Wunschkennzeichen "S1" für eine halbe Million Euro versteigert

Rekord für das britische Auktionshaus Bonhams: Für das Nummernschild mit der Kombination S1, eines der ersten überhaupt, zahlte ein englischer Sammler eine halbe Million Euro. Das kostbare Stück kommt allerdings nicht in die Vitrine - sondern an seinen alten Skoda.


Nummernschilder sind so alt wie das Auto, fast so alt: Die Holländer waren die ersten, die 1899 ein gesetzliches Kennzeichen als Fahrerlaubnis ausgaben. England folgte wenige Jahre später, wobei der Motor Car Act eine Ausnahme vorsah: der Monarch durfte mit seinen Karossen weiterhin inkognito fahren. George V. mit einer Nummer an der Stoßstange - unvorstellbar!

Das Auktionshaus Bonham, das man als Spezialisten für "Automobilia" bezeichnen darf, hatte für das Nummernschild "S1" eienn Erlös von ungefähr 200.000 bis 250.000 Pfund angepeilt, auch schon eine ordentliche Summe für ein Stück geprägtes Blech. Doch am Ende wurden es schließlich 397.500 Pfund - also eine gute halbe Million Euro.

Wie Josephine Olley, die Auktionatorin, der englischen Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtete, war die "S1" heiß begehrt: "Es war eine wahre Schlacht zwischen einer Reihe von Bietern. Einer saß mit uns im Saal, die anderen waren am Telefon dabei. Als der Mann im Saal den Zuschlag bekam, haben alle geklatscht." Immerhin hat er ja einen neuen britischen Rekord aufgestellt. "1F" war 2005 für 144.500 Pfund weggegangen, "M1" erzielte 2006 auch schon ordentliche 331.500 Pfund. Jetzt also die "S1".

Bleibt die Frage, warum jemand so viel ausgibt, um einer Gesetzespflicht nachzukommen. Die Sehnsucht nach einem individuellen Kennzeichen allein kann es im Prinzip nicht sein, da erfüllen die Zulassungsstellen schon manche Wünsche. Die einprägsame Kürze vielleicht? S1 vergisst man natürlich so schnell nicht, wobei die Kombination natürlich auch Zeugen besser im Gedächtnis bleibt, falls es einmal kracht.

In diesem Fall war es möglicherweise der Reiz, sozusagen mit den Insignien einer herausragenden historischen Persönlichkeit aufzukreuzen. Die S1 wurde ursprünglich 1903 an Sir John MacDonald ausgegeben, den obersten Richter Schottlands in den Jahren von 1888 bis 1919. Als einer der ersten Schotten überhaupt hatte er eine dieser neumodischen motorisierten Kutschen erworben. Er war dann übrigens auch eines der Gründungsmitglieder des Automobile Club of Britain - ein Vorläufer des britischen ADAC. Das Kennzeichen S1 blieb auch nach seinem Tod in der Familie, bis 1958 die Lizenz versehentlich nicht verlängert wurde und das Kürzel wieder auf den Markt kam.

Der jetzige Besitzer, der anonym bleiben will, nannte einen weiteren Grund, warum er für die S1 so tief in die Tasche griff: "Ich glaube nämlich, dass Kennzeichen eine erstklassige Investition sind ", verriet er dem "Telegraph", "selbst bei Preisen wie diesem." Weiterhin werde das Nummernschild nicht etwa in einem Tresor landen oder einer Vitrine, sondern auch künftig auf englischen Straßen zu sehen sein. "Es kommt an einen roten Skoda, der vorwiegend in den Midlands unterwegs ist."

oka

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der für das bei Bonhams versteigerte Nummernschild "S1" erzielte Preis als Weltrekord bezeichnet. Dies ist nicht korrekt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde im Frühjar 2008 ein Nummernschild für 10 Millionen Euro versteigert. Dieses gilt gemeinhin als das teuerste der Welt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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