Neue Spritspartechnik Wasser marsch!

Ausgerechnet mit einer Wassereinspritzung will BMW den Verbrauch seiner Turbomotoren senken. Was wie Alchemie klingt, funktioniert.

BMW/ Uwe-Fischer

Endlich mal ein Additiv, das ökologisch völlig unbedenklich ist und trotzdem etwas bringt: BMW will seine Motoren künftig mit einer Wassereinspritzung ausrüsten, um so den Verbrauch zu senken und vor allem die Leistung zu erhöhen.

Die Idee ist so simpel wie wirkungsvoll: "Es geht darum, die Verbrennungsluft weiter herunterzukühlen, als das mit dem Ladeluftkühler des Turbos gelingt", erläutert Frank van Meel, Chef der M GmbH. Er hat jetzt die ersten Prototypen mit dieser Technik bauen lassen.

Bei denen blasen die Bayern vor allem bei hohen Drehzahlen Wassersprühnebel in den Sammler des Saugmoduls. Als hätte der Motor eine eingebaute Klimaanlage, verdunsten diese Wasserschwaden sofort und kühlen damit die Luft herunter, bevor sie in den Zylinder strömt. Bis zu 25 Grad Celsius lassen sich mit dieser Technik gutmachen, rechnen die Ingenieure vor.

Acht Prozent Verbrauchseinsparung

Damit sinkt die Temperatur im Brennraum und mit ihr das Risiko einer unkontrollierten Verbrennung ("Klopfen"). Deshalb kann die Elektronik den Ladedruck des Turbos erhöhen und zugleich einen früheren Zündzeitpunkt wählen. Beides steigert die Leistungsausbeute. Außerdem werden weniger Schadstoffe freigesetzt und obendrein die Belastung des Motors reduziert, erläutern die Bayern.

Das Ergebnis sind 0,2 bar mehr Ladedruck im Turbo, die man beim Fahren sofort spürt - selbst wenn der Erprobungsträger auch sonst ein bisschen extremer ist. Denn eingebaut haben die Bayern die Wassereinspritzung zuerst im Safetycar für die MotoGP, welches auf dem in Serie 431 PS starken M4 basiert und in jeder Hinsicht radikalisiert wurde. Es ist leichter, lauter - und leistungsstärker.

BMW M4 Safetycar MotoGP Saison 2015: Hier steckt die Wassereinspritzung drin
BMW/ Uwe-Fischer

BMW M4 Safetycar MotoGP Saison 2015: Hier steckt die Wassereinspritzung drin

Mindestens 50 PS und ebenso viele Newtonmeter Drehmoment kitzeln die Bayern so noch einmal aus dem Triebwerk, sagt van Meel und schwärmt von entsprechend kürzeren Rundenzeiten. Aber die Technik kann nicht nur zur Leistungssteigerung eingesetzt werden: Wenn man die Wassereinspritzung allein für maximale Effizienz auslegt, lasse sich der Verbrauch damit im Schnitt um acht Prozent senken. Kein Wunder, dass nach der M GmbH auch Konzernmutter BMW bereits die ersten Prototypen laufen hat und demnächst mit Modellen der Einser- oder Zweierreihe demonstrieren möchte, was so alles in der Wasserkraft steckt.

Erfunden wurde die Technik schon vor 50 Jahren

So wirkungsvoll die Wassereinspritzung im Motor ist, so wenig muss sich der Kunde darum kümmern - außer gelegentlich den Tank zu füllen, den BMW beim Prototypen kurzerhand in der Reserverad-Mulde im Kofferraum untergebracht hat. Im Renneinsatz bei der MotoGP reicht der fünf Liter große Tank genau so lange wie das Benzin. Für den Alltag auf der Autobahn rechnet van Meel mit deutlich weniger Wasserverbrauch: Erst bei jedem fünften Tanken müsste dann wieder destilliertes Wasser nachgefüllt werden.

Anders als beim SCR-Katalysator des Dieselmotors und seiner AdBlue-Einspritzung ist das allerdings kein Zwang. Wo die Elektronik den Dieseln ohne Additiv von Gesetzwegen den Hahn zudreht, fährt ein solcher Turbo ohne Wasser im Tank ganz normal weiter. Nur eben mit weniger Leistung. Und auch vor frostigen Temperaturen im Winter müsse man sich nicht fürchten, beruhigt van Meel die Skeptiker: Vorm Abstellen des Motors wird alles Wasser aus den Leitungen zurück in den Wassertank gefördert, damit nichts einfrieren kann. Der Tank selbst sei frostsicher untergebracht, verspricht BMW.

Neu ist die Technik zwar nicht, räumt van Meel ein. Vielmehr wurde daran schon vor mehr als 50 Jahren gearbeitet, und sie wurde in diversen Rennwagen bis hinauf in die Formel 1 eingesetzt. Das zuletzt gebaute Serienmodell mit Wassereinspritzung war der Saab 99 Turbo, der bis Mitte der Achtzigerjahre produziert wurde. "Doch irgendwie ist die Wassereinspritzung dann in Vergessenheit geraten", sagt der Chef der M GmbH und kann sich auch nicht so recht erklären, weshalb sich erst jetzt wieder jemand daran erinnert hat. "Denn in Zeiten des Downsizings ist das sinnvoller denn je. Und Rocket Science braucht man zur Umsetzung keine."

Nicht umsonst will van Meel die Wassereinspritzung zumindest in einer Kleinserie möglichst schnell auf der Straße haben und rechnet mit einer Entwicklungszeit von ein bis zwei Jahren. Dass es nicht noch schneller geht, liegt weniger an der Technik selbst als an den Komponenten. "Tanks, Pumpen und Düsen zu industrialisieren, das kostet Zeit. Wir können leider nicht die Technik der Scheibenwaschanlage übernehmen."

Wie die Wassereinspritzung im Betrieb funktioniert, zeigt die Animation im folgenden Video:

BMW AG



insgesamt 130 Beiträge
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mhpr262 10.06.2015
1.
Ist die Frage, wieviele Fahrer sich das antun wollen, nicht nur regelmäßig Sprit an der Tanke nachzufüllen, sondern auch noch jeden Tag nach der Arbeit einen 10L Eimer Wasser vom 5. Stock der Altbau-Wohnung runter auf die Straße zu schleppen und per Trichter langsam in seinen Wagen zu kippen.
condor99 10.06.2015
2.
Das konnte man schon vor Jahren lesen. Gibt es auch mal was neues zu berichten? http://www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0406/28_treibstoff.php
marthaimschnee 10.06.2015
3.
Daß das Wasser mit dem ungefilterten Abgas zu einigen recht aggressiven Substanzen wie zB Schwefelsäure reagiert, was man dann bei zu sorgloser Dosierung sehr schnell an zB "weggefressenen" Zündkerzen sieht, lassen wir mal lieber beiseite.
o_280189843001 10.06.2015
4. Spriteinsparung gleich Leistung !
Den Firmen geht es nicht um Einsparung , sondern nur Fahrspaß . Was sind 0,8 Einsparung , wenn der Preis für Sprit höher geht . Das ist ein Witz ! Den Firmen geht es nur um die Leistung . Das reicht schon , wenn man auf die Messe geht oder nur Schaut , dann geht es um Leistung und nicht um Einsparung . Der größte Witz ist , das die Elektroautos eigentlich nur von Hausbesitzern gekauft werden kann , weil diese eine Steckdose Draußen haben . Was ist mit den Menschen auf Miete ? Nun sehen zu , wie die Anderen sparen können . Die Industrie will nicht , das sich was ändert , Sie wollen das wir weiter den teuren Sprit kaufen sollen und doch Spaß am Fahren ! Nun beim Geld hört der Spaß aber auf und so sind es die besser verdienenden Autofahrer . Das sind Diese , die nur auf der linken Spur fahren und nur zeigen wollen , wie gut sie Strafe bezahlen können . Ich finde man müsste nach den Einkommen Strafe bezahlen . Dann würde auch die Industrie überlegen müssen !
laxness 10.06.2015
5. cool....
so einen hol ich mir. Und dann den Schlauch zum Wassertank ab und an die Lachgasflasche dran :-))) Juhuuuu
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