sein. Auch die Achsen haben schon etwas Rost angesetzt. In zwei Monaten muss mein "Kleiner" zum TÜV. Was die Damen und Herren dort wohl noch alles finden werden? Schließlich möchte ich meinen Polo noch mindestens fünf Jahre am Leben erhalten.



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1ne2wo3hree, 09.07.2006
1.
Polo Coupe C, Bj. 86, 1.05 l (45 PS), ca. 98.000 km. Kurz und bündig: P.O.S. (piece of shit). Nur Streß, was zum größten Teil wohl an der Pfuscherei der freien Werkstätte gelegen hatte, von der ich diesen Wagen erwarb. War beinahe heilfroh, als nach etwas über einem Jahr der Zahnriemen übersprang und der defekte Motor mir somit einen plausiblen Grund lieferte, um die Hütte schleunigst zu entsorgen.
Reinhard Rösler, 10.07.2006
2. U.e.l.u.l.u.l.u.....
Polo Movie, Bj. 87, 1.3 l (55 PS), ca. 280.000 km. Kurz und bündig: U.E.L.U.L.U.L.U..... (Und er läuft und läuft und läuft und ...). Was wohl auch daran liegt, daß er das erste Dutzend Jahre seines Autolebens als scheckheftgepflegtes (sonstige Pflege: alle 3 bis 6 Monate einfache Waschstraßenwäsche) Garagenfahrzeug verbracht hat. Ach ja: der Zahnriemen ist mir auch mal übergesprungen. Aber wenn man 190.000 km mit demselben fährt, ist man auch selber schuld. Ansonsten kann er (fast) alles, was ich von einem Auto verlange. Und die kleinen Macken, die er sich in den letzten Monaten zugelegt hat, seien dem alten Herrn verziehen. Gruß, Reinhard Rösler
Merkwürden, 11.07.2006
3. Saab 900i Sedan Bj.1989 249.307km
...halten bis zur Ewigkeit, wenn man sie pflegt rosten sie kaum. Laufleistungen bis 500.000km sind keine Seltenheit (es fahren noch welche mit über 15 Mio.). Supersicher, Sitzheizung serienmäßig. Bis jetzt hatte ich folgende Modelle: 84er 900 Turbo, 90er 900i Coupe, meinen jetzigen 900i Sedan und das Beste von allem: einen 900 Turbo Cabrio in schwarz mit Leder. Die Kosten sind erstaunlich niedrig, der Verbrauch kann sich bei 16-Ventilern bei 7,0-7,5l einpendeln und in der ewigen Bestenliste der haltbarsten Autositze rangiert er immer noch ganz vorne. Mein Fazit: Das beste Auto, daß je gebaut wurde. Leider gibt es ihn nicht mehr. Wenn ich Milliardär wäre, würde ich die Firma Saab kaufen, die GM-Leute rausschmeissen und dieses Auto neu auflegen. Ich denke nicht, daß ich an irgendwelchen Normen scheitern würde - der Flottenverbrauch von BMW liegt heute noch höher. Soviel zum Thema technischer Fortschritt.
noinfo.de, 11.07.2006
4. 1987er Saab900i
Hintuckern? Mitnichten! Mein alter Schwede mit seinen 115 PS und 2 Litern Hubraum war eher auf der linken als auf der mittleren oder gar rechten Spur zu Hause (natürlich halte ich mich ans Rechtsfahrgebot, nur waren die meisten anderen zu langsam ;-) ). Ich hab es geliebt mit meiner alten Kisten mit 200 Sachen an den älteren Herren unter den Mercedes- und BMW-Fahrern auf der Mittelspur vorbeizuziehen. Das gab immer Blicke, herrlich! Auf jedenfall ein großartiges Auto und ich habe ihn sehr gerne gefahren. Auch der Saab 99GL von 1984 den ich davor hatte war einsame Spitze - aber der wurde mir leider kaputtgefahren. Erst einem Geisterfahrer ausweichen und dann ist mir jemand 3 Wochen nach der Reperatur bei Blitzeis reingerauscht. Schade, aber auch der war ein wunderbares Stück Schwedenstahl und eine Freude zu fahren.
Mertrager 11.07.2006
5. Ein zäher Elch
Merkwürden] hat fast recht (...halten bis zur Ewigkeit); Nach fünfzehn Jahren mußte ich das erste Mal eine ernsthafte, rostbedingte Reparatur am Blech vornehmen. "Die Kosten sind erstaunlich niedrig": Stimmt. "der Verbrauch kann sich bei 16-Ventilern bei 7,0-7,5l einpendeln": Mein 2,1 16V braucht ca. 9l/100km. "Und in der ewigen Bestenliste der haltbarsten Autositze rangiert er immer noch ganz vorne.": Also man kann auch diese Sitze an den Kanten durchsitzen. Sie sind allerdings auch noch sehr bequem auch auf langen Strecken. Es ist ein Gerücht, daß das Autos nur so zum "cruisen" seien. Man kann damit auch ganz schön schnell fahren. Es ist nicht unangenehm, auf der Autobahn das Limit des Motors auszufahren. Meiner zeigt dann 190 auf dem Tacho (real 170?). Nur auf Strecken mit engen Kurven, sind moderne Fahrzeuge beim schnellen Fahren doch angenehmer. Der Autor im Spiegelbericht erzählt von lauter kleinen Defekten (Schiebdach und so). Ich kenne das bei mir nur von einem Bauteil: Alle 80.000 km ist die Kopfdichtung fällig. Sonst nur Bremsbeläge, Kupplung, Reifen. Sonst geht nix Auffälliges kaputt. Z.Zt. km-Stand: 177.777 Es ist ein Auto für Leute, die nicht jedem neuen Trend hinterher hetzen, sondern beständige Zuverlässigkeit gepaart mit einem Schuß Individualität suchen.
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