Gepriesener Ölersatz Experten warnen vor Risiken beim Klimakraftstoff Ammoniak

Ammoniak gilt als Energieträger der Zukunft und könnte vor allem Schiffe antreiben. Eine neue Studie zeigt, welche Gefahren der Hype birgt.
Ein Schiff in der Nordsee (Archivbild): Bald emissionsfrei unterwegs?

Ein Schiff in der Nordsee (Archivbild): Bald emissionsfrei unterwegs?

Foto: Hauke-Christian Dittrich/ picture alliance/dpa

Die »Viking Energy« könnte voranfahren. Das Versorgungsschiff eines norwegischen Energiekonzerns soll in zwei Jahren mit einem Ammoniak-Antriebssystem ausgerüstet sein und dann emissionsfrei auf dem Meer fahren. Die EU fördert die Entwicklung der ersten »Hochleistungsbrennstoffzelle der Welt«, wie das Konsortium hinter dem Projekt die Technik nennt. Die Hoffnung: Die Schifffahrt kann mit dem System endlich beginnen, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren.

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Ammoniak ist für viele Branchenexperten gerade der Favorit unter den klimafreundlichen Kraftstoffen für die Weltmeere. So schneide die Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung besser ab als andere Alternativen, weil die Energiedichte höher und die Produktion günstiger sei, so die Klassifikationsgesellschaft KR. Zudem verfügten viele Häfen bereits über die erforderliche Infrastruktur, weil Ammoniak etwa zur Herstellung von Düngemitteln eingesetzt werde.

Weniger euphorisch sind die Umweltorganisation Nabu und das Öko-Institut. In einer bislang unveröffentlichten Studie untersucht ein Forscherteam den Ammoniak-Hype und zieht eine Umweltbilanz. »Ammoniak ist ein kohlenstofffreier, aber toxischer Energieträger«, heißt es darin. »Wenn Ammoniak in der Schifffahrt als Treibstoff verwendet werden soll, müssen die Risiken für Mensch und Meeresumwelt so gering wie möglich gehalten werden.«

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Die Ergebnisse zeigten, dass Ammoniak nur dann als Ökokraftstoff tauge, wenn das bei Produktion, Transport und Verbrennung entstehende Lachgas (Distickstoffmonoxid) eliminiert werde, etwa durch spezielle Reinigungssysteme. Mit Blick auf die Luftreinhaltung sei Ammoniak nur empfehlenswert, wenn die gesundheitsschädlichen Stickoxidemissionen in den Griff zu bekommen seien. Außerdem bedürfe es Sicherheitsvorschriften, um eine Leckage zu verhindern.

Forderung an die Bundesregierung: Auch an die Luft denken!

»Auf der Suche nach dem klimaneutralen Kraftstoff der Zukunft dürfen andere Emissionen nicht aus dem Blick geraten«, sagte Nabu-Schifffahrtsexpertin Beate Klünder. »Wir brauchen eine strenge globale Abgasregulierung, um gesundheitsschädliche Stickoxidemissionen, die bei der Verbrennung von Ammoniak, aber auch von den heute genutzten fossilen Kraftstoffen entstehen, zu reduzieren.«

Die Bundesregierung müsse sich international dafür einsetzen, dass auf allen Weltmeeren Stickoxidkontrollgebiete eingerichtet würden, fordert Klünder. Eine solche Regulierung könne schnell angestoßen werden, da dies eine bekannte Maßnahme sei, die bereits in Nord- und Ostsee und den amerikanischen Küstengewässern greife.

Da noch unklar ist, welche Klimakraftstoffe sich am Ende am Markt durchsetzen, dürften sich die Geldgeber von Ammoniak-Produktionsstätten über ein weiteres Ergebnis der Untersuchung freuen: »Selbst wenn Ammoniak nicht großflächig Anwendung als Treibstoff in der Schifffahrt finden sollte, sind Investitionen in die Infrastruktur trotzdem keine verlorenen«, so die Bilanz. Ammoniak werde für die Wasserstoffwirtschaft und die Dekarbonisierung anderer Sektoren so oder so eine wichtige Rolle spielen.

In Rostock gibt es etwa Pläne, den Hafen zu einem Zentrum für den neuen Kraftstoff zu entwickeln. Auch eine Autofähre soll auf einen Ammoniakantrieb umgerüstet werden.

Völlig neu ist der Einsatz von Ammoniak im Verkehr nicht. In Belgien trieb der Kraftstoff bereits vor 80 Jahren Busse des öffentlichen Nahverkehrs an. Und in New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana fuhren die »Streetcar« genannten Straßenbahnen im 19. Jahrhundert mit Ammoniak. Der Kraftstoff löste damals das Pferd ab.

fww
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