Premiere VW Polo Der Kleine spielt Golf

Im März kommt der überarbeitete VW Polo in den Handel, und klein ist an dem Wagen nur noch das Format. Neue Assistenzsysteme und viele Ausstattungsextras überbrücken die Kluft zur Kompaktklasse - dort ist man allerdings auch schnell beim Preis.

Volkswagen

Ein zweistufiges Gebläse kostete 72 Mark extra, ein zweiter Außenspiegel wurde mit 24 Mark Aufpreis berechnet. Als VW vor knapp 39 Jahren den damals komplett neuen Polo präsentierte, galten solche Details noch als Luxus. Wenn die Niedersachsen auf dem Autosalon in Genf Anfang März die überarbeitete fünfte Generation der Baureihe präsentieren, sieht das ein bisschen anders aus.

Die Preisliste für den neuen Polo hat nicht mehr vier Seiten wie damals, sondern mehr als 20 Seiten. Und sie umfasst Positionen, an die 1975 noch kein Mensch im Traum dachte. LED-Scheinwerfer, verstellbare Stoßdämpfer oder einen Tempomat samt Abstandsregelung sowie eine automatische Notbremsfunktion für den Stadtverkehr gehören zu den aufpreispflichtigen Extras. Eine elektrische Servolenkung, ein Müdigkeitswarner und eine Multikollisionsbremse hingegen sind bereits serienmäßig an Bord. Der zweite Außenspiegel und ein mittlerweile vierstufiges Gebläse natürlich ebenfalls.

Ebenfalls erhalten alle neuen Polo-Typen künftig ein Infotainment-System, das die wichtigsten Apps des Smartphones auf dem Bildschirm holt und so das Auto in die persönliche Vernetzung mit einbezieht. "Demokratisierung der Technik", sagt VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer dazu und spricht von "Oberklasse-Extras in der Welt der Subkompakten".

Auch VW setzt nun auf Dreizylinder-Motoren

Nicht nur bei der Ausstattung legt VW nach, sondern vor allem auch beim Antrieb: Alle Motoren seien neu oder so gründlich überarbeitet, dass sie nun die Euro-6-Norm erfüllen und bis zu einem Fünftel weniger verbrauchen, sagt Neußer. Besonders stolz ist er auf den nagelneuen Dreizylinder-Diesel, dessen Hubraum gegen den Trend nicht kleiner, sondern größer wurde. Bislang trat der kleinste Selbstzünder mit 1,2 Liter Brennraumvolumen an, nun sind es 1,4 Liter. Allerdings ersetzt der neue Dieselmotor die bisherigen Aggregate mit 1,2 und 1,6 Liter.

Die neue Maschine wird mit einer Leistung von 75, 90 und 105 PS angeboten; für Laufruhe sollen eine Ausgleichswelle, ein Zweimassen-Schwungrad und besondere Motorlager sorgen. Dazu kommt, dass der neue Motorblock aus Aluminium nur noch 17 Kilogramm wiegt - 11 Kilo weniger als bislang. Und: Im Polo Blue Motion verbraucht das Aggregat im Schnitt 3,2 Liter, das sind 0,2 Liter weniger als bislang.

Auch das Benziner-Angebot für den Polo wurde runderneuert. Als Basismotor gibt es ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Triebwerk mit 60, 75 und erstmals auch mit Turboaufladung und 90 PS. In dieser Version braucht er im Gegensatz zum alten Vierzylinder mit identischer Leistung 4,1 statt 4,9 Liter. Daneben bietet VW auch einen 1,2-Liter-Vierzylinder mit 110 PS und später im Jahr den auf 150 PS aufgebohrten 1,4 Liter mit Zylinderabschaltung sowie den Polo GTI an, der nun auf 192 statt 180 PS kommt.

Außer den LED-Scheinwerfern wurde die Optik kaum verändert

Der Komplett-Renovierung im Motorraum stehen lediglich kosmetische Veränderungen an der Karosserie gegenüber. Leicht veränderte Scheinwerfer und Rückleuchten, neue Stoßfänger mit größeren Lufteinlässen und im Innenraum frische Farben und Stoffe - mehr haben die Designer nicht angefasst. Aus gutem Grund, erklärt Neußer: Während bei der Vorgängergeneration des Polo lediglich 19 Prozent der Kunden das Design als Kaufgrund nannten, sind es beim aktuellen Modell immerhin rund 30 Prozent. Das spreche dafür, dass die Form gut ankomme. Neußer: "Deshalb haben wir das Design nur evolutionär weiterentwickelt."

Oberflächlich betrachtet gibt es die Neuerungen für den Polo zum Nulltarif. Denn das Basismodell kostet als Dreitürer unverändert 12.450 Euro, als Fünftürer 13.250 Euro. Wer jedoch all die schönen neuen Extras und einen Motor mit ein paar PS mehr bestellt, kommt schnell auf mehr als das Doppelte. Dann liegt der Polo preislich schon auf Kompaktklasse-Niveau - er wird sozusagen vollends zum Golf-Spieler.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
schredder66 28.01.2014
1. Hurra...
...es ist ein Auto! Selbst im "Klein"wagen-Segment bietet VW nichts anderes als in den anderen Modellreihen: Langeweile! Optisch und technisch. Dass der Verkaufserfolg garantiert ist, mag Fanboys freuen. Autofreunde mit weniger Hemmungen und ernstzunehmender Über-den-Tellerrand-guck-Qualität, werden auch ausserhalb des Niedersachsenkonzerns und deren Anverwandten fündig. Gott sei Dank.
spessartleiche 28.01.2014
2. Wieder ein tolles Auto…..
für jemanden, der keinen Geschmack hat.
Nebhrid 28.01.2014
3. "Demokratisierung der Technik", sagt VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer
Irgendwie beunruhigend so ein Geschwafel. Naja was soll aus der Branche auch geistreiches kommen, wenn die Demokratie im Parlament schon drittrangig ist, können wir ja wenigstens im Autohaus abstimmen.
erna-schakira_schabulski 28.01.2014
4.
Zitat von sysopIngo BarenscheeIm März kommt der überarbeitete VW Polo in den Handel, und klein ist an dem Wagen nur noch das Format. Neue Assistenzsysteme und viele Ausstattungsextras überbrücken die Kluft zur Kompaktklasse - dort ist man allerdings auch schnell beim Preis. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/vw-polo-weltpremiere-des-ueberarbeiteten-kleinwagens-von-volkswagen-a-946006.html
[QUOTE=sysop;14763865]Im März kommt der überarbeitete VW Polo in den Handel, und klein ist an dem Wagen nur noch das Format. Neue Assistenzsysteme und viele Ausstattungsextras überbrücken die Kluft zur Kompaktklasse - dort ist man allerdings auch schnell beim Preis...[/QUOTE} Dazu kommt, dass der neue Motorblock aus Aluminium nur noch 17 Kilogramm wiegt - 11 Kilo weniger als bislang. DAS ist der Hammer, düpiert jegliche Konkurrenz. 17 kg für einen Motorblock - den kann man ja oben am Griff packen und über Nacht in den Flur stellen. Da wiegt ja die LiMa einiger Wettbewerber fast schon mehr.... Ein guter Ansatz VW, weiter so....
rathat 28.01.2014
5. Skalierung
Jetzt wurde die Skalierungssoftware von Audi auch von VW übernommen. Waren die VWs so schon langweilig, sehen sie jetzt auch noch alle gleich aus. Ein Aluminium Motorblock wird dem Kunden auch noch als Innovation verkauft. Es ist einfach nicht mehr zu fassen, wie dieser Konzern die Leute vera****en kann. Meiner Meinung nach kann sich einen VW sowieso nur noch kaufen, wer zu viel Geld - am besten noch mit 1,4 TSI und DSG, den könnt ihr ab 50000km gleich in der Werkstatt eures Vertrauens dauerparken.
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