Abgasaffäre VW wirft seine Rückrufstrategie über den Haufen

Seit Wochen stockt die Rückrufaktion von VW im Zuge des Abgasskandals: Die Behörden befürchten unerwünschte Nebenwirkungen des Motor-Updates beim Passat. Um Zeit zu gewinnen, will der Hersteller jetzt andere Modelle vorziehen.
VW-Logo an der Radfelge eines Passat

VW-Logo an der Radfelge eines Passat

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS

Anstelle des seit Wochen überfälligen VW Passat könnte der Diesel-Rückruf von Volkswagen bald mit anderen manipulierten Modellen weitergehen, darunter der Golf. "Volkswagen wird die Lösung für den Passat mit Hochdruck weiter verfolgen und gleichzeitig versuchen, ein anderes Cluster vorzuziehen", heißt es in einer Mitteilung des Konzerns an die Vertragswerkstätten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Der Passat sollte eigentlich als Teil der zweiten Rückrufwelle bereits Anfang März anlaufen. Doch das für die Genehmigung verantwortliche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verweigert seit Wochen die Freigabe. Offiziell begründen wollten dies weder VW noch das KBA. Offenbar gab es jedoch wiederholt Probleme mit Verbrauchswerten. So soll unter anderem der Kraftstoffverbrauch nach dem Aufspielen der neuen Motorsoftware leicht gestiegen sein. Darüber hinaus soll das Amt von Volkswagen neben den obligatorischen Prüfstandkontrollen auch Straßentests verlangt haben.

Mitte Februar hatte eine Messung der Fachzeitschrift "Auto Motor und Sport" das KBA auf den Plan gerufen. Das Blatt hatte berichtet, dass bei ersten Tests mit zwei Amarok, die von VW upgedatet wurden, zwar die Motorleistung gleich geblieben, der Verbrauch aber gestiegen sei. Das Pick-up-Modell Amarok war das erste Fahrzeug, das von VW nachgebessert wurde. Wie auch der Passat verfügt es über einen 2,0-Liter-Diesel-Motor.

"Über das Vorziehen ist noch nichts final entschieden", sagte ein Konzernsprecher von VW. Aber im Sinne der betroffenen Kunden und auch um eine bestmögliche Auslastung der Werkstätten zu erreichen, gebe es in der Tat entsprechende Überlegungen. "Es geht dabei ebenfalls um betroffene Fahrzeuge mit 2,0 Liter-Dieselmotoren."

Ob dies nur für die im nächsten Cluster befindlichen Modelle des Golf gelte, oder auch für Fahrzeuge der Töchter Skoda, Seat oder Audi, sei noch nicht beschlossen. "Alle Überlegungen zum etwaigen Vorziehen anderer Modelle erfolgen selbstverständlich in enger Absprache mit dem Kraftfahrt-Bundesamt."

Freigabe für Modelle von Audi und Seat

Um in den Werkstätten die notwendigen Kapazitäten für den Rückruf der Passat zu haben, konkret geht es um rund 160.000 Fahrzeuge, stehen die Vertragshändler seit Wochen in Wartestellung. Einige Werkstätten haben zudem zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Wie Passat-Fahrer müssen sich auch Halter des Skoda Superb weiter gedulden. Von dem Modell sollten zunächst 19.000 Autos mit einer legalen Software ausgerüstet werden.

Am Donnerstag hatte das KBA zumindest für einige andere betroffene Modelle aus der zweiten Rückrufwelle grünes Licht gegeben: Die Freigabe gilt für Varianten der vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie des Seat Exeo. Alle Fahrzeuge sind mit der von VW entwickelten 2,0-Liter-Variante des Skandal-Motors EA 189 ausgestattet.

Um den organisatorischen Aufwand zu bündeln, hatte VW die Rückrufe nicht nach Fahrzeugmodellen, sondern nach Motoren geordnet. In einem Kundenbrief nannte der Konzern Mitte Februar für die Wagen mit 1,2 Litern Hubraum einen Beginn ab dem 30. Mai (Kalenderwoche 22). Die mittelgroßen Motoren mit 1,6 Litern Hubraum sind ab dem 5. September (Kalenderwoche 36) an der Reihe - bei ihnen muss nicht nur eine Software überspielt, sondern auch ein neues Bauteil eingebaut werden.

Ein persönliches Protokoll des VW-Rückrufs
cst/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.