Autohersteller Die Autopilot-Euphorie ist vorbei

Autos ohne Fahrer? Vor wenigen Jahren galt das auf der CES in Las Vegas als die Zukunft. Inzwischen präsentieren die Hersteller dort kleinere Lösungen - häufig ebenso spektakulär.
Aus Las Vegas berichtet Thomas Geiger
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Mit tatkräftiger Hilfe aus Hollywood träumt sich Mercedes in eine heile Welt. Gemeinsam mit Disney und einem Team um Star-Regisseur James Cameron haben die Schwaben die Studie Vision AVTR auf die Räder gestellt. Inspiriert angeblich vom friedlichen Miteinander von Mensch und Technik in der Welt der Navi auf dem Planeten Pandora, wie es in "Avatar" inszeniert wurde, plädiert nach Angaben von Mercedes auch das silberne Schaustück für einen rücksichtsvollen Umgang mit den Ressourcen.

Foto: Daimler
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Verdeutlichen soll das ein organisches Design mit Türen wie Libellen-Flügel, Rädern, die aussehen wie Blütenkelche und einem Rücken, der an ein Reptil erinnert. Eine intuitive Bedienung mit einer künstlichen Qualle als zentralem Commander, ein Elektroantrieb mit Krebsgang und kompostierbare Batterien zahlen ebenfalls aufs grüne Image ein. "Die Natur ist und bleibt unser bester Lehrer", erklärte Daimler-Chef Källenius bei der Präsentation. Klingt zwar alles ziemlich fern der Realität, aber bis zur Umsetzung ist ja auch noch ein bisschen Zeit: Avatar spielt im Jahr 2154.

Foto: Ross D. Franklin/ AP
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Selbst die Sonnenblende wird jetzt digital - zumindest, wenn es nach den Forschern von Bosch geht. Denn die Firma zeigt in Las Vegas einen "Virtual Visor", der Blendungen verhindern und zugleich den Blick nicht mehr blockieren soll. Statt des bewährten Schattenspenders der von Hand vors Fenster geklappt wird, haben die Schwaben einen transparenten Schirm entwickelt, bei dem nur noch einzelne Elemente verdunkelt werden. Welche das sind, berechnet der Computer anhand von Sonnenstand und Blickrichtung. Technisch scheint das eine lösbare Aufgabe. Allerdings wird so aus einem vergleichsweise billigen Bauteil teure Hightech-Komponente. Ob es dafür Kunden gibt?

Foto: Bosch
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Startups für Elektroautos gibt es mittlerweile einige. Aber kaum ein Neueinsteiger nimmt den Mund so voll wie Henrik Fisker. Der ehemalige Designchef von Aston Martin verspricht mit seinem Ocean nicht weniger als das das umweltfreundlichste Auto der Welt. Der Elektroantrieb ist mit einem Akku für über 400 Kilometer Reichweite gepaart. Zudem gibt es ein Solardach, das pro Jahr (!) Energie für eine Strecke von rund 1500 Kilometern in den Akku speisen soll. Außerdem ein nachhaltiges Materialkonzept mit einem veganen Interieur aus alten T-Shirts und Plastikflaschen. Weil Fisker aber weiß, dass Vernunft allein keinen Bestseller garantiert, lädt er das Auto mit immer mehr und immer abgedrehteren Features auf. So hat er einen "California Mode" entwickelt, bei dem das SUV auf Knopfdruck beinahe zum Cabrio wird und sich gleich neun Fenster inklusive der Heckscheibe öffnen, und er bietet als erster Hersteller eine Karaoke-Funktion, bei der die Liedtexte zum Mitsingen übers Head-up-Display flimmern. Doch Fisker haut nicht nur beim Konzept mächtig auf den Putz, sondern wirft auch sonst mit großen Zahlen um sich. Der Preis ist zwar mit 37.500 Dollar ausgesprochen niedrig, doch die Produktionsziele sind dafür umso höher: Mit drei Modellen auf der gleichen Langform und Fabriken USA, Europa und China will er zwischen 2022 und 2027 auf eine Flotte von mehr als einer Million Autos kommen. Allerdings ist der Däne bekannt für seine hoch fliegenden Pläne - die oft nur Pläne bleiben.

Foto: Fisker
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Jeep will das schlechte Gewissen der SUV-Fahrer lindern und bringt als letzte große Offroad-Marke seine ersten Plug-In-Hybriden in Stellung. Mit dem Logo 4Xe am Heck und einem Elektromotor samt Puffer-Akku unter dem Blech sollen Renegade und Compass sowie der urtümliche Wrangler etwas grüner werden, zumindest im Stadtverkehr elektrisch fahren und auf dem Prüfstand so tatsächlich als Sparer auftreten. Details nennt Jeep noch nicht, schließlich kommen die Autos erst im zweiten Halbjahr in den Handel.

Foto: Jeep
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Die Idee vom Flugtaxi hat jetzt offenbar auch Hyundai euphorisiert - und die Koreaner haben sich dafür mit keinem geringeren als Uber zusammengetan. Auf der CES präsentieren die beiden Konzerne gemeinsam den S-A1, der zunächst pilotiert und dann autonom über Staus hinweg den erweiterten Nahverkehr für solvente Großstädter abwickeln soll. Angetrieben von einem halben Dutzend elektrischer Rotoren erreicht die für Flughöhen von 300 bis 600 Meter ausgelegte Taxidrohne mit vier Sitzplätzen Geschwindigkeiten von bis zu 290 km/h. Sie soll eine Reichweite von etwa 100 Kilometern haben.

Foto: Hyundai
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Hyundai hat um den futuristischen Elektro-Heli zudem ein ganzes Verkehrskonzept entwickelt, zu dem auch so genannte PBV gehören. Diese ebenso schmucklos gezeichneten wie phantasielos benannten Purpose Built Vehicles sind groß geratene Schuhschachteln mit Elektroantrieb, die auf intelligenten Routen autonom durch die Stadt surren und dabei jede denkbare Form des Service bieten sollen - vom Restaurant bis zum Krankenwagen.

Foto: Hyundai
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Dass die Autohersteller die CES für sich entdeckt haben, daran haben sich die Computerfreaks mittlerweile gewöhnt. Aber was macht der Land Rover Defender auf der Elektronikshow? Er wird dort stolz präsentiert, weil er das erste Serienauto weltweit mit einer Dual-Sim ist, wie der Hersteller stolz berichtet. Weil das neue Infotainment-System mit zwei voneinander unabhängigen Telefonmodulen arbeitet, kann etwa die Betriebssoftware des Autos online aktualisiert werden, ohne dass die Insassen auf das Streaming von Musik oder ihre Telefonate verzichten müssten. Außerdem surft der Defender so parallel in unterschiedlichen Netzen und erhöht damit selbst in unwirtlichen Gegenden die Funkabdeckung. Na dann.

Foto: Land Rover
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Die große Autopilot-Euphorie ist vorbei, das hört man auf der CES inzwischen von den meisten Herstellern: Zu teuer, zu aufwändig, zu komplex und auf lange Sicht wohl nicht reif für den amtlichen Segen. Stattdessen beschränken sich die Konzerne und Zulieferer zunehmend auf die so genannten Autonomie-Level 2 oder 3, bei denen der Mensch zwar die Hände in den Schoß legen darf, sich aber nach einer Übergabezeit von wenigen Sekunden wieder selbst ums Steuern kümmern können muss. ZF zum Beispiel überrascht das fachkundige Messepublikum mit einem Paket an Sensoren und Elektronik, mit dem der Endkundenpreis für einen solchen Autobahn-Assistenten nach Level 2+ unter 1000 Euro sinken kann.

Foto: ZF
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Vision oder Werbeträger? Kein anderes Auto hat in Las Vegas mehr überrascht als der Vision S von Sony – und für mehr Diskussionen gesorgt. Das Design des knapp fünf Meter langen Stromers ist vergleichsweise durchschnittlich, die technischen Eckdaten des Elektronantriebs auch. Trotzdem wird heftig über die Mission des Modells diskutiert: Steigt der Elektronikgigant noch vor Apple oder Google tatsächlich ins Autogeschäft ein? Oder dient das mehrheitlich von Zulieferern wie Bosch und ZF entwickelte Showcar nur als Schaufenster für Technologien wie mehr als 30 Sensoren und Kameras zur Umfeld- und Insassenerkennung sowie für neue Lösungen beim Infotainment? Eine offizielle Antwort auf diese Frage gibt es bei Sony nicht. Von den Messegästen glaubt allerdings kaum einer daran, dass es den Wagen irgendwann so oder so ähnlich zu kaufen gibt.

Foto: Sony Vision
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Es gibt ein Lebenszeichen vom amerikanischen Zweig des FiatChrysler-Imperiums! Als Ausblick auf eine künftige Reiselimousine hat FCA in Detroit das Airflow-Concept gezeichnet, das irgendwann mal den Voyager-Nachfolger Chrysler Pacifica beerben könnte. Antrieb und das eher reduzierte Außendesign sind Nebensache, der Airflow ist vor allem ein Schaufenster für den Blick auf neue Interieur-Lösungen. Zum Beispiel besonders bequeme Sitze und eine Bildschirmlandschaft, über die man mit Gestensteuerung surft.

Foto: Fiat
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Die große CES-Neuheit von BMW ist buchstäblich für den Allerwertesten. Statt eines neuen Autos haben die Bayern unter dem Namen ZeroG Lounger einen neuen Sitz nach Las Vegas gebracht, der binnen zwei bis drei Jahre in Serie gehen könnte und den Fahrkomfort auf allen vier Plätzen etwa im nächsten Siebener dramatisch verbessern soll. Denn zum ersten Mal kann man auf ihm auch in einer Liegeposition mit einer um 60 Grad nach hinten geneigten Lehne fahren und entsprechend entspannen. Dafür gibt es integrierte Gurte und einen neuen Airbag, der sich wie ein Kokon um die Passagiere legt und den bisherigen Prallsack im Armaturenbrett überflüssig macht.

Foto: BMW
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Musik ohne Lautsprecher versprechen Continental und Sennheiser und bringen dafür das gesamte Armaturenbrett zum Schwingen. Die Insassen genießen damit 3D-Sound wie im Kino, ohne auf nicht immer sonderlich schmucke Boxen schauen zu müssen, und der Hersteller spart bis zu 30 Kilo Gewicht und reichlich Bauraum, der für Ablagen oder Batterien genutzt werden kann. So argumentieren zumindest die beiden Zulieferer und stellen eine Serienfertigung dieses Ac2ated Sound-Systems ab dem Jahr 2022 in Aussicht.

Foto: Continental
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Der BMW i3 wird in Las Vegas zur Urban Suite: Um die neue Wohnlichkeit im Innenraum künftiger Modelle zu demonstrieren und den Messegästen einen ebenso nachhaltigen wie bequemen Transport zwischen den einzelnen Veranstaltungsorten zu bieten, hat BMW 20 Exemplare des Elektroautos umgebaut. Statt der Rückbank gibt es einen bequemen Sessel nebst Beistelltisch und dimmbarer Stehlampe, von der Decke klappt ein großer Bildschirm, und wo früher mal der Beifahrersitz war, ist nun eine Art Ottoman installiert. So fährt man im i3 bequemer als in jedem Siebener – und selbst der Dauerstau auf dem "Strip" verliert seinen Schrecken. 

Foto: BMW
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