VW-Prototypen-Ausstellung Raus der Traum!

Kaum ein Hersteller steht so für angepasstes Design wie Volkswagen. Dabei gab es sie, die visionären Autoträume aus Wolfsburg. Jahrzehntelang wurden sie versteckt - jetzt werden sie erstmals ausgestellt.

Stiftung Auto Museum Volkswagen

Innovation und Volkswagen - diese Begriffe passten jahrzehntelang überhaupt nicht zusammen. Der Wolfsburger Autobauer war vielmehr ein Synonym für Beständigkeit; der in den Dreißigerjahren als KdF-Wagen entwickelte VW Käfer rollte und rollte und rollte von den Bändern, in Deutschland bis 1978, in Mexiko gar bis 2003.

Ebenso wahr aber ist: Bereits seit den Fünfzigerjahren wurden in Wolfsburg selbst oder aber im Auftrag von VW etliche Studien und Prototypen gebaut, die durchaus kreativ und innovativ waren - nur schaffte es praktisch keines dieser Autos in die Serienproduktion.

Sie verschwanden im sogenannten Sektor 12, einer rund 600 Quadratmeter großen Lagerhalle auf dem Werksgelände in Wolfsburg, wo mehr als 50 sehr spezielle VW-Typen aufbewahrt werden. Zum Teil seit Jahrzehnten, unter Verschluss.

Das gilt bis in die jüngste Zeit. Aktuell zeigt das Auto-Museum Volkswagen eine Ausstellung, in der 16 dieser Prototypen versammelt sind, die zu ihrer Zeit zu den schönsten Hoffnungen Anlass gaben.

Erstmals zu sehen: Ein Luxus-VW aus den Sechzigern

Volkswagen präsentiert die Unikate, als Nachweis der seit jeher blühenden Ingenieurskunst im Unternehmen - die nur leider aufgrund der Dauerbrenner Käfer und später Golf immer wieder unterdrückt und versteckt wurde. So entstand beispielsweise im Jahr 1967 ein Auto in der VW-Entwicklungsabteilung, das einen wassergekühlten Vierzylinder-Reihenmotor unter der Fronthaube hatte.

Der Wagen nahm bereits sieben Jahre vor dem Debüt des VW Golf all jene technischen Spezifika vorweg, die den Golf radikal vom bis dahin sakrosankten Käfer abgrenzten. Doch EA 234 (das EA steht für "Entwicklungs-Auftrag") blieb "ein One-shot", wie VW-Klassik-Sprecher Eberhard Kittler es heute ausdrückt.

Der Wagen wurde erst einmal zuvor gezeigt, vor einigen Jahren bei einer Sonderausstellung zur Genese des VW Golf. Andere Exponate wie der EA 128, ein erster Versuch von VW, ein Oberklasse-Auto auf die Räder zu stellen und damit quasi ein früher Vorläufer des späteren Modells Phaeton, waren noch nie öffentlich zu sehen. Und die knallgelbe Sportwagen-Studie "Eco-Racer", die auf der Tokio Autoshow von 2005 für Furore sorgte, wird nun, nach zehn Jahren, erstmals wieder gezeigt.

Es sei vor allem der geringe Bekanntheitsgrad bei zugleich extrem großer technischer oder konzeptioneller Relevanz der Autos für Volkswagen, die die Auswahl der Exponate bestimmt habe, sagt ein Sprecher des Automuseums. Die Sonderschau ist noch bis 12. Juli in Wolfsburg zu sehen - und deren Höhepunkte gibt es auch hier in der Bildergalerie.

Im Video: SPIEGEL TV Dokumentation "VW Käfer: Wie er wurde was er ist"

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insgesamt 99 Beiträge
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silberstern 11.06.2015
1. Visionär?
Die Entwürfe sehen allesamt genauso bieder aus wie die zeitgenössische Palette von VW. Die einzige Ausnahme hiervon - der Eco Racer - ist eine freche Kopie von Daihatsu Copen und Nissan Micra C+C.
felisconcolor 11.06.2015
2. Ich glaube
Zitat von silbersternDie Entwürfe sehen allesamt genauso bieder aus wie die zeitgenössische Palette von VW. Die einzige Ausnahme hiervon - der Eco Racer - ist eine freche Kopie von Daihatsu Copen und Nissan Micra C+C.
der Eco racer war vorher schon eine Studie. Aber ansonsten gebe ich ihnen Recht. VW war noch nie ein Vorreiter stylistischer Highlights. (und wird trotzdem von den meisten Deutschen als Designikone gefeiert, das sagt doch alles aus (nicht unbedingt über VW))
robertusk 11.06.2015
3. Ist dein Auto....
....öd und fad, steht am Heck VW Passat. Soll ja auch zu den Massen passen, der Volkswagen. An den diversen Prototypen sieht man, dass innovatives Design nicht unbedingt ganz oben im Lastenheft stand bzw. steht. Sicherlich zuverlässige Autos, aber doch ganz grauenhaft leblos gezeichnet. Und das zieht sich durch die gesamte Modellpalette. Aber sicherlich natürlich wie immer Geschmackssache.
MatthiasPetersbach 11.06.2015
4.
Zitat von robertusk....öd und fad, steht am Heck VW Passat. Soll ja auch zu den Massen passen, der Volkswagen. An den diversen Prototypen sieht man, dass innovatives Design nicht unbedingt ganz oben im Lastenheft stand bzw. steht. Sicherlich zuverlässige Autos, aber doch ganz grauenhaft leblos gezeichnet. Und das zieht sich durch die gesamte Modellpalette. Aber sicherlich natürlich wie immer Geschmackssache.
Naja, wenn man Design (auch) als Lösung der Aufgabe ansieht, designt VW garnichtmal so schlecht. Und Firmen mit Autos mit zig Beulen, Kniffen, ohne Fenster und Überblick und Fake-X-Wing-Lufteinlässe eher nicht. Ein Audi oder BMW sind ähnlich "langweilig" - Mercedes hat sich dem Prolostyle verschrieben und über viele andere braucht man garnichtmal zu reden - das ist Müll. Und nur weil bei VW nicht pro 1 m2 Autofläche 20 "Designsensationen" stattfinden, ist das nicht "langweilig". Da ist langweilig für die, die keine Ahnung von Gestaltung und keinen Geschmack haben.
gwyar 11.06.2015
5. Am eco-Racer ist die Konzernpolitik bestens zu erkennen
Hätte VW dem eco-Racer von 2005 in die Serie befördert, zu VW-Preisen - was nicht unbedingt "billig" bedeutet - hätte der AUDI-TT wohl ein Problem.... Das geht ja mal gar nicht. Oder wie war das mit dem Porsche 924 nochmal?
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