Weber Faster One Eidgenosse in Eile

Nirgendwo in Europa gibt es so strikte Tempolimits wie in der Schweiz, in keinem Land wird strenger kontrolliert. Ausgerechnet dort entsteht jetzt der angeblich schärfste Sportwagen aller Zeiten. Der Name ist Programm: The Faster One.

In der automobilen Weltrangliste verfügt die Schweiz über einen eher kleinen Eintrag weiter unten. Immerhin: Die heimische Industrie hat für die Bergbauern den Aebi entwickelt, es gab zwischen 1967 und 1982 die exklusive und luxuriöse Marke Monteverdi, und mit etwas gutem Willen findet man in der Schweiz auch die Wurzeln des Smart. Darüber hinaus allerdings kennen Autofahrer das Alpenland allenfalls für seine strengen Tempolimits und deren strikte Überwachung. Roman Weber will das jetzt ändern.

Der Maschinenbauer aus Tobel im Kanton Thurgau plant nichts weniger als den "schnellsten Straßensportwagen der Welt". Und nach fünf Jahren Entwicklung ist sein Projekt mittlerweile so weit gereift, dass er am vergangenen Wochenende auf der elitären Messe "Top Marques" in Monaco einen fahrfähigen Prototypen präsentierte und für diesen Sommer die ersten Serienautos angekündigte.

Wenn Weber den Plan einhalten kann und genug Kunden findet, die ihm etwa eine Million Euro plus Steuern überweisen, kann VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch mit Bugatti einpacken. Die 1001 PS des Luxussportlers aus Molsheim will Weber zwar nicht knacken. Doch die Höchstgeschwindigkeit von 401 km/h des rasenden Über-Volkswagen will der Schweizer deutlich übertrumpfen. Offiziell spricht er zwar lediglich von "mehr als Tempo 400", doch die Flunder mit dem bezeichnenden Namen "Faster One" (der Schnellere) soll dem Vernehmen nach mindestens 420 Sachen laufen.

Beulen und Dellen für die perfekte Aerodynamik

Möglich macht das vor allem die ausgefeilte Aerodynamik. So ist der 2,05 Meter breite und nur 1,15 Meter hohe Weber Faster One vielleicht keine Schönheit, wenn er die im Gegensatz zu anderen Spitzensportlern beinahe senkrecht stehende Schnauze kantig wie ein Hammerhai in den Wind wirft. Doch strömt dem 4,50 Meter kurzen Flügeltürer die Luft dabei derart über die Flanken und die wie ein Suppenteller nach innen gebogene Motorhaube, dass der Widerstand mini- und der Anpressdruck maximal ist. Außerdem hilft dem Wagen ein elektronisch verstellbarer Heckflügel von der Größe eines Bügelbretts, der mal als Stabilisator und mal als Bremsklappe dient.

In Fahrt gebracht wird der Faster One von einem V8-Motor, der mit Hilfe zweier Kompressoren aus sieben Litern Hubraum 900 PS schöpft und 1050 Nm entwickelt. Weil der Wagen aufgrund einer Kohlefaser-Karosserie und dem nur 65 Kilo schweren Alu-Chassis lediglich 1100 Kilo wiegt - und jedes PS nur 1,22 Kilo zu bewegen hat -, beschleunigt der Schweizer schneller als ein Starfighter. Nach nur 2,5 Sekunden schnellt er auf Tempo 100, nach 6,6 Sekunden hat sich die Geschwindigkeit verdoppelt, und nach nur 16,2 Sekunden jagt der Faster One mit 300 Sachen davon. Und wo selbst einem Formel-1-Rennwagen bei etwa 350 km/h der Dampf ausgeht, bekommt die Flunder den zweiten Wind und zieht noch einmal richtig an.

Eine Eigenentwicklung der Superlative

Dabei fühlt sich der Fahrer nicht nur beim Blick auf den Tacho wie ein Formel-1-Pilot. Sondern auch der Innenraum zeigt die Nähe zur Rundstrecke. Zwar haben Heidfeld & Co. weder Lederpolster, noch Klimaautomatik, elektrische Fensterheber oder gar ein Entertainmentsystem samt Rückfahrkamera . Doch auch ihr Blick schweift über nacktes Carbon, und auch ihre Hände greifen in ein Lenkrad, das wie im Jet nach oben offen ist und mehr Schalter trägt als die Mittelkonsole eines handelsüblichen Kleinwagens. Ohne auch nur für einen Sekundenbruchteil die Kontrolle aus der Hand zu geben, kann man so das sequentielle Getriebe steuern, die Traktionskontrolle regeln oder in die Motorelektronik eingreifen.

Mit fremden Lorbeeren muss sich Weber bei seinem Prestige-Objekt nicht schmücken. "Bis auf Reifen und Felgen und ein paar Schrauben haben wir tatsächlich alles selbst entwickelt", sagt der Konstrukteur voller Stolz. Nun - der Motor kommt von General Motors. Doch außer dem Block des Achtzylinders haben der Antrieb des Faster One und jener der Corvette nichts mehr miteinander gemein. Auch den intelligenten Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung und elektronischer Differentialsperre sowie das semi-automatische Getriebe mit Schaltzeiten von weniger als 50 Millisekunden sucht man bei anderen Autos vergebens.

Wer heftig Gas gibt, riskiert lebenslanges Fahrverbot

Dass Weber die Komponenten für seinen Traumwagen lieber selbst entwickelt als irgendwo einzukaufen, kommt nicht von ungefähr. Denn auch wenn sein Betrieb ganz bescheiden als Metallbearbeitung firmiert, hat er sich in der PS-Branche bereits einen Namen gemacht. "Wann immer es um exotische Metalle geht, sind wir eine der ersten Adressen", sagt der Haus- und Hoflieferant von Formel 1 und DTM..

An Reputation mangelt es Weber also nicht. Kein Wunder, dass er bei der Premiere in Monaco nicht nur viele illustere Gäste wie etwa Prinz Albert, sondern auch die ersten ernsthaften Kaufinteressenten begrüßen durfte. Bevor sie aber endgültig unterschreiben, wollen sie demnächst ins verschlafene Tobel reisen um dort zur ersten Testfahrt starten. Dabei ist nicht nur wegen des hohen Werts des Wagens eine gewisse Vorsicht angebracht. Sondern auch den Tacho sollten die künftigen Kunden im Auge behalten. Denn bei einem derartigen Beschleunigungsvermögen trennen sie keine fünf Sekunden Vollgas vom wahrscheinlich lebenslangen Fahrverbot

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