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Die Zukunft von Smart: Mehr Apps als Autos

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Interview mit Smart-Chefin "Die iPhone-Liebe spielt uns in die Karten"

Lange wurde der Smart verspottet, doch wer zuletzt lacht, lacht am besten: In zugeparkten Metropolen ist der Stadtflitzer plötzlich wieder modern. 2014 wird er renoviert. Gleichzeitig will Smart-Chefin Annette Winkler die Marke ausbauen - durch Apps.
Zur Person
Foto: Bernd Weißbrod/ dpa

Annette Winkler, geboren 1959 in Wiesbaden, ist seit September 2010 Chefin der Marke Smart. In ihrem Antrittsjahr war der Verkauf des Zweisitzers unter die wichtige Schwelle von 100.000 Autos gefallen. Winkler studierte Betriebswirtschaftslehre, promovierte und übernahm im Alter von nur 27 Jahren die alleinige Geschäftsführung des väterlichen Bauunternehmens. 1995 entdeckte der heutige Daimler-Chef Dieter Zetsche die Managerin bei einem Kongress in Stuttgart, wo sie als mitreißende Rednerin auffiel. 1995 ernannte Daimler sie zur Leiterin der Mercedes-Benz Öffentlichkeitsarbeit, anschließend übernahm sie verschiedene Führungspositionen im Vertrieb. Nun soll sie die Verkäufe von Smart steigern.

SPIEGEL ONLINE: Frau Winkler, Sie fahren mit Ihrem Werbespot, in dem ein Smart bei einer Offroadfahrt und ein SUV in der Großstadt bei der Parkplatzsuche gegeneinander geschnitten werden, große Sympathien ein. Der Spot bringt die Smart-Philosophie auf den Punkt. Aber fühlen Sie sich in der Mission, ein Auto für die Stadt zu bauen, nicht manchmal gefangen?

Winkler: Nein, warum? Immer mehr Menschen leben in Städten, die Parkplatzprobleme nehmen weiter zu, und entsprechend können wir dort mit Smart wachsen. In Zürich beispielsweise, der Stadt mit den meisten zugelassenen Smarts, kommt heute ein Smart auf 35 Einwohner, in Rom auf 43 Einwohner. Das wollen wir in immer mehr Städten erreichen, und es gibt weltweit noch viel Potential. Überträgt man beispielsweise die Smart-Dichte von Paris auf Shanghai, wären das alleine in dieser Stadt ca. 160.000 zusätzliche Smarts! Angesichts des offensichtlichen Bedarfs sind über 100.000 Autos, die wir jährlich verkaufen, sicher nicht das Ende der Fahnenstange. Hinzu kommt, dass die Elektromobilität gerade in den Städten zunehmen wird, wo Luftverschmutzung einfach ein Problem ist.

SPIEGEL ONLINE: Gerade Daimler hat aber in den vergangenen Monaten massiv versucht, strengere Co2-Abgaswerte für Neuwagen in der EU ab dem Jahr 2020 zu verhindern.

Winkler: Bei Mercedes-Benz wird der CO2 Ausstoß mit jedem neuen Modell ganz deutlich reduziert, und wir tragen mit Smart, und ganz besonders dem Smart electric drive, spürbar zu den sehr ehrgeizigen CO2 Reduktionszielen des Daimler-Konzerns bei.

SPIEGEL ONLINE: 2014 wird für Smart vielleicht das wichtigste Jahr seit Gründung. Nach 15 Jahren erhält der Stadtflitzer ForTwo einen Nachfolger und - jetzt sind wir wieder bei der Anfangsfrage - einen Viersitzer als großen Bruder. Der letzte Smart-Viersitzer floppte. Was macht Sie so sicher, dass der Plan diesmal aufgeht?

Winkler: Zunächst einmal wehre ich mich dagegen, dass der Forfour gefloppt sei. Wenn Sie heute nach einem gebrauchten Forfour suchen, ist er eines der gefragtesten Modelle überhaupt mit einem sagenhaft hohen Restwert.

SPIEGEL ONLINE: Ein später Achtungserfolg - gut fürs Image. Aber der wirkt sich kaum auf das Ergebnis von Daimler aus. Warum sind Sie so sicher, dass der neue ForFour ein Erfolg wird?

Winkler: Unser neuer Forfour ist ein echter Smart und bietet den Kunden mit überraschend großen Innenraum alle Vorteile für den Verkehr in der Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt im Umkehrschluss, der Vorgänger - ein aufgehübschter Mitsubishi Colt - war kein echter Smart?

Winkler: Die beiden neuen Smart Modelle stehen jedenfalls auf derselben Plattform. Zudem erhält der Forfour den Smart typischen Heckmotor und ist dem Zweisitzer wie aus dem Gesicht geschnitten.

SPIEGEL ONLINE: Auch jetzt ist der Smart ForFour allerdings kein eigenständiges Modell - diesmal erfolgte die Entwicklung mit dem Kooperationspartner Renault. Schadet das nicht dem Premium-Image?

Winkler: Die Kooperation hilft beiden Partnern, Skaleneffekte im preissensiblen Kleinstwagensegment zu erzielen. So können wir dem Kunden die Autos zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis anbieten. Aber sowohl Renault, als auch uns bei Smart, war es immer wichtig, eigenständige Fahrzeuge innerhalb dieser Kooperation zu entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Wieviel wird der ForFour denn kosten? Fachmedien haben spekuliert, dass er nicht teurer wird als der Vorgänger vor zehn Jahren - also knapp über 12.000 Euro. Ist das richtig?

Winkler: Der Preis steht tatsächlich noch nicht fest.

SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie Wachstumsmöglichkeiten für die Marke Smart? Konkurrenten wie Mini steuern mittlerweile auf eine zweistellige Zahl an Modellen zu.

Winkler: Wir denken natürlich auch über weitere Modelle nach. Aber für den Erfolg der Marke Smart sind Dienstleistungen und Apps mindestens genauso wichtig wie die Autos selbst. Wir entwickeln uns hier in allen Bereichen weiter.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie das konkretisieren?

Winkler: Wir müssen die Tatsache, dass wir ein nur 2,69 Meter langes Auto anbieten, voll ausspielen. Unsere Kollegen von den Mobility Services arbeiten zum Beispiel am Thema Parksharing. Auf einen normalen Parkplatz passt nicht nur ein Smart, sondern zwei - das kann sonst kein Auto, und diesen Vorteil muss man über gute Apps und Software maximal ausspielen.

SPIEGEL ONLINE: Wird der nächste Smart ein Drei-Liter-Auto?

Winkler: Da will ich Sie noch um etwas Geduld bitten, die Verbrauchswerte unserer neuen Autos werden wir erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem bereits vorgestellten Elektro-Roller? Kommt der wie ursprünglich angekündigt 2014?

Winkler: Das wäre aus Vertriebssicht nicht besonders clever, denn 2014 ist der Handel vollauf mit den Vorbereitungen für die Markteinführung des neuen Fortwo und Forfour beschäftigt. Den Roller wollen wir deswegen später ins Programm nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Studien besagen, dass junge Menschen in Metropolen lieber ein iPhone statt ein Auto besitzen möchten. Wie reagieren Sie darauf?

Winkler: Die iPhone-Liebe spielt uns in die Karten. "Smart"-phones - die Telefone heißen ja nicht umsonst so - bieten uns bei Smart erst die Möglichkeit, innovative Konzepte wie unser Carsharing-Angebot Car2go zu organisieren. Wir haben mittlerweile rund 10.000 Autos bei Car2go im Einsatz. Ein Großteil der Nutzer wird vielleicht keinen Smart kaufen, aber sie alle können flexibel auf einen Smart zugreifen. Und der ein oder andere sagt sogar irgendwann: Jetzt will ich selber einen besitzen.

SPIEGEL ONLINE: Aber kann Car2go die schwindende Lust am Autobesitz wirtschaftlich abfedern?

Winkler: In den ersten Städten ist Car2go bereits profitabel, und wir liefern derzeit etwa vier bis fünf Prozent unserer Smart-Produktion an unser Schwesterunternehmen Car2go. Der Anteil mag in Zukunft noch weiter steigen, der überwiegende Teil der Menschen will das Auto allerdings nach wie vor besitzen.

SPIEGEL ONLINE: Da das entscheidende Jahr für Smart noch jung ist: Wir haben in Ihrem Horoskop geblättert und geschaut, was die kommenden Monate für die Waage-Frau Annette Winkler bringen werden. Sind Sie für den Spaß zu haben?

Winkler: Klar, legen Sie los.

SPIEGEL ONLINE: "Jupiter durchläuft bis Ende Juli das zehnte Haus, in dem es um Karriere und Status geht. Gut für Sie, denn als Wachstumsplanet möchte er Erfolge mehren. Zumindest dürfte Ihr Ansehen bei Kollegen und Vorgesetzten steigen, vielleicht ist sogar eine neue Aufgabe voller Perspektiven drin."

Winkler: Eine neue Aufgabe? Hoffentlich nicht! Gott sei Dank bin ich jemand, der nicht an Horoskope glaubt. Ich will beruflich nichts so sehr, wie Smart in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Das Interview führten Michail Hengstenberg und Margret Hucko
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