WM der Autofahrer Fahnen im Fahrtwind

Wenn es optimal läuft, spielt die deutsche Elf in den kommenden Wochen sieben Mal. In dem Fall werden die Straßen bald einem Fahnenmeer gleichen. Schon jetzt dekorieren viele Fans ihre Autos. SPIEGEL ONLINE hat sich bei der Polizei erkundigt, was eigentlich erlaubt ist.


Heute Morgen, am Tag des Eröffnungsspiels zur Fußball-WM, war es besonders auffällig: Selbst die Dienstwagen à la schwarzer Passat-Kombi oder 5er-BMW in gedeckter Farben erschienen ein bisschen kesser als sonst im Ampelstau. Die Besitzer hatten nämlich eine weiße Plastikstange in die Seitenscheibe geklemmt, an der schlaff Schwarz-Rot-Gold baumelte und beim Anfahren siegesgewiss im Fahrtwind zappelte. Ballaballa also schon im Berufsverkehr - doch ist das überhaupt erlaubt? Und was muss man beim Fahnenschmuck am Pkw beachten, um nicht mit der Straßenverkehrsordnung in Konflikt zu geraten?

Autokorso bei der WM 2002: Deutsche Fans feierten in diesem Fall den 1:0 Sieg im Achtelfinalspiel gegen Paraguay
DDP

Autokorso bei der WM 2002: Deutsche Fans feierten in diesem Fall den 1:0 Sieg im Achtelfinalspiel gegen Paraguay

"Grundsätzlich ist das Anbringen von Fahnen an Fahrzeugen erlaubt", sagt Ralf Kunz, Sprecher der Polizei in Hamburg. "Allerdings darf die Verkehrssicherheit dadurch nicht beeinträchtigt werden." Bei magnetischen Fahnenhalterungen etwa müsse deshalb sichergestellt sein, dass sie auch bei Vollbremsungen haften bleiben. Und fest installierte Fahnen dürften "im Falle einer Kollision mit Fußgängern nicht zu einer Verletzungsgefahr werden".

Fest installierte Fahnen müssen genehmigt werden

Zudem seien solche festen Fahnen "als zusätzliche Fahrzeuganbauten genehmigungspflichtig", erklärt Kunz. Der Polizist weist darauf hin, dass Fahnen immer dann unzulässig seien, wenn sie "das Sichtfeld des Fahrzeugführers einschränken". Und noch eine Einschränkung gilt es zu beachten: "An den Außenkanten eines Fahrzeugs dürfen ebenfalls keine Fahnen installiert werden."

Prekär könnte die Situation auf innerstädtischen Straßen immer kurz nach den Spielen werden, wenn siegestrunkene Anhänger einer Mannschaft ihre Freude über ein Dreizunull dadurch zum Ausdruck bringen, indem sie mit Gleichgesinnten einen Autokorso bilden. Während der Fahrer die Hupe malträtiert, sitzen andere in den geöffneten Seitenscheiben, schwenken Schals, Fahnen, Bierflaschen oder tröten mit Fanfaren. Ein Spektakel jedenfalls, das einen geordneten Verkehrsfluss vorübergehend unmöglich macht.

Autokorsos bedürfen einer Erlaubnis - eigentlich

"Veranstaltungen, für die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, bedürfen der Erlaubnis", sagt Polizeisprecher Kunz streng. Wer einen Autokorso veranstalte, handle ordnungswidrig, und gegen ihn könne mit einem Bußgeld vorgeganen werden. Jedoch dürfte es im konkreten Fall schwer festzustellen sein, wer als "Veranstalter" einer spontanen Freudenfahrt fungiert. "Grundsätzlich ist die Polizei kein Spielverderber", deutet Kunz eine nachsichtige Haltung der Behörden an. "Wir schreiten dort ein, wo Menschen gefährdet oder arg belästigt werden."

Verboten sei aber auf jeden Fall das Sitzen auf dem Heck von Cabriolets, die mit geöffnetem Dach durch die Straßen fahren. Außerdem werde die Polizei immer dann einschreiten, wenn "Vorfahrtsverletzungen" begangen werden, wie Kunz sagt. Man wolle "Verstöße angemessen ahnden und damit die Verkehrssicherheit weiterhin gewährleisten".

jüp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.