ADAC-Hauptversammlung Vertrauensvorschuss für die Gelben Engel

Klubfreunde unter sich: Der ADAC stellt sich auf seiner Hauptversammlung geschlossen hinter ein Reformprogramm und wählt einen neuen Präsidenten. Doch die größte Aufgabe steht dem Verein noch bevor.

ADAC-Hauptversammlung: Guter Neustart, viele Versprechen
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ADAC-Hauptversammlung: Guter Neustart, viele Versprechen


Die ADAC-Zentrale mit ihrem 93 Meter hohen Turm und der glänzenden Fassade könnte sich problemlos in die Frankfurter Skyline einordnen. Aber sie steht am Rande der Münchner Innenstadt, wo sie alle anderen Gebäude überragt. "Stern von Sendling" wird das Bauwerk genannt - der Name klingt wie eine Mischung aus Vereinslokal und Prunkbau. Er passt zum Führungsstil und den Strukturen, die seit Jahren bei Deutschlands größtem Verein herrschen.

Das soll sich in Zukunft ändern. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung haben am Samstag die Delegierten des ADAC einstimmig ein umfassendes Reformpaket beschlossen. Umgesetzt werden soll die Erneuerung von August Markl, der zum Präsidenten gewählt wurde.

"Liebe Klubfreunde", so begrüßt Markl die Teilnehmer. Einer der Delegierten wird in einer Kaffeepause später erklären, dass man sich vor einem "Klubfreund" noch mehr in Acht nehmen sollte als vor einem "Todfeind".

Auf der Versammlung wird Markl von seinen Kameraden aber nicht im Stich gelassen: Bei der geheimen Wahl entfallen 180 der 218 abgegebenen Stimmen zu seinen Gunsten, bei zehn Enthaltungen und 28 Neinstimmen. Die Zahl der Stimmberechtigten zeigt, wie riesig die Dimensionen bei dem Automobilklub sind - denn die Regionalklubs durften pro angefangener 100.000er-Zahl an Mitgliedern einen Delegierten auf die Hauptversammlung schicken: Eingeladen waren 197. Die restlichen Stimmen kamen von den Präsidiums- und Verwaltungsratmitgliedern.

Jesus und die Gelben Engel

Es ist ein bisschen wie beim FC Bayern, dessen Arena nicht weit entfernt steht: Beide Vereine zählen in ihrer Sparte weltweit zu den größten, sie sind extrem reich - und hatten in der Vergangenheit mit moralischen Verfehlungen ihrer Führungskräfte zu kämpfen. Mit einem aufgeflogenen Skandal um einen Autopreis fing es beim ADAC im Januar an, anschließend folgten beinahe täglich neue Enthüllungen.

Wohin das führte, zeigt der Autoklub am Samstag mit einem kurzen Einspieler: Bei einer Passantenbefragung fallen Worte wie "Filz" und "Unglaubwürdigkeit" im Zusammenhang mit dem ADAC. Schaut her, so schlimm steht es um uns, lautete die Botschaft. Klubfreunde, tut etwas.

Wäre es nur darum gegangen, den Volkszorn wieder zu beruhigen - der ADAC hätte sich keinen Radikalumbau antun müssen. "Von mir aus kann Jesus vom Himmel kommen und ADAC-Präsident werden", sagt der Taxifahrer, Klubmitglied, auf dem Weg vom Flughafen zur Versammlung. "Hauptsache, die Gelben Engel helfen mir bei einer Panne."

Diese Gleichgültigkeit herrscht offenbar bei vielen Autofahrern in Deutschland. Trotz der Skandale ist die Mitgliederzahl nach Angaben eines Klubsprechers konstant geblieben - bloß Zuwächse von 500.000 Leuten, wie es sie in den vergangenen Jahren gegeben hat, konnte der ADAC nicht erzielen.

Viele Versprechen

Aber da ist eben noch diese andere, größere Bedrohung: Das Amtsgericht München prüft seit Monaten, ob der ADAC seinen Vereinsstatus behalten darf. Würde er dem Klub entzogen, droht vor allem der Verlust von unschätzbaren Steuervorteilen. Also war es nötig, dass der ADAC größeren Aufwand betreibt; eine externe Beratungsfirma engagiert und sich von einem unabhängigen Beirat, bestehend aus der Chefin von Transparency International Deutschland (Edda Müller), dem Vorsitzenden von Unicef Deutschland (Jürgen Heraeus) und einem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts (Hans-Jürgen Papier), maßregeln lässt.

Die Beiratsmitglieder sitzen auf der Hauptversammlung neben dem Präsidium und der Geschäftsführung auf der Bühne. Jeder von ihnen hält eine Rede, und es gibt viel Lob für die Reform. Alle drei machen aber auch deutlich, dass der Beschluss der Reformen nur der erste Schritt ist, und nun Taten folgen müssen.

Mit der Umsetzung der großen Ziele werde gleich im Januar begonnen, sagt August Markl. Bis wann aber insbesondere die Änderungen der Struktur vollzogen sind, lasse sich noch nicht abschätzen. Gleichzeitig verspricht der 66-Jährige, dass kein einziger Arbeitsplatz beim ADAC verloren gehe und die Mitgliedsbeiträge nicht erhöht würden - obwohl nach seinen Angaben noch nicht abzuschätzen ist, ob und wie viel Gewinn dem Autoklub verloren geht. Dass aber unterm Strich weniger Geld übrigbleibt, wenn die Geschäfte nicht mehr so aggressiv betrieben werden wie bisher, dürfte jedem Klubfreund klar sein.

Hinzu kommt, dass die Umwälzung für einige ADAC-Granden mit einem Machtverlust einhergeht. In München saß auch Ex-Präsident Peter Meyer im Saal, der sich nach seiner Demission in den Vorsitz des mitgliederstärksten Regionalverbandes Nordrhein geflüchtet hat. "Peter sagte mir vorher in der Unterbrechung, dass er mit dem Kurs einverstanden ist", lässt Jürgen Heraeus in seiner Rede die Delegierten wissen. Einer von ihnen hat daraufhin hörbar Mühe, ein Lachen zu unterdrücken.

Mit der fast reibungslosen Verabschiedung der Reformen und der Wahl von Markl zum neuen Präsidenten ist dem Automobilklub fraglos ein guter Start gelungen, und das Amtsgericht München wird dieses Signal gehört haben. Ob der ADAC nach innen tatsächlich so gestärkt ist, wie er sich nach außen präsentiert hat, wird sich aber erst noch zeigen.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Brennstoff 06.12.2014
1. Offensichtlich wurde über alles,...
nur nicht über den heiligen Grahl des ADAC, den angehäuften Schatz geredet. Was passiert mit dem gewaltigen Vereinsvermögen, dass der ADAC im Laufe der Jahre angehäuft hat. Wo ist es, wer partizipiert und was bekommt das gemeine Mitglied geboten? Ein umfangreicher, völlig transparenter Rechenschaftsbericht sollte erstellt werden. Eine kleine Wette gefällig? Einen öffentlichen Rechenschaftsbericht wird es freiwillig nicht geben. Also liebes Amtsgericht, ran an die Materie und eine Bilanz eingefordert, die auch ein Durchschnittsmitglied des Vereins auf nem Bierdeckel nachrechnen kann. Ansonsten Schluss mit lustig bzw. Vereinsstatus mit Steuerbefreiung.
Wolfgang Porcher 06.12.2014
2. Beitrags Erhöhung?
das wird vielleicht kommen. Und das haben wir den Neidern zu verdanken. Überfall wird in der Werbung gelogen bis zum geht nicht mehr , Leistungsvergleich sind nirgrnwo korrekt, die ganze It Branche die sich zur Schau stellt mit dem Satz "Xxx empfiehlt Microsoft" wird dafür bezahlt und der Verbraucher damit für doof verkauft. Der ADAC der wirklich uns Autofahrern für laeppische Beiträge hilft angeprangert. Also, saubloeder kann man sich nicht verhalten, oder ?
omop 06.12.2014
3. Kosmetische Änderungen..
mehr nicht..was m.E. keine Überraschung ist. Interessant dass man zukünftig auf Batterie-und Schneekettentests verzichten will, weil man diese auch verkauft. Sorry aber das hätte ich eigentlich andersherum erwartet..kein Verkauf,dafür objektive Vergleichstests. Aber so kann man nur sagen auch andere Mütter haben schöne Töchter...
gruenflaeche 06.12.2014
4.
Zitat von Brennstoffnur nicht über den heiligen Grahl des ADAC, den angehäuften Schatz geredet. Was passiert mit dem gewaltigen Vereinsvermögen, dass der ADAC im Laufe der Jahre angehäuft hat. Wo ist es, wer partizipiert und was bekommt das gemeine Mitglied geboten? Ein umfangreicher, völlig transparenter Rechenschaftsbericht sollte erstellt werden. Eine kleine Wette gefällig? Einen öffentlichen Rechenschaftsbericht wird es freiwillig nicht geben. Also liebes Amtsgericht, ran an die Materie und eine Bilanz eingefordert, die auch ein Durchschnittsmitglied des Vereins auf nem Bierdeckel nachrechnen kann. Ansonsten Schluss mit lustig bzw. Vereinsstatus mit Steuerbefreiung.
Auf der Internetseite www.adac.de finden sie den Rechenschaftsbericht.
nolabel 06.12.2014
5. Ein Verein
rückwärtsgewandter Männer ruft eine Reform aus, und das wird sogar Opener der Tagesschau... was wären wir ohne unsere Autonarren?
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