Baden-Württemberg Seniorinnen und Senioren können Führerschein gegen ÖPNV-Ticket tauschen

Menschen ab 65 können in Teilen Baden-Württembergs bald ein Jahr lang kostenlos Bus und Bahn fahren. Die Bedingung: Sie verzichten dauerhaft auf ihre Fahrerlaubnis. Die Aktion soll die Straßen sicherer machen.
Ältere Menschen sind überdurchschnittlich oft die Verursacher von Autounfällen (Symbolbild)

Ältere Menschen sind überdurchschnittlich oft die Verursacher von Autounfällen (Symbolbild)

Foto: Harald Almonat / IMAGO

In einigen Regionen in Baden-Württemberg können Seniorinnen und Senioren bald ein kostenloses Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr erhalten – im Tausch gegen ihren Führerschein. Dazu hat das Landesministerium für Verkehr  einen Kooperationsvertrag mit zahlreichen Verkehrsverbünden geschlossen, wie der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mitteilte. »Es braucht keinen Führerschein, um mobil zu sein«, sagte der Minister bei der Vorstellung des Projektes.

Das Jahresticket wird einmalig zur Verfügung gestellt

Ab dem 1. Dezember können Seniorinnen und Senioren in den teilnehmenden Verbünden des Landes – einmalig – ein kostenloses Jahresticket für den Nahverkehr beantragen. Dafür müssen sie freiwillig und dauerhaft auf ihre Fahrerlaubnis verzichten und ihren Führerschein an die Fahrerlaubnis­behörde zurückgeben. Eine weitere Voraussetzung ist ein Erstwohnsitz im jeweiligen Verbundgebiet. An den Kosten, die durch dieses Angebot entstehen, beteiligte sich das Land Baden-Württemberg mit bis zu drei Millionen Euro, die übrigen Kosten, mindestens aber 50 Prozent, würden von den Verkehrsverbünden getragen.

In einigen Landkreisen seien ähnliche Modelle bereits erprobt worden. Angeboten werde der Tausch unter anderem von den folgenden Verbünden:

  • bodo (Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund GmbH)

  • DING (Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH)

  • HNV (Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr GmbH)

  • htv (Heidenheimer Tarifverbund)

  • KVV (Karlsruher Verkehrsverbund GmbH)

  • OstalbMobil (OstalbMobil GmbH)

  • RVL (Regio Verkehrsverbund Lörrach GmbH)

  • VHB (Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund GmbH)

  • VVR (Verkehrsverbund Rottweil GmbH)

  • VVS (Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH)

  • WTV (Waldshuter Tarifverbund GmbH)

Die Straßen sollen sicherer werden

Das Ziel der Aktion ist es, den Straßenverkehr sicherer zu machen. Denn: Mehr als ein Drittel der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer, die tödlich verunglückten, seien 65 Jahre und älter, sagte Hermann. Sofern sie bei einem Unfall ein Auto fahren, trügen Senioren in 68 Prozent der Fälle die Hauptschuld.

Angesichts des demografischen Wandels sei in den kommenden Jahren mit einer wachsenden Anzahl von Verkehrsteilnehmenden der Generation ab 65 zu rechnen, hieß es vom Ministerium.

Zustimmung äußerte Bernd Ebert vom Landesseniorenrat: Das Projekt sei eine Möglichkeit für ältere Menschen, »eine längst fällige aber aufgeschobene Entscheidung zu treffen. Wenn das Führen eines Pkw im Stadtverkehr wegen körperlicher Gebrechen oder wegen nachlassender Leistung im Sehen und Hören immer schwerer fällt und man sich unsicher fühlt, kann dieses Angebot ein Anreiz oder ein letzter Anstoß sein, den Führerschein zurückzugeben«, sagte er.

vki/dpa
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