IceRace in Zell Gummi auf Eis

Was für St. Moritz das Winterpolo ist, waren für Zell am See die Eisrennen. Nach fast 50 Jahren Pause hat die Raserei in klirrender Kälte ein Comeback gefeiert - auf Einladung der Familie Porsche.

Audi

Aus Zell am See berichtet


Wild treibt es den Schnee durch die Luft - so dicht, dass die Hand vor Augen kaum zu sehen ist. Dabei hängt keine Wolke am Himmel über dem Kitzsteinhorn. Dazu durchdringt ein permanentes Brüllen die Szenerie.

Nach fast 50 Jahren treffen sich Autofans und berühmte Rennfahrer wieder zum Eisrennen in Zell am See. Zwei Tage lang entfesseln mehr als 100 Renn- und Rallyeautos den sehr besonderen Wintersturm: Mit und ohne Skifahrer im Schlepp stürmen sie auf Spikereifen über eine 600 Meter lange Kreisbahn und wühlen dabei im steten Drift so viel Eis und Schnee aus der Strecke, dass die Zuschauer hinter dem Fangzaun aussehen wie Yeti-Jäger.

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Eisrennen in Zell am See: Wie Menschen und Motoren an die Grenzen gehen

Neu belebt hat die Idee Ferdinand Porsche, Urenkel des gleichnamigen Gründers der Autodynastie, zusammen mit einem Studienkollegen. Mit ihrer Idee für die PS-Party, die in Zeiten von Klimawandel und Feinstaubalarm reichlich verwegen wirkt, sind die beiden wohl auch durchgekommen, weil die Porsches in Zell eine der einflussreichsten Familien sind. Diesen Status haben sie, seit sie mit ihren Verwandten, den Piëchs aus Wien, vor den Wirren des Zweiten Weltkrieges in das verschlafene Städtchen im Salzburger Land geflüchtet sind.

Der sogenannte Schüttgut, ein Bauernhof, der zum Familiensitz ausgebaut wurde, ist fast schon der Nabel der Porsche-Welt. Weil den Familien auch der größte Teil des VW-Konzerns gehört, laufen dort die Fäden aus Wolfsburg, Ingolstadt & Co. zusammen. Ein Designzentrum unterhalten die Porsches auch noch am Ufer der Salzach.

"Die Eisrennen haben einmal zu Zell am See gehört wie die Bergstraßen drum herum", sagt Ferdinand Porsche. Er erzählt von Wochenenden, an denen zehntausend Besucher auf den zugefrorenen See gekommen sind, um die Motorsport-Elite beim Kampf um Grip und Gewinn zu beobachten.

Einst zogen Motorräder Skifahrer übers Eis

Inspiriert wurden die Österreicher einst vom sogenannten Skijöring während der Olympischen Winterspiele in St. Moritz 1928. Damals haben sich erstmals Skiläufer von reiterlosen Pferden über das Eis ziehen lassen. Beim ersten Rennen in Zell neun Jahre später spannten sie zunächst Motorräder vor die Skier.

Irgendwann sind die Zweiräder dann auch ohne Anhang gefahren, und plötzlich waren die ersten Autos auf dem Eis unterwegs, erinnern sich die Veranstalter. Nach bald 40 Jahren war der Spaß 1974 zu Ende. Bei den Vorbereitungen des Rennens im Jahr 1973 waren zwei Gemeindearbeiter eingebrochen, einer der beiden kam ums Leben.

Im Jahr 2019 ist der Unfall fast vergessen. Das Röhren der Motoren füllt das weite Tal in Zell am See.

Kein Fahrer muss sich sorgen, dass er baden geht. Weil der See trotz der lausigen Kälte und des wüsten Wintereinbruchs der letzten Wochen keine geschlossene Eisdecke hatte, ist die 600 Meter lange Strecke - wie in schlechten Wintern vor 50 Jahren - auf dem Flugfeld nebenan aufgebaut.

Legendäre Autos am Start

Vor allem der VW-Konzern fährt dort mächtig auf. Und es gibt ein paar Dutzend Privatiers, die auf dem spiegelglatten Rundkurs tatsächlich auf Zeit fahren - mit Rallye-Rennern vom Schlage eines Subaru Impreza WRX STI oder eines Mitsubishi Lancer Evo und weniger tauglichen Modellen wie alten VW Buggies, Saabs und Fords oder gar einem Trabant 601. Ein paar Waghalsige lassen sich auf Skiern über die 600 Meter lange Strecke schleifen.

Doch es sind vor allem die alten und neuen Rennwagen wie der Formel-E-Renner von Audi, die aktuellen WRC-Autos von VW und Skoda oder der frisch präsentierte WRC-Cayman von Porsche aus den Werksgaragen, die das Publikum locken. Am Steuer von Autos wie dem Audi S1 quattro oder dem Doppelmotor-Golf, mit dem VW beim berühmten Bergrennen Pikes Peak legendär gescheitert ist, sitzen PS-Profis wie Formel1-Fahrer Mark Webber, Formel4-Fahrer Daniel Abt, Langstreckenprofi Mark Lieb oder Pikes-Peak-Rekordhalter Romain Dumas.

Besonders schräg: Der Fetzenflieger

Selbst ein paar richtig alte Renner haben die Veranstalter aufgefahren: So jagt Hans-Joachim Stuck einen Auto Union Type C übers Eis und erinnert damit an einen ähnlichen Wagen, mit dem sein Vater Hans vor 80 Jahren siegreich auf den Groß-Glockner gestürmt ist.

Zu sehen ist ein Porsche 550 Spyder, der früher mal Ferry Porsche gehörte und in Zell schon bei den ersten Eisrennen am Start war. Das vielleicht schrägste Auto ist der sogenannte Fetzenflieger - ein extrem kurzer und dafür umso breiterer Eigenbau um einen Porsche-Vierzylinder herum, den sich der einstige Motorradrennfahrer Otto Mathé nach einem schweren Unfall in den Fünfzigerjahren eigens für die Eisrennen gebaut hat: Nur 395 Kilo schwer und 130 PS stark, hat er Geschwindigkeiten über 200 km/h erreicht und die Szene damals dominiert.

Für die meisten Rennfahrer ist das Eisrennen eine neue Erfahrung - vor allem wegen der fehlenden Bodenhaftung, die auch mit 7-Millimeter-Spikes in den Reifen kaum besser wird. "Eis ist natürlich die absolute Herausforderung für einen Rennfahrer", sagt 2017er DTM-Champion Rene Rast. "Alles läuft wie in Zeitlupe ab, und trotzdem müssen wir uns voll konzentrieren. Es ist einerseits Spaß, andererseits wollen wir immer auch das Limit fühlen."



insgesamt 23 Beiträge
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gerchla63 24.01.2019
1. Sinn und Zweck von Motorsport??
Wir wissen, dass das Klima wärmer wird. Und wir wissen, dass die Ressource Öl endlich ist. Und was machen wir? Wir lassen Autos völlig sinnfrei Rennen fahren, CO2 rausblasen und die Umwelt versauen. Und "Otto Normalverbraucher" lässt sich beim Autokauf inspirieren und greift gerne mal zum aufgemotzten PS-Boliden, der entsprechende mehr Sprit verbrennt (und nicht selten mit Röhren-Renn-Klappenauspuff die Nachbarschaft nervt).
indietonne 24.01.2019
2. Volle Zustimmung,
Zitat von gerchla63Wir wissen, dass das Klima wärmer wird. Und wir wissen, dass die Ressource Öl endlich ist. Und was machen wir? Wir lassen Autos völlig sinnfrei Rennen fahren, CO2 rausblasen und die Umwelt versauen. Und "Otto Normalverbraucher" lässt sich beim Autokauf inspirieren und greift gerne mal zum aufgemotzten PS-Boliden, der entsprechende mehr Sprit verbrennt (und nicht selten mit Röhren-Renn-Klappenauspuff die Nachbarschaft nervt).
sehe ich auch so. Habe meinen TTRS natürlich auch mit Sport(Klappen)auspuff bestellt für ca 1000€ Aufpreis. Weiß nicht mehr genau. Geld wird bei sowas überbewertet meiner Meinung nach. Danke an SPON für den Artikel und die schönen Bilder. Bei youtube "zell am see icerace" eingen. Da gibs mehr aufs Ohr und auf die Augen ;) von Einem der sonst nichts kann
chrismuc2011 24.01.2019
3.
#1: Sie sind eine wirkliche Spaßbremse. Wollen Sie nun alles verbieten? Wieviele Leute sind wohl bei diesem Rennen als Besucher dabei gewesen? Und haben frische Luft eingeatmet, sind spazieren gegangen, haben für Umsatz an den Glühweinständen gesorgt und dabei Arbeitsplätze durch Tourismus erhalten, der Haupteinnahmequelle Österreichs. Und zu Hause haben sie zur Energieersparnis und Umweltschonung die Heizung runtergedreht, während Sie in Ihrer überheizten Bude sitzen und lamentieren. Es waren übrigens auch E-Autos am Start. Haben Sie aber blind vor Wut und mit Schaum vorm Mund vermutlich gar nicht bemerkt. Anmerkung: Bei einem Bild ist kein 911 zu sehen, sondern ein 356. Und auf einem anderen Bild ist ein Steyr Puch 650 TR zu sehen, welcher auf einem Fiat 500 Lizenzbau aufbaut. Es gab nie einen Fiat 650. Bitte besser recherchieren in Zukunft ( ich helfe gerne :-) )
master-of-davinci 24.01.2019
4. Weil...
Zitat von gerchla63Wir wissen, dass das Klima wärmer wird. Und wir wissen, dass die Ressource Öl endlich ist. Und was machen wir? Wir lassen Autos völlig sinnfrei Rennen fahren, CO2 rausblasen und die Umwelt versauen. Und "Otto Normalverbraucher" lässt sich beim Autokauf inspirieren und greift gerne mal zum aufgemotzten PS-Boliden, der entsprechende mehr Sprit verbrennt (und nicht selten mit Röhren-Renn-Klappenauspuff die Nachbarschaft nervt).
1. Es Spaß macht 2. Es Spaß macht 3. ES Spaß macht Dann kommen noch so Kleinigkeiten, wie Sichetheitsfahrgastzellen, Bremstechnik, Antriebstechnik UND ob sie es glauben oder nicht, ohne Rennsport würden wir heute wohl noch mit 8 Liter Hubraum, 30 Liter Verbrauch bei 3 Tonnen Fahrzeuggewicht und 50 PS wirjlich sinnlos Sprit vergeuden. Es mag viel problematisches für die Umwelt geben. Rennen sind das Kleinste
reever_de 24.01.2019
5. Danke!
Zitat von indietonnesehe ich auch so. Habe meinen TTRS natürlich auch mit Sport(Klappen)auspuff bestellt für ca 1000€ Aufpreis. Weiß nicht mehr genau. Geld wird bei sowas überbewertet meiner Meinung nach. Danke an SPON für den Artikel und die schönen Bilder. Bei youtube "zell am see icerace" eingen. Da gibs mehr aufs Ohr und auf die Augen ;) von Einem der sonst nichts kann
Danke für Ihren Beitrag - "Klima, Abgase, Feinstaub, unnütze PS-Boliden" ... Jammer, jammer, jammer. Wen es stört, der braucht nicht hinzugehen, braucht den Beitrag nicht lesen (und erst recht nicht kommentieren) kann sich ein Auto mit Gummibandmotor kaufen (oder eh besser in den Öffi setzen), kann sich statt Heizung im Winter 5 Pullover anziehen, sein eigenes Gemüse im Garten ziehen und Hühner halten. Es gibt bald keinen Beitrag mehr im Bereich Motorsport wo nicht das Gejammer, Geheule und Geweine losbricht und auf die moralisch/entrüstete Tränendrüse gedrückt wird und stets die gleiche blöde Keule geschwungen wird.
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