Unfallstatistik 2014 Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer gestiegen

In Deutschland sind im vergangenen Jahr fast 400 Radfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. Die Opferzahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht, ebenso die Verletztenzahlen. Ein Forscher geht sogar von schlimmeren Werten aus.

Unfall zwischen Auto- und Fahrradfahrer in Berlin: "Radfahrer sind umwegsensibel"
DPA

Unfall zwischen Auto- und Fahrradfahrer in Berlin: "Radfahrer sind umwegsensibel"


Auf Deutschlands Straßen sind im vergangenen Jahr 396 Fahrradfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. Laut der Untersuchung des Statistischen Bundesamts (Destatis) entspricht dieser Wert zwölf Prozent aller Verkehrstoten. Wie das Amt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, wurden außerdem 77.900 Fahrradfahrer verletzt, davon 14.500 schwer. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radler um 42, die der verletzten um etwa 6000.

Insgesamt seien im vergangenen Jahr ungefähr 85.000 Fahrradfahrer in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen, sagte Destatis-Experte Gerhard Kraski. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der tödlichen Fahrradunfälle passierten innerorts. Insgesamt war die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent auf 3368 gestiegen. Das waren 29 Verkehrstote mehr als 2013.

Die Zahl der verletzten Radler dürfte nach Einschätzung von Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Versicherer, noch wesentlich höher liegen. Nicht von jedem Unfall mit verletzten Radfahrern erfahre die Polizei, und viele Betroffene behandelten eine Schramme selbst. Brockmann geht davon aus, dass die Zahl der verletzten Radfahrer viermal höher ist als in der amtlichen Statistik ausgewiesen.

"Erfolgreiche Infrastrukturentwicklung"

Angesichts des rasant gewachsenen Fahrradverkehrs sieht Brockmann aber Erfolge: 1970 waren nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen noch 1835 Radfahrer tödlich verunglückt, seitdem gibt es einen sinkenden Trend. "Im Grunde sind die Zahlen der Ausweis einer erfolgreichen Infrastrukturentwicklung", sagte der Unfallforscher.

Aber es sei noch viel zu tun: Es müssten mehr Radwege und Radstreifen gebaut und Kreuzungen übersichtlicher werden. "Es ist wichtig, dass sich Radfahrer und Autofahrer sehen."

Appell an die Radler

An die Radler appellierte Brockmann, sich an Regeln zu halten. "Radfahrer sind umwegsensibel" - sie führen häufig in falscher Richtung auf Radwegen, um ihren Strecken abzukürzen. "Das ist eine Begründung, aber keine Entschuldigung", sagte Brockmann.

Dass im vergangenen Jahr über die Hälfte (57 Prozent) der tödlich verunglückten Radfahrer mindestens 65 Jahre alt war, ist aus der Sicht des Unfallforschers keine Überraschung. Verletzungen, die bei einem jungen Menschen verheilen, seien bei älteren häufig tödlich. Und alte Menschen stürzten ungelenker. Ein Helm sei deshalb für Senioren noch wichtiger als für alle anderen.

cst/dpa



insgesamt 321 Beiträge
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zephyroz 18.08.2015
1. Es wundert einen nicht, ...
... wenn man täglich miterlebt, daß immer mehr Fahrradfahrer keinerlei Verkehrregeln mehr kennen und definitiv ihr Leben aufs Spiel setzen. Rote Fußgängerampeln werden als Einladung begriffen, gegen die Fahrtrichtung ist kein Problem und Kreisverkehre sind eh Rodeoarenen.
felisconcolor 18.08.2015
2. Ja
die bösen Autofahrer sind Schuld, ja die bösen Radfahrer sind Schuld. Fakt ist wohl, das immer weniger Verkehrsteilnehmern der §1 StVO geläufig ist. Umwegsensibel finde ich toll. Kam mir doch neulich erst ein werter Herr mit seinem e-bike oder pedelec oder so einem elektrischen Geschnickse verkehrt herum im Kreisel entgegen. Jetzt weiss ich das mein ABS funktioniert. Glück für den werten Herren. Also fasst Euch so wie ihr seid mal an die eigene Nase und reflektiert mal euer Verkehrsverständnis. und ich ich ich funktioniert schon gar nicht. Die Fläche der Verkehrswege ist nun mal beschränkt und gehört ALLEN. Und wo es angezeigt ist dem Fussgänger der Fussweg, dem Radfahrer der Radweg und dem Autofahrer die Strasse. Da gibt es keinen Raum für Diskussionen. Und wer das nicht glaubt dem sei die Lektüre der StVO mal angeraten. Oder einfach mal ein paar Theoriestunden in der Fahrschule. den Wissen macht weniger Aua
hd-ali 18.08.2015
3. Die Radler sollens wieder richten
Wenn ich denke wie oft mir von ignoranten Rechtsabbiegern die Jahre in denen ich täglich bis zu 32 km am Tag in die Arbeit fahre die Vorfahrt genommen wurde, dann wird mir übel. Einzige Reaktion hier in Ingolstadt auf tödliche Radunfälle sind verstärkte Fahrradkontrollen der Polizei, obwohl in der Regel die Opfer erwiesenermaßen unschuldig waren. Was soll das. Wenn ich dann schon wieder lese, dass mehr Radwege gebaut werden sollen, die erwiesenermaßen eher Fallen sind, fällt mir nichts mehr ein außer, hoch lebe das Auto in Deutschland.
JeeperXK 18.08.2015
4.
Würde ich mich mit dem Auto im Straßenverkehr so verhalten wie die meisten Fahrradfahrer, wäre ich den Lappen nicht nur los, ich bekäme ihn NIE WIEDER! Radfahren ist keine Möglichkeit, von A nach B zu kommen, es ist eine Weltanschauung. Und wie bei allen Weltanschauungen geht es auch beim Radfahren vor allem darum, sich durchzusetzen. Koste es, was es wolle. Denn Radfahrer haben immer und überall Vorfahrt. Sie sind zwar die Schwächeren, legen aber eine erstaunliche Stärke an den Tag, um sich im Straßenverkehr zu behaupten. Inzwischen denke ich, dass es ein Fehler war, die Städte mit einem Netz von Fahrradwegen zu überziehen. Erstens wegen der Kosten und zweitens wegen der Wirkung. Seit die Radfahrer eine Spur für sich haben, fühlen sie sich nicht verpflichtet, die allgemeinen Regeln im Straßenverkehr zu beachten. Ich beobachte aber, dass Radfahrer immer jähzorniger, rücksichtsloser und rechthaberischer werden, je mehr für sie getan wird, je mehr Radwege gebaut werden, je mehr sich das Rad als alternatives weil umweltfreundliches Verkehrsmittel durchsetzt. Von wegen: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht."
acyonyx 18.08.2015
5. Licht am Tag
Und je mehr Autos mit Tagfahrlicht fahren, desto eher wird man nur noch auf Lichter achten. So werden immer mehr Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer Opfer der Gewohnheit. In Österreich hat man das schon länger erkannt und tut was dagegen. Aber da sei in Deutschland die Lampenlobby vor!
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