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VW Bulli T2: Fabrikneuer Oldie

Foto: Jörg Hunner

Neuwagen-Oldie VW T2 Der letzte Bulli

Der VW Bulli T2 ist ein Anachronismus auf Rädern - und Kult. Ein bayerisches Autohaus hat 25 fabrikneue Exemplare aus den letzten Produktionswochen in Brasilien ergattert. Die werden jetzt verkauft.

Fabrikneuer Oldtimer klingt paradox, doch in diesem Fall trifft es zu. Der VW Bulli vom Typ T2 ist technisch ähnlich schlicht wie ein Kartoffelschäler, optisch ein Gruß aus der Hippie-Ära und grundsätzlich ein Kultauto mit großer Fangemeinde. Die allerletzten Neuwagen dieses Typs liefen Ende 2013 im brasilianischen VW-Werk Anchieta in São Bernardo do Campo vom Band. Jetzt stehen 25 dieser fabrikneuen Oldies in Bayern. Es sind die einzigen in Deutschland, das Autohaus Sedlmair in Mering bei Augsburg, eigentlich ein Toyota- und Dacia-Händler, hat sie ergattert.

"Für die 1200 Exemplare der 'Last Edition' gab es in weniger als einer Stunde rund 35.000 Anfragen", sagt Christian Loidl, Einkäufer der Firma und offenbar ein Glückspilz, denn er konnte sich gleich 25 Exemplare sichern. "Vorangegangen sind Dutzende E-Mails, Anrufe, Absagen, Vertröstungen mit etlichen großen VW-Händlern bis hin zur VW-Chefetage in Brasilien", berichtet Loidl. "Der endgültige Vertragsabschluss gelang dann, gegen Vorkasse, über eine Reederei." Mehr Details möchte Loidl nicht nennen, "Berufsgeheimnis" sagt er, Vitamin B könnte man es vermutlich auch nennen.

In den vergangenen Tagen jedenfalls sind die Bullis in Bayern eingetroffen - auf dem Firmengelände in der Alpspitzstraße sieht es seither mehr nach Oldie-Treffen als nach Autohändler aus. Doch dieser Eindruck wird sich vermutlich rasch wieder ändern. Loidl: "Zwei T2-Exemplare haben wir direkt verkauft, und ständig rufen Bulli-Interessenten an."

Horrender Preis, liebliche Ausstattung

Nicht wenigen dürfte schwindlig werden, wenn sie den Preis hören: 47.500 Euro kostet ein taufrischer T2 in eleganter Zweifarblackierung. Im Heck rumort ein 1,4-Liter-Vierzylinder, der Benzin oder Ethanol verträgt, 78 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 123 Nm bereitstellt. Dazu gibt es ein Viergang-Getriebe, 14-Zoll-Felgen mit Weißwandreifen und eine hübsche Ausstattung, unter anderem mit zweifarbigen Sitzen, Gardinen an den hinteren Fenstern, einem CD-Radio und einer "Last Edition"-Plakette mit der laufenden Nummer des Fahrzeugs.

Einfach einsteigen und losfahren funktioniert allerdings nicht. Denn als Neuwagen ist der T2 in Deutschland nicht mehr zulassungsfähig. Dem Auto fehlen beispielsweise Dreipunktgurte an den hinteren Sitzen sowie ABS (beides ist Pflicht seit 2004), zudem erfüllt der Motor noch nicht einmal die Abgasnorm Euro 5. Um den Wagen zulassen zu können, wären also umfangreiche Umbauten nötig.

Oder ein Umweg über Großbritannien. Auf der EU-skeptischen Insel nämlich sind die Richtlinien lockerer und der T2 aus Brasilien erhält dort ein Neuzulassung. Würde man das Auto dann reimportieren, würde es als Gebrauchtwagen gelten und könnte so auch in Deutschland zugelassen werden. Aufwendig und kompliziert würde es also auf jeden Fall, wollte man einen der T2-Bullis als ganz normales Auto in Deutschland nutzen. "Allerdings ist eine Zulassung nicht der Sinn und Zweck, denn das sind Sammlerfahrzeuge, die lediglich mal für eine Ausfahrt oder zur Teilnahme an einem VW-Treffen genutzt werden", sagt Einkäufer Loidl. Und dafür könne man sich ein Kurzzeitkennzeichen oder eine rote Nummer organisieren.

"Jesus ruft mich" - ohne Airbag und ABS

In Deutschland baute Volkswagen den T2 von 1967 bis 1979; anfangs kostete ein neues Modell 8590 Mark, gut erhaltene Exemplare werden heute für bis zu 20.000 Euro gehandelt. In Brasilien wiederum wurde das Auto zwischen 1975 und Dezember 2013 gefertigt und gehörte stets zu den Top Ten der Zulassungsstatistik. Offiziell heißt der T2 in Südamerika VW Kombi, inoffiziell wird der Wagen "Jesus me chama" genannt, auf Deutsch: "Jesus ruft mich" - eine Anspielung auf die rudimentäre Sicherheitsausstattung des Autos.

Die bedeutete auch das endgültige Aus für den Wagen, denn ab 2014 müssen alle Neufahrzeuge in Brasilien mit ABS und Airbag ausgerüstet sein. Letzterer jedoch lässt sich in den T2 wegen dessen Frontstruktur nicht integrieren. Es war sozusagen das Todesurteil im Namen der Verkehrssicherheit.