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16. Juni 2017, 17:00 Uhr

VW-Weltpremiere

Polo ist der neue Golf

Aus Berlin berichtet

Größer und ein bisschen böser: Der neue Polo hat sich im Vergleich zum Vorgänger wirklich verändert - und ist jetzt genau das Auto, das der VW Golf früher war.

Auf der Einladung stand "Weltpremiere VW Polo" und bei der Veranstaltung am Freitagvormittag in Berlin wurde auch tatsächlich die sechste Generation des Kleinwagens vorgestellt. Doch ein anderes Auto war, obwohl nicht sichtbar, allgegenwärtig: der VW Golf.

"Der neue Polo bietet die gleichen Technologien wie der Golf", sagte VW-Markenvorstand Herbert Diess. "Die elektronischen Assistenzsysteme des neuen Polo sind aus dem Golf bekannt", erklärte VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch. Und in den Presseunterlagen gab es eine Tabelle, mit der millimetergenau nachgewiesen wurde, dass der neue Polo dem Golf IV (1997 bis 2003) in Sachen Geräumigkeit deutlich überlegen ist.

Der Polo, erstmals 1975 vorgestellt und seitdem mehr als 14 Millionen Mal verkauft, stand immer im Schatten seines großen Bruders, dem deutschlandweit meistverkauften Auto. Doch das könnte sich mit dem neuen Modell endgültig ändern, denn der Wagen bietet jetzt Golf-Technik im klassischen Golf-Format.

Ab September wird der Wagen bei den deutschen Händlern stehen, künftig ausschließlich als Fünftürer (die dreitürige Version verkaufte sich zuletzt kaum noch) und zu einem Grundpreis von 12.975 Euro. Im Vergleich zum Vorgänger ist er damit kaum teurer geworden - aber die ehemaligen Golf-Preise hatte der Polo schon seit Längerem erreicht.

VW bezeichnet den Polo euphorisch als "Raumwunder". Geräumig ist er für einen Kleinwagen tatsächlich, aber ein großes Wunder ist das nicht: Denn der Wagen ist um acht Zentimeter in der Länge (jetzt 4,05 Meter), um sieben Zentimeter in der Breite und um gut neun Zentimeter beim Radstand gewachsen. Damit haben die Insassen mehr Platz und das Kofferraumvolumen ist im Vergleich zum Vorgängermodell um 25 Prozent auf nun 351 Liter gestiegen.

Wie andere neue Kleinwagen auch - etwa Nissan Micra, Ford Fiesta oder Peugeot 208 - hat der Polo seine Putzigkeit verloren: Vor allem an den Seiten fallen zwei Blechfalze auf, die den Wagen optisch strecken und die sogenannte Schulterpartie der Karosserie betonen. Wirklich frisch wirkt der neue Polo jedoch erst, wenn man drinnen sitzt. Denn das Interieur wurde tatsächlich komplett neu gestaltet, was natürlich mit der Digitalisierung des Autos zu tun hat.

Klar, die billigeren Versionen fahren nach wie vor mit analogen Rundinstrumenten und Radio in der Mittelkonsole vor. Aber erstmals wird für den Polo die neueste Ausbaustufe des digitalen VW-Cockpits namens Active Info Display angeboten, das vielfältig konfigurierbar ist. Über einen Splitscreen lassen sich beispielsweise Tacho, Navigationsanzeige oder Playlisten in einer gestochen scharfen Grafik darstellen. Auf der Armaturentafel ist außerdem ein Touchscreen platziert, über den sämtliche Infotainment-Funktionen gesteuert werden. Das sieht gleichermaßen modern und aufgeräumt aus.

Auch bei den elektronischen Fahrassistenzsystemen bietet der neue Polo ein in der Kleinwagenklasse beachtliches Spektrum. Serienmäßig ist künftig das System "Front Assist" an Bord, eine automatische Notbremsfunktion inklusive Fußgängererkennung. Als Extras sind ein Spurwechselassistent, ein Tempomat mit automatischem Abstandhalter sowie ein Ausparkassistent mit Umfeldbeobachtung und Bremsfunktion erhältlich.

Erstmals mit Erdgas

So modern und zukunftsgewandt die elektronischen Bedien- und Assistenzsysteme des neuen Polo sind, so uninspiriert ist der wahre Kern des Autos - bei den Antrieben handelt es sich ausnahmslos um Verbrennungsmotoren. Serienmäßig sollen alle Aggregate die Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Im Einzelnen werden sechs Benziner mit Leistungen ab 65 PS und zwei Dieselvarianten mit 80 und 95 PS angeboten. Die Selbstzünder erhalten erstmals einen SCR-Katalysator mit Harnstofflösung.

Erstmals wird auch ein Erdgas-Motor verfügbar sein: Im Polo 1.0 TGI, mit 90 PS Leistung und Fünfgang-Schaltgetriebe. Wirklich innovativ ist das nicht, doch VW muss nun mal das in Folge der Abgasbetrügereien abklingende Diesel-Interesse der Kunden mit Blick auf künftige CO2-Grenzwerte kompensieren. Denn Erdgasmotoren stoßen zwar mehr CO2 aus als Selbstzünder, aber immerhin weniger als Benziner. Andere VW-Modelle wie etwa der Touran oder der Caddy werden schon seit Längerem serienmäßig mit CNG-Antrieb angeboten - mit eher mäßigem Erfolg.

Auf die Frage, warum denn der neue Polo nicht den Elektroantrieb aus dem VW E-Up oder E-Golf erhalte, stimmt Entwicklungsvorstand Welsch die wohlbekannte Argumentation an. Sie geht so: Natürlich wäre man in der Lage, dem Polo einen Elektroantrieb einzubauen. Doch für Elektroautos werde eine eigene Plattform im Konzern entwickelt, und so lange möge man sich bitte gedulden. Gut möglich, dass einige Kunden allerdings auf die Idee kommen, in dieser Zeit ein E-Auto von einem anderen Hersteller zu erwerben.

Ein neuer GTI - mit 200 PS

Immerhin ist VW im Bekenntnis zum Verbrennungsmotor konsequent. Als Top-Modell der Baureihe wird auch eine neue GTI-Version geben - mit 200 PS. Bei der Premiere in Berlin stand sie noch auf einer Nebenbühne. Dem Vollgasknirps soll demnächst eine eigene Show gewidmet werden.

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