Alternative Antriebe "Die Brennstoffzelle wird sich durchsetzen"

Noch gibt es nur wenige Wagen, kaum Tankstellen - trotzdem wird die Brennstoffzelle das Batterieauto einholen, sagt Toyota-Motorentwickler Gerald Killmann. Hier erklärt er, wann das passiert - und wie lange es den Diesel noch gibt.
Ein Toyota Mirai an einer Wasserstoff-Tankstelle

Ein Toyota Mirai an einer Wasserstoff-Tankstelle

Foto: Toyota

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SPIEGEL ONLINE: Herr Killmann, gibt es einen Antrieb, den Sie als Motorenspezialist in Zukunft nicht mehr fahren werden?

Gerald Killmann: Ich wohne in der Stadt und arbeite am Stadtrand, da fahre ich am Tag 30 Kilometer und drei, vier Mal im Jahr Langstrecke. Für dieses Fahrprofil würde ich mir keinen Diesel mehr kaufen, da ist ein Hybrid die bessere Wahl.

Zur Person

Gerald Killmann, Jahrgang 1965, ist Ingenieur für Maschinenbau und arbeitet seit 1992 bei Toyota. Nach Stationen in der Entwicklung von Dieselmotoren und Hybridantrieben leitet er seit 2014 den Bereich Forschung und Entwicklung am Entwicklungszentrum des Herstellers in Brüssel.

SPIEGEL ONLINE: Also hat der Diesel für Sie keine Zukunft mehr?

Killmann: Doch, auch der Diesel wird bei Fahrzeugen, die lange Strecken mit kurzen Standzeiten zurücklegen müssen, noch länger nachgefragt sein. Den Verbrenner an sich wird es auch in zehn bis 15 Jahren noch geben. Denn dann werden batterieelektrische Autos, aber auch die mit einer Brennstoffzelle, immer noch recht teuer sein. Der Verbrenner wird nötig sein, um Menschen mit niedrigeren Einkommen passende Fahrzeuge anbieten zu können. Allerdings wird es sich dabei oft um Hybride handeln, die in Städten lokal emissionsfrei fahren können.

SPIEGEL ONLINE: Toyota setzt für die Zukunft auf die Brennstoffzelle, batterieelektrische Fahrzeuge haben allerdings einen großen Vorsprung, was Ladeinfrastruktur und Stückzahlen angeht, die Brennstoffzelle steht dagegen noch am Anfang der Serienfertigung. Wie soll sie sich da in so kurzer Zeit durchsetzen?

Killmann: Durch spezielle Nutzungsszenarien, zum Beispiel als Taxi. Das fährt 24 Stunden, mehrere Hundert Kilometer am Tag. So ein Auto können Sie nicht acht Stunden irgendwo zum Laden anhängen, der Fahrer will ja ein Geschäft machen. Das Gleiche gilt auch für Schwerlastwagen, die Tausende von Kilometern fahren. Die Brennstoffzelle wird sich im Langstreckenbereich, bei Fahrzeugen mit wenig Standzeiten und im Nutzfahrzeugbereich durchsetzen.

Welche Typen von Elektroautos gibt es?

SPIEGEL ONLINE: Toyota ist einer der größten Autohersteller der Welt und will das mit Sicherheit auch bleiben - nur mit Geschäftskunden und Nutzfahrzeugen werden Sie diese Stellung kaum halten können.

Killmann: Natürlich werden wir batterieelektrische Fahrzeuge herstellen. Zurzeit ist die Zahl der verfügbaren Batterien allerdings begrenzt.

SPIEGEL ONLINE: Ab wann werden Batteriefahrzeuge bei Toyota dann zum Massenprodukt?

Killmann: Wenn ein Kleinwagen mit Elektroantrieb zu einem ähnlichen Preis wie heute ein Fahrzeug mit Hybridantrieb angeboten werden kann. Aber das wird noch einige Zeit dauern. Grundsätzlich müssen wir eine Tatsache akzeptieren: Dass sich wie heute nur ein Antriebskonzept durchsetzen wird, ist unrealistisch. Fahrzeuge mit einer Brennstoffzelle, Batterieautos aber auch Verbrennermobile werden parallel existieren - nur eben in unterschiedlichen Segmenten. Im Pkw-Bereich wird es mehr Batterieautos geben, bei größeren Fahrzeugen wird sich die Brennstoffzelle durchsetzen.

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SPIEGEL ONLINE: Für die Kunden spielt auch die Ladeinfrastruktur eine Rolle, deren Ausbau läuft bei E-Autos bereits schleppend. Wird das bei Wasserstoff nicht noch länger dauern?

Killmann: Beim Wasserstoff wird die Entwicklung anders ablaufen. Damit die Mobilität bis 2050 emissionsfrei wird, brauchen wir ihn für Schwerlaster, Busse und so weiter. Die Infrastruktur wird sich dann zuerst um diesen Bedarf herum aufbauen. Entlang jener Nutzungskorridore werden Tankstellen entstehen, die auch von Pkw genutzt werden können.

SPIEGEL ONLINE: Wann wird die Brennstoffzelle dann alltäglich?

Killmann: Für so eine Prognose hilft ein Blick auf die Hybridautos. Der Toyota Prius war lange ein Nischenprodukt, es hat 21 Jahre gedauert, bis die Hybridtechnologie in vielen Modellen steckt. Weil es eine reine Autotechnologie ist, haben wir das als Hersteller allein stemmen können. Bei der Brennstoffzelle brauchen wir eine neue Infrastruktur und die Zusammenarbeit mit Energieversorgern und Regierungen. Deshalb glaube ich nicht, dass es viel schneller geht. Wenn wir noch mal 21 Jahre in die Zukunft gehen, sind wir fast im Jahr 2040. Bis dahin haben wir die Kosten so weit gesenkt, dass die Technologie breit verfügbar ist und auch in Fahrzeugen steckt, die keine Nische bedienen.