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Winterreifen und Rollwiderstand: Mit Sicherheit unmöglich

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Winterreifen Mehr Grip, mehr Sprit

Mit den richtigen Reifen verbrauchen Autos bis zu drei Prozent weniger Sprit. Bei Schnee und Eis gibt es aber ein Problem.

Wenn es ums Spritsparen geht, werden fast alle Teile des Autos optimiert: Die Motoren werden auf Effizienz getrimmt, das Gewicht der Karosserie leichter gemacht und das Design möglichst aerodynamisch geformt. Einen Beitrag leisten auch Reifen, die einen möglichst geringen Rollwiderstand aufweisen. Eine Faustformel besagt: Um den Rollwiderstand der Reifen zu überwinden, müssen rund 20 Prozent der Antriebsenergie aufgewendet werden. Umgekehrt bedeutet das: Wenn Reifen leichter rollen, lässt sich ordentlich Kraftstoff sparen.

Weil Rollwiderstand eine ziemlich abstrakte Größe ist, gibt es auf dem Reifenlabel eine einfache Einteilung, seit gut zwei Jahren müssen alle Neureifen damit gekennzeichnet sein. Sie reicht - ähnlich wie die Effizienzkennzeichnung bei einem Kühlschrank oder einer Waschmaschine - von A bis G; wobei A einen sehr geringen und G einen sehr großen Rollwiderstand bedeutet. Sogenannte Spritspar-Sommerreifen erreichen häufig eine Rollwiderstandseinstufung B.

Besser als C geht kaum

Der durch derartige Pneus erzielte Spritspareffekt fällt jedoch weg, sobald auf Winterreifen gewechselt wird. "Kaum ein Winterreifen kann momentan eine bessere Klassifizierung als 'C' im Rollwiderstand aufweisen", sagt Michael Staude, Reifenexperte des TÜV Süd. "Der Winterreifen hat einfach konstruktionsbedingte Nachteile, nämlich die Lamellierung des Profils und die für Kälte optimierte Gummimischung."

Beides ziehe eine stärkere Verformung des Reifens beim Abrollen nach sich, weshalb mehr Energie im Reifen verloren gehe. Staude: "In der Standardgröße 205/55 R16 weist gut die Hälfte der aktuell angebotenen Winterreifen die Klasse E im Rollwiderstand auf."

In die C-Klassifizierung fällt jeder fünfte der aktuell für die Kompaktklassen-Standardgröße angebotenen Winterreifen. "Darunter befinden sich etliche Fabrikate, denen darüber hinaus in unabhängigen Tests gute bis sehr gute Leistungen auf Schnee, nasser oder trockener Fahrbahn bescheinigt werden", sagt TÜV-Mann Staude.

Gut für den Grip, schlecht für die Effizienz

Lamellenprofil, spezielle Gummimischung und die daraus resultierende Verformung der Aufstandsfläche des Reifens sind genau das, was einen brauchbaren Winterreifen auszeichnet: nämlich eine optimale Haftung bei nasser, rutschiger oder schneebedeckter Fahrbahn. Beim Reifenhersteller Goodyear-Dunlop heißt es zum Konflikt zwischen guten Wintereigenschaften und geringem Rollwiderstand eines Reifens: "Was gut für Traktion im Schnee oder Haftung auf nasser Fahrbahn ist, erhöht den Rollwiderstand."

Dieser Konflikt zwischen einem möglichst geringen Rollwiderstand und einer möglichst großen Haftung eines Reifens lässt sich nicht auflösen; und bei Winterreifen ist der Kompromiss aus Effizienz und Grip noch schwieriger hinzukriegen. Allerdings sind ein paar Prozent mehr Spritverbrauch wegen des Reifens ein vergleichsweise geringer Preis, wenn dafür die Fahrsicherheit so gut wie möglich gewährleistet ist.