Wasserstoff-Autos Industrieallianz will Brennstoffzelle zum Durchbruch verhelfen

Skeptiker hatten die Brennstoffzelle bereits für tot erklärt - doch plötzlich ist sie wieder da: Ein breites Bündnis aus Autokonzernen und Energieversorgern will bis 2015 Hunderttausende Fahrzeuge auf die Straße bringen. Die Mineralölwirtschaft soll parallel dazu ein Tankstellennetz aufbauen.
Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle (in Kalifornien): Die Autoindustrie kündigt den Durchbruch für Wasserstoffautos an - freilich nicht zum ersten Mal

Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle (in Kalifornien): Die Autoindustrie kündigt den Durchbruch für Wasserstoffautos an - freilich nicht zum ersten Mal

Foto: HO/ REUTERS

Hamburg/Stuttgart - Eine Woche vor dem Start der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main kündigte Daimler am Mittwoch an, die Entwicklung der Brennstoffzelle gemeinsam mit anderen Firmen zu forcieren. Daimler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Renault, Nissan und Toyota hätten eine entsprechende Erklärung unterzeichnet, teilte der Stuttgarter Konzern mit.

Da diese Unternehmen über beträchtliches Know-how in Sachen Brennstoffzellentechnik verfügten, sei nun die Serienproduktion solcher Fahrzeuge ein gutes Stück näher gerückt. Ab dem Jahr 2015 sollten die Fahrzeuge in größerer Anzahl angeboten werden. "Die Schätzungen gehen insgesamt weltweit von einigen hunderttausend Stück aus", so Daimler.

Brennstoffzellen-Autos sind Elektroautos. Sie besitzen jedoch kein großes Akkupaket, das über eine Steckdose geladen wird, sondern speichern die fürs Fahren benötigte Energie in Form von flüssigem Wasserstoff in Tanks. Der benötigte Strom wird aus der Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff in der Brennstoffzelle generiert. Als einziges Abfallprodukt entsteht dabei Wasser, Schadstoffe fallen beim Betrieb nicht an. Den Antrieb der Fahrzeuge übernimmt ein Elektromotor.

Ewiges Heilsprojekt der Autoindustrie

Kritiker wenden gegen die Brennstoffzelle ein, sie sei ein nicht praktikabler Ingenieurstraum. "Die ersten Wasserstofffahrzeuge hatten wir schon in den Siebzigern", frotzelt ein ehemaliger BMW-Manager, "schon damals wurde die Serienreife in acht Jahren vorausgesagt".

Shai Agassi, Chef des Elektro-Tankstellenprojekts Better Place, hält Wasserstofffahrzeuge ebenfalls für unsinnig: "Erst wendet man Energie auf, um aus Wasser Wasserstoff zu erzeugen. Und dann wandelt man den Wasserstoff wieder in Energie um."

Gegenüber E-Autos mit Akkus erreichen Brennstoffzellen-Stromer allerdings erheblich größere Reichweiten. Während die Akkuladung der meisten Stromer nach spätestens hundert Kilometern aufgebraucht ist, kommen Wasserstoffautos mehrere hundert Kilometer weit.

Henne-Ei-Problem

Funktionsfähige Fahrzeuge gibt es bereits. Honda etwa testet zurzeit das Wasserstofffahrzeug FCX Clarity, BMW experimentiert mit einer Brennstoffzellenversion des 7ers. Das eigentliche Probleme ist nach Ansicht vieler Experten das Fehlen von Tankstellen. Bislang haben sich Mineralölkonzerne und Energieversorger gescheut, eine flächendeckende Infrastruktur für die Wasserstoffversorgung aufzubauen. Schließlich seien keine Brennstoffzellen-Autos in Betrieb

Nach Informationen der "Automobilwoche" werden Daimler und Wasserstofferzeuger Linde sowie die Mineralölkonzerne OMV, Total und Shell gemeinsam mit den Versorgern Vattenfall und Energie Baden-Württemberg am Donnerstag eine Absichtserklärung unterschreiben. Dabei dürfte es nach Informationen des Branchendienstes um den Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes in Deutschland gehen.