Wankel-Mazda Neu im Rotary-Club

Als einziger Autohersteller der Welt kümmert sich Mazda um Wankelmotoren. Der Sportwagen RX-8, der ab 2003 gebaut wird, soll von einem völlig neu entwickelten Kreiskolben-Aggregat angetrieben werden. Eine späte Hommage an die Erfindung Felix Wankels.


Mit dem RX-8 rettet Mazda den Wankelmotor ins neue Jahrtausend

Mit dem RX-8 rettet Mazda den Wankelmotor ins neue Jahrtausend

Das Motorenkonzept gilt unter den meisten Experten als nicht zukunftsfähig. Und doch geht von dem Prinzip dieser Maschine eine eigenartige Faszination aus. Felix Wankel (1902 bis 1988) arbeitete seit 1926 in einer Hinterhofwerkstatt in Lahr an der Entwicklung eines Drehkolbenmotors; das Patent auf dieses Prinzip erhielt er 1933.

Ganz grob gesagt zeichnet sich ein Wankelmotor dadurch aus, dass es keine Auf-und-Ab-Bewegungen der Kolben in der Maschine gibt, sondern eine Drehbewegung des Kolbens, die durch Explosionen des Benzin-Luft-Gemisches in Schwung gehalten wird. Heute hält der japanische Hersteller Mazda die Lizenzen für Kreiskolbenmotoren und ist der einzige Hersteller der Welt, der noch Wankelmotoren zum Antrieb von Autos nutzt.

Der in Genf erstmals als Studie präsentierte Sportwagen RX-8, ein gefällig gestyltes Coupé, fällt durch kleine Extratüren auf jeder Fahrzeugseite auf, die hinten angeschlagen sind. Noch auffälliger ist allerdings der Antrieb. Es handelt sich um einen Kreiskolbenmotor unter dem Codenamen RENSIS. Der Saugmotor leistet bis zu 280 PS (207 kW) und soll die Abgasnorm Euro-4 erfüllen.

Sanfter Dreh statt auf und ab ist das Prinzip des Wankelmotors

Sanfter Dreh statt auf und ab ist das Prinzip des Wankelmotors

Wankelmotoren wie der RENSIS zeichnen sich durch ihre im Vergleich zu Hubkolbenmotoren geringe Baugröße und ihr geringes Gewicht aus; außerdem gelten sie als besonders laufruhig. Der Nachteil dieses Motorenprinzips ist der vergleichsweise hohe Benzinverbrauch. Doch Mazda verspricht, dass der RX-8 mit dem neuen Motor nicht mehr Sprit schlucken wird als ein Sportcoupé mit herkömmlichen Antrieb. Mazda erwarb bereits 1961 ein Wankel-Lizenzpaket von NSU. Bislang blieben Autos mit Kreiskolbenmotor die große Ausnahme, Citroen und Lada boten diese Technik vor rund 30 Jahren einmal an, Mercedes installierte einen Kreiskolbenmotor in dem legendären Versuchsfahrzeug C 111. Einzig NSU hatte mit dem 1967 vorgestellten Ro80 einen bescheidenen Erfolg mit dem Wankel-Antrieb. Bis zu seiner Einstellung im Jahre 1977 wurden immerhin 58.000 Ro80-Exemplare gebaut.

Auch das Design ist beim RX-8 außergewöhnlich

Auch das Design ist beim RX-8 außergewöhnlich

In einem dieser für damalige Zeiten futuristisch designten Autos ließ sich Erfinder Felix Wankel bis zu seinem Tode im Jahr 1988 chauffieren. Der als so genial wie eigenbrötlerisch bekannte Konstrukteur besaß keinen Führerschein. Mazda fertigte von 1967 bis heute rund 1,5 Millionen Modelle mit Kreiskolbenmotoren und darf alleine schon wegen dieses Volumens als alleiniger Bewahrer des Wankel-Erbes gelten. Übrigens gelang den Japanern nicht nur die Weiterentwicklung des Wankel-Prinzips mit Blick auf die Alltagstauglichkeit, sondern auf auf den Rennsport. 1991 gewann Mazda als bislang einzige japanische Marke das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Das Auto trug die Typbezeichnung 787B - und wurde von einem Vierscheiben-Kreiskolbenmotor angetrieben (Durchschnittstempo 205,3 km/h).



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