Werbung gegen Klimakiller Wider den CO2-Wahnsinn

Hinter vorgehaltener Hand räumt es auch mancher Automanager ein: Die Verpflichtung der Pkw-Hersteller, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2008 bei Neuwagen auf durchschnittlich 140 Gramm pro Kilometer zu verringern, wird nicht erfüllt werden. Jetzt hagelt es Proteste.


Die Mahner hatten es schon länger vorhergesagt, und es sieht so aus, als lägen sie richtig mit ihrer düsteren Prophezeiung. "Die Autohersteller werden selbst an der wenig ambitionierten Zielmarke von 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bis 2008 scheitern", behauptet etwa der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD), Gerd Lottsiepen. Er fordert "verbindliche Verbrauchsgrenzwerte auf europäischer Ebene, um so den Innovationsdruck auf die Autobranche zu erhöhen". Darauf deutet nicht allzu viel hin, denn vor allem die deutschen Autohersteller setzen auf sportliche, leistungsstarke Modelle, und die tragen im Allgemeinen nicht zum Klimaschutz bei.

Dabei sah es 1998 noch nach einem Einlenken der Autobauer aus, als sie freiwillig zusagten, bis zum Jahr 2008 den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen von damals rund 220 auf dann 140 Gramm pro Kilometer zu senken. Da die CO2-Emissionen direkt mit dem Verbrauch zusammenhängen, hätte dies einen Durchschnittsverbrauch der Neuwagenflotte von 5,7 Liter Benzin je 100 Kilometer bedeutet. Doch davon sind die Unternehmen weit entfernt - auch, weil neue Autos immer größer, schwerer, komfortabler und meist auch stärker motorisiert werden.

Im Jahr 2004 lag der CO2-Wert bei Neuwagen in der EU bei 165 Gramm je Kilometer, in Deutschland allerdings waren es da noch 175 Gramm je Kilometer. Und es erscheint zunehmend utopisch, dass bis 2008 das anvisierte Ziel von 140 Gramm erreicht wird. Schon gar nicht sieht es danach aus, als könnten die EU-Energieminister ihren Plan durchsetzen, bis zum Jahr 2012 eine Emissionsobergrenze von 120 Gramm festzuschreiben. Die Autolobby ist offenbar zu stark.

Mehr Druck auf die Autohersteller ausüben

Um den Druck auf die Hersteller zu erhöhen, den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Kampagne gestartet, die auf die klimaschädigende Modellpolitik der Autohersteller aufmerksam machen soll. Seit Anfang November veröffentlichen die Naturschützer regelmäßig verfremdete Auto-Anzeigen, mit denen auf die CO2-Problematik aufmerksam gemacht werden soll. So wurde auf dem Münchner Marienplatz ein Plakat enthüllt, auf dem ein BMW 3er zu sehen war, der in einer Schlammlawine versinkt. In der Tageszeitung "taz" wurde kurz darauf eine Anzeige geschaltet, in der eine Mercedes R-Klasse vor einer Wüstenlandschaft zu sehen ist. Und heute wurde ein Großplakat vor dem Wolfsburger Rathaus entrollt, das die Werbung für den VW Eos karikiert mit einem Sintflut-Szenario.

Ob sich noch weitere Hersteller auf harsche Kritik einstellen müssen, ließ BUND-Verkehrsexperte Werner Reh gegenüber SPIEGEL ONLINE noch offen. Dass es weitere Werbe-Verfremdungen geben wird, ist jedoch wahrscheinlich, denn der Umweltverband hat "alle Agenturen und Kreativen, die sich für den Klimaschutz engagieren wollen" zu einem Wettbewerb aufgerufen, um "den Schein der Autowerbung von einer heilen Welt zu entlarven", wie BUND-Sprecher Norbert Franck es ausdrückt. Hintergrund der Aktion ist eine Werbe-Analyse des BUND, die ergab, dass der Durchschnittsverbrauch der in Deutschland am massivsten beworbenen Pkw-Modelle bei 9 Liter je 100 Kilometer liegt - und das entspricht 215 Gramm CO2 pro Kilometer.

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Seite 1
DJ2002dede, 16.11.2006
1.
---Zitat von sysop--- Die Autohersteller setzen für morgen auf die Brennstoffzelle, die Autofahrer heute schon auf Erdgas. Wo sehen Sie die Chancen und Risiken der Alternativen Antriebe? ---Zitatende--- Ich denke, Wasserstoff wird sich durchsetzen. Bis dahin ist aber der Mix wichtig und richtig.
Saboteur 16.11.2006
2.
Ich denke mittelfristig wird es mehrere Möglichkeiten geben. Erdgas funktioniert schon. Brennstoffzelle hat immernoch das Problem der Wasserstoffspeicherung aber es sind auch Typen möglich, die mit Methanol u.Ä. laufen (Nachteil hier: die Stoffe müssen sehr rein sein). Außerdem gibt es Forschungen dazu aus organischen Abfallstoffen eine Art Biodiesel effizient herzustellen; das könnte auch ein Weg werden (z.B. Umsetzung mittels Bakterien).
Lopez21 16.11.2006
3. Keine Alternative!
Tja so sehe ich es. Denn, obwohl ich nicht einmal mehr Auto fahre, ist das ein echt schwieriges Thema. Nur eines sollten wir wissen (ob wir wollen oder nicht). Unsere Mobilitaet macht unsere Umwelt kapput und krank. Und wir koennen gerne Brasilien als Beispiel nehmen, wo sie schon seit einer langen Zeit auf fosile Brennstoffe setzen. Aber um welchen Preis? Da kommen Monokulturen und wir sind ebenfalls auf dem besten Weg dazu. Die Natur dankt es uns frueher oder spaeter mit kleineren oder groesseren Katastrophen. Erdgas ist auch nicht unbeschraenkt vorhanden. Heute sind wir wohl schon soweit, dass wir Biogas erzeugen koennen. Aber wen interessiert das? Deutschland ist eh ein Vorbild: mit 200 ueber die Bahn zu brettern und 500 PS unter der Haube zu haben. Das ist geil! Ich frage nur, wann werden wir erwachsen?
dieterschg, 16.11.2006
4. Sparsamkeit
---Zitat von sysop--- Die Autohersteller setzen für morgen auf die Brennstoffzelle, die Autofahrer heute schon auf Erdgas. Wo sehen Sie die Chancen und Risiken der Alternativen Antriebe? ---Zitatende--- So lange diese Techniken noch nicht ausgereift sind, sollte man auf sparsamen Verbrauch bei den Fahrzeugen achten. 400km/h braucht niemand, schon 200km/h auf überfüllten Autobahnen reicht dicke aus, wobei manche Wagen dabei sogar noch relativ sparsam sein können.
Tarja13, 16.11.2006
5. Ganz klar: Wasserstoff
---Zitat von sysop--- Die Autohersteller setzen für morgen auf die Brennstoffzelle, die Autofahrer heute schon auf Erdgas. Wo sehen Sie die Chancen und Risiken der Alternativen Antriebe? ---Zitatende--- Wasserstoff bietet von allen derzeit denkbaren Treibstoffen eindeutig das größte Potential. Es verwundert schon ein bisschen, warum die Automobilindustrie die Forschung seit Jahrzehnten nicht entschlossener vorantreibt. Erdgas ist nunmal endlich, Sonne nicht immer verfügbar, Wind sowieso als Autoantrieb ungeeignet, Öl geht in absehbarer Zeit zur Neige. Wasserstoff hingegen wäre reichlich vorhanden, würde bei der Reaktion keine Schadstoffe erzeugen und trotzdem ausreichend Energie freisetzen.
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